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laubtheit aus. Die Verschiedenheit der Ansichten beruht wohl auf der Werschiedenheit der Fälle, welche die genannten Verfaßer im Auge haben. Denn To sehr es als unerlaubt verurtheilt werden muß, aus einer reinen „Eitelkeitsgrille“ sich einer lebensgefährlichen Operation zu unterziehen, so wenig kann man vom Standpunkte der Moral dagegen einwenden, daß ein Mensch von einem wahrhaft lästigen Uebel, wodurch ihm das Leben oft schwerer wird als der Tod, in einer lebensgefährlichen Operation Heilung sucht.

Noch nach einer andern Richtung scheint uns zwar nicht sapellmann und Stöhr, wohl aber Offers etwas zu weit gegangen zu sein, wo er nämlich sich bemüht über einzelne Lehrpunkte seinen Lesern einen möglichst vollständigen pastoral-theologischen Unterricht zu geben. 8. B. alle firchlichen Vorschriften, die sich auf den articulus mortis beziehen mit sorgfältigster Genauigkeit zusammenstellen, das scheint uns außer dem Zwecke der Pastoralmedicin zu liegen. Ebenso ist das in der längeren Abhandlung über den Priesterstand S. 177 ff. von der Ausbildung der Sprachwerkzeuge durch den Gefang und von der Ansteckung bei Aranken Gesagte sehr gut und dankenswerth; das Uebrige gehört aber entweder in die Moral oder in die Pastoral oder in das Kirchenrecht und ist in jedem Compendium der Theologie zu finden. Es wäre zu bedauern, wenn der Priester sich damit zufrieden gäbe, was er über theologische Lehrpunkte aus einer Pastoralmedicin lernen kann; und das um so mehr, als manche Behauptungen nicht mit Unrecht beanstandet werden können. Wenn es bei Olfers S. 165 heißt: ,,Denjenigen, die in actuali peccato sterben, ist die heil. Delung zu verweigeren, selbst wenn man sie absolviren kann."; so steht diesem Saße die Pastoralregel entgegen, die Schüch (Handbuch der Pastoraltheologie S. 737) so ausdrückt: Wer die Lossprechung (bedingt oder unbedingt) in articulo mortis erhalten kann, dann kann auch die leßte Delung, welche die Vollendung der Buße ist, (in derselben Weise) gespendet werden.“ D. beruft sich für seine Behauptung zwar auf Gousset; allein selbst der beste Autor ist nicht in jedem Punkte ein zuverläßiger Gewährsmann.

Um häufigsten sind die Berührungspunkte zwischen der Moral und der Physiologie da, wo es sich um Sünden gegen das VI. Gebot und um das Geschäft der Fortpflanzung handelt. Daß die Untersuchungen und Beobachtungen, die von den Naturforschern auch auf diesem Felde oft mit unbegreiflicher Underfrorenheit angestellt wurden, manches neue Resultat zu Tage gefördert haben, das in der Moral Berücksichtigung fordert, muß anerkannt werden. Und da auch haben Rapellmann und Difers und zum Theile auch Stöhr (in der pastoralmedicinischen Casuistik) die neuen Ergebniße der Physiologie mit großer Freiheit zur Beurtheilung der alten Lehrfäße der Moral verwendet. Wer die betreffenden Erörterungen liest, wird finden, daß die genannte Beurtheilung nicht immer glücklich ausgefallen; um so gebieterischer tritt aber an die Casuisten von Fach die Forderung heran, die Ergebniße der Naturwissenschaften, namentlich da wo sie Fragen der Moral und Pastoral berühren, kennen zu lernen, und bei der Lösung derselben zu verwerthen. Es läßt sich nicht verkennen, daß mancher moral-theologische Lehrsaß auf Vorausseßungen ruht, die sich nach dem gegenwärtigen Stande der Naturwissenschaften als unhaltbar erwiesen haben, und es ist ein großes Verdienst der Werfe, die wir besprechen, daß fie darauf aufmerksam machen. Wie das gegenwärtige sociale und wirthschaftliche Leben eine Menge neuer Fragen aufgeworfen hat, die noch immer auf eine Erörterung und Lösung von Seite der Casuistik warten, so gibt es nach den Beobachtungen der Physiologie eine Reihe alter Fragen, die entweder eine neue Lösung oder eine Rechtfertigung der alten dringend erheijchen. Innsbruck.

Noldin S. J.

Dae Christenthum und die Einsprüche seiner Gegner. Eine Apologetit für jeden Gebildeten von Dr. Christian H. Vosen, Religionslehrer am Marzellen-Gymnasium zu Köln. Vierte Auflage, bearbeitet von Dr. Ferdinand Rheinstädter, Religionslehrer am Gymnasium zu Neuß. Mit Approbation des hochw. Capitels - Vicariats Freiburg. Herder, 1881. 857 S.

Der Apologetik ist in unserer Zeit eine ebenso wichtige als umfassende Aufgabe erwachsen. Der Geist der Verneinung, der die Atmosphäre durchweht, die vielseitigen, heftigsten Angriffe gegen die christliche Offenbarung auf dem Gebiete der „exacten Wissenschaften“, der Radikalismus einer ungläubigen Philosophie rütteln an den Grundpfeilern des Christenthums, ja des Glaubens an eine höhere Welts ordnung überhaupt und fordern die gläubige Wissenschaft zum Vertheidigungskampfe heraus. Die katholische Wissenschaft verfennt das dringende Bedürfniß der Gegenwart und ihre demselben ent

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sprechende Aufgabe nicht; die Literatur der leßten Decennien ist reich an apologetischen Erzeugnissen, meist Monographien. Unter den apologetischen Werken mit universellem Charakter nimmt die in den weitesten Kreisen bekannte Apologie von Dr. Vofen eine hervorragende Stelle ein. Die Anschauung des Bearbeiters der vierten Auflage über dieses Werk theilen wir vollends: Mag dass felbe an Wissenschaftlichkeit weit übertroffen sein von den Werken Þettingers und Hade's, es behält seinen originellen Werth und ist durch die Ruhe gründlicher Erörterung im Tone edler Conversation vielleicht geeigneter, den Gläubigen zu festigen, den Zweifler zu klären und zu beruhigen, den Ungläubigen zu überzeugen, als irgend ein anderes auf dem deutschen Büchermarkt.“ Vosens Apologie enthält Vorzüge, die durch keine Wissenschaftlichkeit erseßt werden können. Das Buch wendet sich, wie es der selige Verfasser selbst in der Vorrede zur zweiten Auflage ausgesprochen hat, überall an das ruhige Nachdenken des Lesers, und wir können hinzufügen, es regt dasselbe mächtig an und, worin mir seinen höchsten Vorzug erbliden, veranlaßt den Leser durch eine äußerst glüdliche Ver werthung des psychologischen Momentes zur wich. tigen Reflexion auf sein Inneres, es sucht den Unglauben in seinem geheimen Verstecke, im $erzen auf. Die sprachliche Darstellung ist zwar einfach, aber nichts weniger als langweilig; die Klarheit, Durchsichtigkeit und Anschaulichkeit des Gedankens sucht ihres gleichen. Niemals verleßt Vosen, gewinnt vielmehr durch die leiden schaftslose Ruhe, durch den wohlwollenden Ton einer edel gehaltenen Sprache. Seine Apologie des Christenthums und des Ratholizismus ist nicht in hohem Grabe ausgezeichnet durch das, was man Erudition nennt, aber sie bekundet seltene Menschenkenntniß gepaart mit tiefem, durchdringendem Denken. Nicht nur die perfönlichen Freunde und Schüler des bereits vor einem Decennium dahingeschiedenen Verfassers, sondern alle, die fein Wert fennen, werden darum eine neue Auflage desselben mit lebhafter Freude begrüßt haben.

Durch die Neubearbeitung hat das Werk an seiner glüdlichen Eigenart und Originalität ebenso entschieden verloren, als es an wissenschaftlicher Form und dogmatischer Correctheit gewonnen hat. piedurch ist noch kein Tadel über die Neubearbeitung ausgesprochen. Eine wenigstens theilweise Umarbeitung war Bedürfniß.

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Einerseits enthielt das Werk Vosens mehrfach Ungenauigkeiten, bekanntlich auch solche dogmatischer Natur; andererseits durfte der neueste Fortschritt der Wissenschaften nicht unberüdsichtigt bleiben. „Erhebung des Werkes auf den Standpunkt neuester Wissenschaft, dogmatische Correctheit und größere Vorsicht in wissenschaftlich noch unentschiedenen Fragen sind die Ziele, welche den Bearbeiter der neuen Auflage (eiteten.“ Referent fann dem Herrn Rheinstädter das Zeugniß nicht vorenthalten, daß es ihm bei dankenswers them Eifer, umfassenden fenntnissen und dogmatiidher Gewandtheit im hohen Grade gelungen ist, das vorgested te Ziel zu erreichen, und kann darum auch den Verlust der werthvollen Originalität des Vosen'schen Werkes, insoweit dieselbe diesem Ziele geopfert erscheint, nicht beklagen. Aber war hiezu wirklich erforderlich, daß von der Waffe des Wißes und der fronie gegenüber den Gegnern so ausgiebiger Gebrauch gemacht wurde ? Rheinstädter hat auch in der neuen Auflage Vojens beachtenswerthe Worte stehen gelassen: „Aber der fromme Eifer darf es nie vergessen, daß in diesem tampfe, auch bei der größten Lebhaftigkeit liebende Schonung der Personen mit heiligem Ernste gegen die Lüge verbunden bleiben muß. Niemand bekehrt seinen Mitmenschen durch Beleidigung." Hätte er sich diesen Saß doch stets gegenwärtig gehalten! Mitunter finden hämische Bemerkungen gerade dort eine Stelle, wo sich die anderen Waffen, mit denen operirt wird, weniger wirksam erweisen; so z. B. auf Seite 117, 121, 130. Auf die weitaus größere Mehrzahl derjenigen, die ein Bedürfniß nach Befestigung ihrer Glaubensüberzeugung, nach Aufschluß und Beruhigung ihrer Zweifel in sich fühlen, macht der Gebrauch dieser Waffe einen ungünstigen Eindruck. Der Fehler ist um so entschiedener zu mißbilligen, als er mit den unverändert gebliebenen Theilen des Vosen'schen Werkes zu grell contrastirt.

Die Anlage des Werkes ist im Wesentlichen dieselbe geblieben; dieselbe Anzahl (17) und Anordnung der Capitel; dieselbe Anzahl (104) von $8 ; lektere haben aber nach Inhalt und Anordnung eine mehrfache Veränderung erfahren und find zum Theile ganz neu bearbeitet worden. Näher auf die Sache einzugehen verbietet der dem Referat zugemessene Raum. Nur die wichtigsten der bei genauer Einsichtnahme und bis ins Detail gehen

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den Vergleichung der neuen Auflage mit der zweiten gemachten Wahrnehmungen mögen eine cursorische Erwähnung finden.

Im I. Capitel: Kurzgefaßte Bertheidigung des Christenthums als Einleitung", hat der Begriff des Gewissens eine vortheilhafte Präcision erlangt in der Definition: „Das Gewissen ist das fittliche Bewußtsein des Menschen, in welchem er 1. fich dem Geseke, das Gute zu thun und das Böse zu unterlassen, unbedingt derpflichtet und verantwortlich weiß, und 2. dieß Geseß in obersten allgemein giltigen und unfehlbaren Grundfäßen erkennt, und 3. dasselbe vermittels eines fehlbaren Verstandes auf seine einzelnen Handlungen vor und nach derselben anwendet. Das dritte Mos ment nennen wir den Gewissensausspruch, das zweite die Gewissensgrundfäße, das erste aber die Gewissensstimme, oder die Stimme Gottes im Menschen.“ In der Ausführung tritt aber der übermenschliche Charakter des höheren Sollen" über dem Wollen zu wenig hervor; auch der Atheist muß ein solches anerkennen, wenn er anders den Unterschied zwischen Gut und Bös nicht gänzlich leugnet; die Macht der objectiven, vom Menschen unabhängigen Wahrheit ist auch ein über dem Wollen stehendes „Gese.“ Im II. Capitel : „Von der Natur des christlichen Glaubens und von seiner Stellung gegenüber der Wissenschaft“ wurde nach des Bearbeiters eigenen Worten ,manche philosophische und theologische Ungenauigkeit entfernt und im §. 14 der bekannte Saß Lessings von den zwei Händen einer eingehenderen Widerlegung gewürdigt." Die Aenderung hätte noch etwas weiter gehen können. Im . 6 über die Zuverlässigkeit der Sinneswahrnehmung legen die anges zogenen Beispiele vom Spiegelbild, von dem gebrochenen Stabe im Wasser und die hiezu gegebene Erklärung den Gedanken nahe, jener Naturzwang, die Gegenstände der sinnlichen Erscheinung als das für wirklich zu halten, was sie den Sinnen scheinen, von dem der Verfasser spricht, sei eben nur die Geläufigkeit unseres subjectiven Urtheiles bei Sinneswahrnehmungen, ein Gedanke, mit dem fich die objective Wirklichkeit der Sinne wahrnehmungen nicht vers tragen kann. Die „moralische" Ueberzeugung als die Ueberzeugung, die nicht ohne Einfluß des Willens zu Stande fommt, darf nicht auf das bloje Gebiet des Glaubens beschränkt werden. Ueberhaupt spricht der erkenntnißtheoretische Theil auch in seiner neuen Form weniger an. Das III. Capitel : „Die Gründe des Un

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