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nehmen, erkennbar, so haben wir uns um der Wichtigkeit dieses Gegenstandes willen, über denselben auch noch ausdrücklich daselbst ausgesprochen.

Daß eine geschichtliche Darstellung des Lebens Jesu ganz besonderen Schwierigkeiten unterliege, die haben die seit einigen Dezennien in reicher Anzahl erschienenen Bearbeitungen desselben unsers Erachtens hinlänglich bewiesen. Liegen diese Schwierigkeiten auch theilweise in der eigenthüm: lichen Beschaffenheit der zu benüßenden Quellen; so find sie doch noch ungleid) mehr in der theologischen Bildung und in dem religiösen Standpunkte derer begründet, welche diese Arbeit unternahmen. Wer die Erlösungsbedürftigkeit ded Menschengeschlechts nicht erkannt und hiervon ausgehend die Bedeutung der Erscheinung des Messias in der Welt nicht begriffen hat, dem werden die heiligen Urkunden des Neuen wie des Alten Bundes stets ein verschlossenes Buch bleiben, welche Hilf&mittel zur Er: forschung ihm historische Bildung, Kenntniß des Alterthums und philolo: gische Gelehrsamkeit überhaupt auch immer gewähren mögen. Im leben des Messias ist alles Einzelne, seine Ankunft auf Erden, seine Lehre und Wunder, sein Tod am Kreuze, seine Auferstehung und Himmelfahrt, mit jener Erkenntniß so innig verbunden, daß jenes nur hieraus richtig begriffen und beurtheilt werden kann. Diese Wahrheit ist dem Verfasser bei Lesung der vielen Schriften, in welchen das Leben Jesu bearbeitet erschienen ist, stets und in dem Maße einleuchtender geworden, als er überall, wo mißglüdte und Aergerniß gebende Versuche vorlagen, gerade darin den Grund hiervon erkannte, daß es den sonst oft mit Dálent und Gelehrsamkeit wohl versehenen Verfassern an dem Besiße und der Erkenntniß der vollen christlichen Erlösungs-Wahrheit gebrach. Daruin hat der rationalistische Skeptizismus in allen feine Formen und Schattirungen es zu keiner richtigen Darstellung des Lebens Jesu gebracht und sich einer folchen nur in dem Grade zu nähern vermocht, als er mit Aufgebung seines Standpunktes fich dem wahren christlichen Standpunkte selbst näherte und so die Klippen vermied, an denen die Unpartheilichkeit der Darstellung gewöhnlich Schiffbruch leidet.

Zwar ist eine Reihe von Untersuchungen über das Leben Jesu von dem religiösen Standpunkte des Geschichtschreibers unabhängig; aber abgesehen davon, daß durch dieselben die Geschichte des Lebens Jesu erst vorbereitet wird; so zeigt doch die Erfahrung, daß aud, hier z. B. über

die Abstammung Jesu, über die Mutter des Herrn und seine Verwandten u. a. der nicht christliche Standpunkt meist nur halbwahre oder ganz irrige Resultate erzielt.

Außer dem Zwede einer wissenschaftlichen Darstellung des Lebens Jesu verfolgt unsere Schrift auch noch einen andern: nämlich dazu beizutragen, daß das moderne Heidenthumn, jene furchtbare, gewöhnlich als Folge unvergebener schwerer Sünden qualificirte Gottegvergessenheit, woran gegenwärtig ein großer Theil des Menschengeschlechts, die den Namen Christen tragen, jämmerlich dahinfiecht, durch Einfidit in die Führungen Gottes und in die Bedeutung des Erlösungswerkes, möglichst bald überwunden werde. Die protestantischen Bearbeitungen des Lebens Jesu in der neuern Zeit mit &ußerst wenigen Ausnahmen haben in dieser Hinsicht das vorhandene Uebel bald gefliffentlich, bald absichtsloß mehr genährt und unterhalten, als zu beseitigen gesucht, indem sie, statt vor: handene geschichtliche und andere Schwierigkeiten in dem Leben Jesu gewissenhaft zu lösen, oder wenn sie dies nicht vermochten, ihren Kräften mehr entsprechende Arbeiten zu suchen, fich darin gefielen, Schwierigkeiten aller Art zu häufen, vermeintliche Widersprüche zu entdecken und meistens den fraglichen Gegenstand in Dunkelheit und Verwirrung übrig zu lassen. Hierdurch war es Vielen nahe gelegt, dieses Chaos von Meinungen der Theologen als Entschuldigungôgrund für ihre Unwissenheit in den Lehren des Christenthums und für ihre Gottesvergessenheit zu benüßen.

Aber nicht blos die Bearbeitungen des Lebens Jesu tragen diese Spuld; sondern eine Mitschuld trifft auch den Theil der protestantischen Commentare zu den beil. Evangelien und den Propbeten, in welchen über schwierige Gegenstande leicht abgeurtheilt und nach Gutdünken, ohne Einsicht in den tiefern Zusammenhang, die Schrift gedeutet wird. Das Webe, welcheð der Heiland über die Jüdischen Schriftgelehrten aušrief, welche den Schlüssel der Erkenntniß wegnehmend Andere am Eingang in die Wahrheit hinderten, trifft mit vollem Fuge auch eine große Klasse unserer modernen Schriftgelehrten, wozu sich leider gar Viele berufen dünken, die schon zu ihrem eigenen Besten nichts Ersprießlicheres thun könnten, als ihre Kräfte auf anderen Gebieten zu versuchen.

Aus dem Obigen können unsere Leser es sich erklären, wenn fie in unserer Schrift die neueren Bearbeitungen des Lebens Jesu theils über:

gangen, theil8 nur sparsam benußt finden. Die Verschiedenheit unseres Standpunkteß machte mit wenigen Ausnahınen eine solche Benußung völlig unmöglich; es sei denn, daß wir uns bemüßigt gesehen hätten, unser Buch mit einer ausgedehnten Polemik zu bereichern. Hierzu eignen fich aber unsers Erachtend besser besondere Schriften, wie Hug, Ebrard u. A. folche geschrieben haben, während sie in unserer Schrift nur das leichtere Verständniß erschwert haben würden. Alle Diejenigen, welche das Wirken Jesu Christi nicht verstehen können, sobald eß in das Gebiet des Uebernatürlichen tritt; ebenso Jene, welche die Aedytheit und Glaub: würdigkeit der evangelischen Nachrichten und den besondern Charakter dieser Schriften nicht anerkennen; allen Diesen fehlt es nicht an den verschiedenartigsten Erklärungen und Argumenten, womit sie ihre Ansicht bis in die einzelnen Mittheilungen der Geschichte hinein zur Geltung bringen. Eine Polemik hiergegen in einer Darstellung des Lebens Jesu halten wir für nußlos.

Als der Druck unserer Schrift bereits begonnen hatte, kam und die neueste Bearbeitung des Lebens Jesu, nämlich die Geschichte Christus' und seiner Zeit von Heinrich Ewald. Göttingen 1855“ durch den Buch handel zu. Ein Bedauern über das für unsere Benußung etwas zu spåte Erscheinen dieses Bucho' hat uns bei Lesung desselben nicht erfüllt, indem wir bei der Verschiedenheit des Standpunktes und bei der Beschaffenheit der Schrift im Einzelnen nur Weniges daraus hätten gebrauchen können, wie folgende Bemerkungen über dieselbe darthun werden.

Bei nicht wenigen protestantischen Gelehrten der neueren Zeit zeigt fich ein unverkennbares Gelüste, in ihren Schriften durch einzelne gelegentlich hingeworfene Bemerkungen bald die Einrichtungen, bald den Glauben der katholischen Kirche gleichsam im Vorbeigehen spottend oder tadelnd anzugreifen. So lasen wir dies zu unserm Bedauern in J. P. Lange's Geschichte der Kirche 1. Th. 2. Bd.; so auch noch kürzlich in der kleinen „die Verirrungen der christlichen Kunst 2. Aufl. Breslau 1855" betitelten Schrift von W. Ranke, welcher S. 6 den Katholiken den Glauben andichtet, daß sie den Papst für Gott, und Gott für den Doppelgånger des Papste8 bielten; weshalb diesen Schriftsteller bereits durch W. Menzel (litteraturblatt Nr. 71) gerechter Tadel getroffen hat.

Zu dieser Schriftstellerklasse gehört auch H. Ewald. Früherer Vor: gänge nid)t zu gedenken, so hat er in dieser seiner neuesten Schrift ohne durch den Gang seiner Untersuchungen irgendwie veranlaßt zu sein und ebenso ohne alle Begründung durd) sehr ungeziemenden Tadel von Einrichtungen und Lehren der katholisd)en Kirdye seinen Haß gegen dieselbe zu erkennen gegeben. Einzelne dieser Unzierden jenes Buchs und noch einiges Andere zur nähern Würdigung der wissenschaftliden Seite deo: felben wollen wir unsern Lesern nicht vorenthalten.

S.185 mad)t Ewald zu dem an und für sich id)on unrichtigen Saße: Christus habe durch seine Lehre nicht im Geringsten schon sein Werk auf Erden gründen wollen, in einer Note die eigenthümliche Beinerkung: ,,eben dadurch unterscheidet sich Jesu völlig von Buddha, welcher als wahrer beiliger bettelmönch (und als solcher freilid, unendlich größer und herrlicher als unsre aus dem Mittelalter abftammenden) nur lehren wollte und von vorne an eine unübersteigliche scheidewand zwischen den eine Gemeinde für sid, bildenden Heiligen und den Gemeinen zog, åbnlich wie alsdann der Römische Papst eine soldhe doppelbeit in das Chri: stenthum hineinlog.“

Ferner S. 398, nachdem er in Ansehung des Verräthers Judas erklärt, daß die Versuchung zur Habsucht um so stärker werden könne, je mehr eben der Besiß von Schäßen dieser Art sonst verachtet, oder gar der Nichtbesiß von ihnen zu einem gesellschaftlichen Grundsaße erhoben worden, bemerkt er: ,,dies die ursache warum sich gerade bei flöstern und mönchen, Buddhistischen wie Christlichen, im allgemeinen soviel geiz und soviel besorgtheit um das leibliche durdikommen findet."

S. 228 bei Gelegenheit der Erzählung von der Tempelreinigung, deren er den heil. Evangelien entgegen nur eine einmalige annimmt, kann Ewald sich nicht entheben zu bemerken: Eine solche Entweihung der heiligen Räume fei freilich überall leicht möglich, habe auch im Christenthum oft sich wiederholt und werde nid)t selten aud durch der Priester Trågheit oder gar Gewinnsudyt befördert.

S. 368 lesen wir, daß das Volf in Jerusalem, abhängig von den Genüssen, Freuden und Vortheilen der Heiligherrschaft

, wie sie dainals in seiner Mitte fid ausgebildet hatte, allerdings ebenso zu fürchten gewesen sei, wie die wenigen Heiligherrscher selbst, welche seine Vernichtung betrieben. Hierzu fügt Ewald in einer Note:

„ähnlich wie kein volk erbärmlicher ist als das von den Päpstlichen freuden genüssen und festen abhängige Nömische, und keins im seche: zehnten Jahrhundert in Frankreich gegen die Reformation gewissenloser war als das Pariser unter der berrschaft des Hofes der Sorbonne und der gesuiten."

Auch Maria, die Mutter des Herrn, ist vor den Angriffen Ewalds nicht sicher. S. 146 berichtet er mit größter Entschiedenheit: Jesus sei der Sohn Josephs von Nazareth gewesen, und seine Mutter Maria habe außer Jesus vier jüngere Söhne und mehrere jüngere Tödyter gehabt. Sodann bemerkt er S. 284: „Nichts ist auch nach den Neutestamentlichen urkunden alberner und grundloser als die Marienverehrung.“

Zu diesen Aeußerungen Ewalds mögen folgende Gegenbemerkungen dienen:

Wo dieser Gelehrte seinen Unterricht über die katholische Heiligen: verehrung bergenommen habe, ist uns zwar nicht bekannt; daß aber seine S. 185 zur Schau gestellte Kenntniß derselben falsch ist, dies kann er aus jedein katholischen Handbuch der Glaubenslehre, selbst auf jedem guten Statechiðmus erfahren. Sein auf Unkenntniß der katholischen Lehre berubender Ausfall auf den Röinischen Papst ist daher eben nicht ehrenvoll für einen Mann, der sich mit Geschichtschreibung befaßt.

Auch die Bemerkungen S.398 über den angeblichen Geiz der Klöster, deren Regel freiwillige Armuth ist, und S. 288 über die Trägheit und Gewinnsucht der Priester, kommen auð einer unlautern Quelle: Denn bekanntlich verwenden die Klöster dieser Regel dasjenige, was ihnen als milde Spende zufließt, zur Speisung und Pflege der Armen und keineswego zur Ansammlung von Vermögen. Auch nicht der Einzelne dieser Verbrüderung kann für sich Vermögen besißen, oder sammeln. Womit will Ewald nun seine Dichtung über den Geiz dieser Corporationen begründen? Ferner: will man die Christliche Priesterschaft unpartheiisch beurtheilen, so wird man auch ihr den Vorwurf der Trägheit und Ges. minnsucht nicht inachen können. Zwar ist auch im Christenthum die Entweihung heiliger Räume schon oft vorgekommen; aber nicht durch die Diener am Altare, sondern durch gottvergessene Gelüste ganz anderer

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