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der aus der Vita nuova entlehnten Gedichte Dante's.

Zur

Jur Erläuterung der aus der Vita nuova hier aufgenommenen syrischen Gedichte Dante's hat es am zweckmäßigsten geschienen, dieselben geradezu mit einem gedrängten Auszug dieses Werkes zu begleiten, um die nöthigen Erklärungen nicht allein in dem Geist, sondern möglichst auch mit den Worten des Dichters felbst zu geben.

Dante erzählt also in seiner Vita nuova:

Neun Jahre nach seiner Geburt habe er die hochherrliche Beatrice (Tochter Folco Portinari's), gleichfalls in ihrem neunten Jahre, zum ersten Mal gesehen. Seit jener Zeit beherrschte Amor feine Seele. Genau neun Jahre darauf, um die neunte Tagesstunde erhielt er den ersten Gruß von ihr, und zum ersten Male bewegten ihre Worte sich zu seinem Ohre. Bol feligen Entzückens hierüber flieht er in seine Kammer und schläft ein. Im Traume erscheint ihm Amor und nennt sich seinen Herrn. In seinen Armen ruht die Holdseligste, in der Hand hålt er Dante's brennendes Herz und nöthigt die Geliebte es zu verzehren. Sobald der Dichter erwacht, beschließt er seine Freunde, berühmte Dichter, um die Deutung dieses Traumgesichts anzugehen und er thut dies in dem I. Sonett: ,,Au edle Herzen."

Seit jener Zeit erkrankte der Dichter. Eines Tages, als er in der Kirche im Anschauen der Geliebtesten verloren stand, geschah es, daß zwischen seinen Augen und ihr eine edle Frau fich befand, die ihn häufig anblickte. Alsbald denkt er daran, diese edle Frau zu einem Schirm für das Geheimniß seiner wahren Liebe zu machen. Er dichtete selbst Einiges zu ihrem Lobe, bis diese seine Beschůkerin die Stadt verließ; da es nun, um sein Geheimniß aufrecht zu erhalten, nöthig war, über ihren Abschied einige Worte der Klage zu sagen, so dichtete er das II. Trauersonett, im geheimen dabei an seine wahre Geliebte denkend: ,, Die ihr auf." Um diese Zeit starb eine der Freundinnen Beatrice's, die er einmal in ihrer Gesellschaft gesehen hatte. Aus Dankbar

keit dafür beschloß er ihren Tod in zwei Sonetten zu besino gen, und dichtete zu diesem Zweck die Nr. III: „Weint lies

bende", und IV: ,, Verruchter Tod", am Schlusse immer seiner Beatrice gedenkend.

Einige Tage darauf muß Dante verreisen und zwar nach der Gegend zu, wo jene edle Frau, die ihm als Schirm feiner Liebe gedient hatte, fich aufhielt. Er entfernte fich von seiner Seligkeit und durfte doch nicht klagen. Unterweges war es ihm als fåhe er Amor, als Pilger leicht gekleidet, bekümmert und zur Erde niederschauend. „Deine Beschüßerin kehrt nicht wieder", sagte er ihm; „ich bringe Dir daher Dein Herz zurück, damit Du es einer andern Be

schůkerin antrageft.“ Zugleich nannte er sie ihm und rieth ihm, wenn er von seiner Liebe singen wolle, es so zu thun, daß seine verstellte Liebe dadurch nicht verrathen werde. Hier: auf dichtet er das V. Sonett: ,,Jüngst ritt ich."

Nach seiner Rückkehr sucht der Dichter die neue Be: schůzerin auf, welche Umor ihm genannt hat. Dies erzeugt feindliche Gerüchte, sodaß seine Holdseligste, vor der keine Art des Unrechts bestehen konnte, ihm ihren füßen Gruß verweigerte, in welchem alle feine Seligkeit ruht. Hierauf flieht der Dichter, um ungestört weinen zu können, in die Einsamkeit. In seiner Kammer schläft er, Amor anrufend, uns ter Thránen ein. Im Traume erschien ihm der Angerufene, entdeckte ihm die Ursache des verweigerten Grußes und gebot ihm, ihr in einem Gedichte die Wahrheit zu enthüllen, in: dem er ihn selbst anriefe, sie ihr zu sagen, nicht aber sich geradezu und ohne seine Vermittelung an sie zu wenden; das Lied folle vielmehr an ihn und durch ihn an sie gerichtet werden. Der Dichter erwacht, und dichtet die Ballate Nr. VI: ,,Ballata, geh."

Nach diesem Liede erwachen Zweifel über die Rechtmäßigkeit und Jugend seiner Liebe in ihm, sodaß er dastand wie Einer der nicht weiß, welchen Pfad er einschlagen soll. In dieser Noth zeigt sich ihm keine Nettung, als in ihrem Mitleid. Um dies beschwor er sie nun in dem VII. Sonett: ,,Meine Gedanken."

Nach diesem wird der Dichter von einem Freunde unversehens an einen Ort geführt, wo er unter vielen Frauen auch seine Beatrice plóßlich erblickt. Da verließen ihn alle seine Geister bis auf den des Gesichts, der jedoch auch aus seiner Wohnung verbannt wurde, welche Amor einnahm, fodaß es ihn selbst seiner so gequälten Geister erbarmte. Darauf führt ihn der Freund hinweg; er verbirgt sich in seiner Kammer und sagt voll Beschámung zu fich felbft: „Sie selbft würde mein fich erbarmen, wenn sie den Grund meines Übels wüßte." Hierauf beschließt er ihr in dem VIII. Sonett zu sagen und anzubeuten, daß Jeder der ihn weiß, mit ihm Mitleid empfinden müsse. Dies Sonett beginnt: „Ihr spottet." Nach diesem Vorfall sinnt er dars über nach, woher es doch komme, daß ihre Nåhe ihn so verwandle, und was er ihr selbst antworten würde, wenn sie ihn nach der Ursache dieser Verwandlung fragte. Er antwortet fich hierauf selbst: daß bei ihrem Anblick Amor sein Gedächtniß tódte, und die Erinnerung vergangener Leiden ihn daher nicht bewege sie zu fliehen. Diese Antwort drúkt er in dem IX. Sonett: ,,Was in den Sinn", aus.

Vier andere Gedanken verfolgen den Dichter hierauf, welche er in dem X. Sonett niederlegte. Der erste ist: Traum, wenn er sich vorstellt, was Amor aus ihm gemacht habe; der zweite: wie Amor ihn oft plóklich überfällt und tödtet, sodaß nichts als der Gedanke an sie übrig bleibt; der dritte: daß er in diesem Kampf, erbleicht und kraftlos, noch zu ihrem Anblick fliehe, um von diesem Heil zu erlangen, und der vierte: wie dieser Anblick ihn nicht nur beschůke, sondern endlich auch vernichte. Dies Sonett beginnt: ,,Oftmals wird Sinn."

Hierauf beschließt der Dichter von sich zu schweigen,

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und künftig nur das Lob der Holdseligen zu singen. Doch als er damit beginnen will, scheint ihm sein Stoff zu hoch, seine Stråfte zu gering. In diesem Zweifel bringt er einige Tage hin, bis das Murmeln eines klaren Bachs seine Zunge løft. Doch nicht zu ihr, sondern zu edlen Frauen, die mit ihm von ihr gesprochen, erhebt er seine Worte in der ersten Canzone Nr. XI: ,,Fraun, die ihr.“ Der Dichter theilt dieses Gedicht in drei Theile, in deren erstem er bezeichnet, was er von der Geliebten und zu wem er singen wolle; im zweiten, was Himmel und Erde von ihr halten, und im dritten, was er von seinem Liede begehre.

Nachdem diese Canzone fich allmålig unter die Leute verbreitet hatte, fragte ihn einer seiner Freunde, was er glaube daß die Liebe sei. 218 Antwort auf diese Frage dichtet Dante das XII. Sonett: „Umor und edles Herz", und sucht darin auseinanderzusehen, wie Wesen und Kraft der Liebe gleichsam wie Form und Materie verbunden seien.

Hiernach kam ihm der Wunsch ein, nun auch noch anzudeuten, wie diese Liebe durch die Holdselige erweckt werde, nicht bloß da, wo sie schon schlummre, sondern selbst an den Orten, wo es ihr ganz an aller Kraft zum Erwachen fehle. Dies geschah durch das XIII. Sonett: Amor be:

wohnt.

Nicht lange darauf starb der Vater der Geliebtesten *). Frauen hatten sich um die trauernde Beatrice versammelt; der Dichter sieht sie von ihr zurückkehren, und hört sie von

*) I. 1289.

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