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hier wirklich von den sieben Gaben redet, kann Niemand in Zweifel ziehen; auch ist es unmittelbar aus dem Texte sicher, daß dieselben von ihm einfachhin Tugenden genannt werden.

Die zweite Einwendung kommt mit einer ähnlichen Stelle aus Augustinus : ,2. Praeterea Augustinus in lib. 1 de quaestionibus evangel. quaest. 8 exponens illud quod habetur Matth. 12: Tunc vadit et assumit septem alios spiritus etc., dicit: Septem vitia sunt contraria septem virtutibus Spiritus sancti, id est septem donis. Sunt autem septem vitia contraria virtutibus communiter dictis. Ergo dona non distinguuntur a virtutibus communiter dictis."

Der Augustinische Saß scheint zu Gunsten der behaupteten Identität sogar ein doppeltes Gewicht in die Wagichale zu werfen. Zuerst nämlich wird auch hier wie, vorher bei Gregor den Gaben der Name Tugend zugeeignet; ferner aber wird erklärt, daß sie den Gegensaß zu den sieben Hauptlastern bilden; da nun diese legtern bekanntlich im Gegensaße zu den Tugenden stehen, so scheint dieses darzuthun, daß Augustinus Gaben und Tugenden für identisch halte.

Die dritte Schwierigkeit stüßt fich auf Definitionen. Sie findet, daß die bekannte Wesensdefinition von Tugend auch das innere Wesen der Gaben bezeichne, und daß der Wortbegriff von Gabe auf die von Gott dem Menschen eingegossene Tugend passe.

„3. Praeterea quorum est definitio eadem , ipsa quoque sunt eadem. Sed definitio virtutis convenit donis; unumquodque enim donum est bona qualitas mentis, qua recte vivitur etc. Similiter definitio doni convenit virtutibus infusis; est enim donum datio irreddibilis, secundum Philosophum lib. 4 Top. cap. 4 loc. 50. Ergo virtutes et dona non distinguuntur.“

Das Argument scheint nachzuweisen, daß wir in den Gaben nichts anderes zu sehen haben als sieben eingegossene Tugenden.

Die vierte Objection zeigt im Sinzelnen, daß von den sieben Gaben sechs genau dieselben individuellen Namen tragen wie gewiffe intellectuelle und moralische Tugenden; es liege mithin, so schließt sie weiter, kein Grund vor, an eine Verschiedenheit Ersterer von Legtern zu denken. „Praeterea plures eorum quae enumerantur inter dona sunt virtutes; nam sicut supra dictum est quaest. 57 art. 2, sapientia et intellectus et scientia sunt virtutes intellectuales ; consilium ad prudentiam pertinet; pietas autem species. est justitiae; fortitudo autem quaedam virtus est moralis. Ergo videtur quod dona et virtutes non distinguuntur.“

II. Das Argumentum und die Prüfung unbaltbarer Anfichten.

Das auf die Objectionen folgende Corpus besteht in vorliegendem Artikel aus drei flargeschiedenen Theilen. Den ersten bildet, wie gewöhnlich, das sogenannte Argumentum; der zweite ist der Kritik der unhaltbaren Meinungen gewidmet; im dritten entwickelt Thomas seine eigene Ansicht.

Das Argumentum ist in folgende Worte gekleidet: ,Sed contra est quod Gregorius in 1 Moral. cap. 12 distinguit septem dona , quae dicit significari per septem filios Job, a tribus virtutibus theologicis, quas dicit significari per tres filias Job; et in 2 Moral. cap. 26 ante med. distinguit eadem septem dona a quatuor virtutibus cardinalibus, quas dicit significari per quatuor angulos domus.

Ade Artikel der Summa haben bekanntlich nach den Objectionen das sogenannte Argumentum. Seine Aufgabe ist, der in den Objectionen vertheidigten Ansicht auf schlagende Weise zu widersprechen, und eine Art vorläufiger Schußwehr oder auch eine einstweilige Grundlage zu gewinnen für die vom Auctor vertretene Lehre, welche im weitern Verlaufe des Corpus aufgestellt, erklärt und speculativ bewiesen werden fou.

In unserm Falle besteht die Grundlage in dem gewichtigen Unsehen des hl. Gregorius, welches der Aquinate in directem Widerspruche gegen die Behauptung der ersten Objektion entschieden für die positive Gabentheorie beansprucht und zwar mit Recht. Denn wenn Gregor die sieben Söhne Job's als die mystischen Embleme der sieben Gaben erklärt, und in den drei Töchtern des Dulders Bilder der theologischen Tugenden sieht, und endlich die vier Ecken des Hauses als die vier Cardinaltugenden auslegt, so ist es ohne Weiteres evident, daß in des Kirchenvaters Auffassung die Gaben von den genannten theologischen und Cardinaltugenden wenigstens in ähnlicher Weise verschieden sind wie die Söhne von den Töchtern und den þausecken. Die intellectuellen Tugenden sind zwar in diesem Nachweise nicht ausdrücklich erwähnt; allein die Ansicht Gregors auch über diese kann kaum zweifelhaft sein,

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sobald wir uns erinnern, daß unter den Cardinaltugenden sich schon eine intellectuelle befindet, und daß der für diese ausdrücklich behauptete Unterschied wegen Gleichheit der Natur auf die übrigen ausgedehnt werden müsse. Außerdem zeigen die Namen von wenigstens drei Gaben, daß sie nicht dem Verstande, sondern dem Willen angehören und somit in keinem Falle mit den Verstandestugenden identisch sein können.

Uebrigens würde auch ohne diese Reflexionen das Argumentum die erforderliche Kraft besiken und seinen Zweck erfüllen, welcher, wie bemerkt wurde, nur darin besteht, den Eindruck der Objectionen zu neutralisiren und der gegentheiligen Ansicht vorläufig und im Allgemeinen eine gewichtige Unterlage zu schaffen.

Auf das Argumentum folgt als zweiter Theil des Corpus die Aritit der Theorien, welche von Andern über das Wesen der Saben und ihre Beziehung zu den Tugenden aufgestellt worden waren. Die dritte Objection hatte bereits hervorgehoben, daß die Definition von Tugend und die allgemeine Wortbedeutung von Gabe keinen Gegensaß aufweisen, und daß mithin Tugend und Gabe nicht nothwendig von einander verschieden sein müssen, sondern recht gut in objectiver fdentität zusammenfallen können; auch war ebendaselbst weiter darauf aufmerksam gemacht worden, daß diese in fich mögliche Identität in den eingegossenen Tugenden zur vollendeten Thatsache geworden sei; sie sind ja, weil von Gott eingegossen, zugleich Gaben Gottes. Da nun eben dieser Gedanke von der negativen Gabentheorie, welche die Verschiedenheit der Gaben von den Tugenden läugnet, zum Stüzpunkte und Fundamente gemacht wird, so beginnt Thomas seine Kritik der hinfälligen Ansichten mit derselben Darlegung. Er schreibt:

,Respondeo dicendum quod si loquamur de dono et virtute secundum nominis rationem, sic nullam oppositionem habent ad invicem. Nam ratio virtutis sumitur, secundum quod perficit hominem ad bene agendum, ut supra dictum est quaest. 55. art. 3 et 4. Ratio autem doni sumitur secundum comparationem ad causam, a qua est. Nihil autem prohibet, illud quod est ab alio ut donum, esse perfectivum alicujus ad bene operandum, praesertim cum supra dixerimus, quaest. 63 art. 3, quod virtutes quaedam nobis sunt ivfusae a Deo. Unde secundum hoc donum a virtute distingui non potest.

Es wird hier nicht bloß zugestanden, sondern durch Analyse der ydeen bewiesen, daß Tugend und Gabe, insofern ihre uns mittelbaren Namensbegriffe (ratio nominis) in Frage kommen, sich nicht widersprechen und ausschließen. Die Wortidee von Tugend, so wird gelehrt, faßt die Wirkung des Gegenstandes ins Auge, da sie ja eine vollkommenheit ausdrückt, welche den Menschen zu rechtem þandeln fähiger macht. Der Namensbegriff von Gabe läßt aber die Wirkung des Dinges ganz unbeachtet, und betrachtet nur dessen Herkunft; denn Gabe besagt einen Gegenstand, der von einem Andern herkommt. Nun läßt sich aber kein Hinderniß erkennen, weshalb Etwas, was in Rücksicht auf Herkunft Gabe ist, nicht kraft seiner Natur die Wirkung haben könnte, den Empfänger zu rechtem Þandeln fähiger zu machen. Und zum Beweise der Richtigkeit dieser speculativen Erwägung beruft sich auch unser Text, wie oben die dritte Objection, auf die factisch stattfindende Verbindung der beiden genannten Ideen in den eingegossenen Tugenden, deren Dafein und Eingießung in einer frühern Abhandlung gelehrt worden sei.

Aus dieser Wahrheit erfließt ganz von selbst der gezogene Schluß: „Unde secundum hoc donum a virtute distingui non potest." Der demonstrative Ausdruck ,secundum hoc" steht hier, nach Ausweis des Contextes, für die in den Anfangsworten klar gegebene Bestimmung „secundum nominis rationem"; Thomas ist also auch persönlich der wohlbegründeten Ansicht, daß durch Betrachtung der bloßen Wortbegriffe eine objective Verschiedenheit zwischen Gaben und Tugenden nicht gefunden werden kann.

Die negative Gabentheorie nun glaubt sich berechtigt, aus dem bisher über die Wortbedeutungen Constatirten die weitere Folgerung ziehen zu dürfen, daß auch zwischen den speziell so gegenannten sieben Gaben des hl. Geistes und zwischen den Tugenden kein objectiver Unterschied angenommen werden müsse, sondern daß Erstere nichts anderes seien als eingegossene Tugenden, die eben wegen ihrer Eingießung in den Menschen durch Gott die traditios nelle Benennung Gaben erhalten hätten.

Der englische Lehrer verurtheilt diese erste Meinung in dem zunächst folgenden Tertabschnitte, indem er schreibt: „Et ideo quidam posuerunt, quod dona non essent a virtutibus distinguenda. Sed eis remanet non minor difficultas, ut scilicet rationem as

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signent, quare quaedam virtutes dicantur dona et non omnes, et quare aliquae computentur inter dona, quae non computantur inter virtutes, ut patet de timore.“

Die Anfangsworte , et ideo", welche auf die vorausgegangene Erörterung über die Wortbegriffe zurückweisen, unterrichten uns, daß eben dieser leştere Grund von den Anhängern der negativen Gabentheorie zum Fundamente und þauptmotiv ihrer Ansicht gemacht wurde. Wer diese Anhänger sind, gibt der Text nicht genauer an; vielleicht hielt den stets liebevollen Engel der Schule eine zarte Rüdricht ab, uns dort die Namen der Personen zu geben, wo er die von ihnen vertretenen Meinungen zu mißbilligen fich gezwungen fah.

Denn mit kritischem Finger weist er gleich auf die doppelte Schwierigkeit hin, welche diese Theorie als hinfällig erscheinen läßt: sie kommt in Conflikt mit dem, was über die Gaben positiv überliefert ist, mit der Zahl und den Einzelnamen. Wir sehen, diese Kritik seßt als festen Punkt die gewöhnliche Traditionslehre über diesen Gegenstand voraus, nach welcher für die Gaben sowohl die Siebenzahl als auch die bekannten Einzelnamen feststehen. Diese Traditionslehre war schon vorher wiederholt zum Ausdruck gekommen in den Objectionen; und aus der ersten Objection entnehmen wir überdies, daß die Tradition ihre Quelle oder wenigstens ihre Stüße hat in dem bekannten Texte des Propheten Fjaias 11, 2.

Thomas nimmt diese Lehre, mag man sie nun mit Rücksicht auf Augustinus und Gregorius Ueberlieferung oder in Hinsicht auf Isaias Bibellehre nennen, einfachbin als gegeben an; im Vertrauen auf die Auctorität der beiden Kirchenväter unterläßt er es, den Bibeltext philologisch zu untersuchen, und sieht, den allgemeinen Standpunkt der scholastisch-speculativen Theologen auch hier einz nehmend, seine specielle Aufgabe darin, den positiv gegebenen Lehrinhalt in richtigem Verständnisse zu erfassen, speculativ zu durchdringen und mit andern verwandten Wahrheiten in Zusammenhang und logischen Einklang zu seßen.

Die Traditionslehre enthält, wie gesagt, nicht nur die Siebenzahl, sondern auch die Einzelnamen der Gaben des hl. Geistes. Mit diesen zwei Punkten, welche auch bei seinen Gegnern feststehen, hält der Aquinate die negative Gabentheorie zusammen und deckt so die Unzulänglichkeit Lekterer auf. Ist das angeführte speculative

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