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glaubens“ ist ohne nennenswerthe Aenderung in die neue Auflage übergegangen. Dagegen hat das IV. Capitel : „Die Lehre von der Geistigkeit der Seele und ihr Gegensaß, der Materialisinus" eine gründliche, in wissenschaftlicher Beziehung vortheilhafte Umgestaltung erfahren. Das reiche Material erscheint logisch und übersichtlich geordnet, aber etwas zu wenig durchdacht, daher die geltend gemachten Beweismomente mehrfach nicht ausreichend ents wickelt, hin und wieder fehlerhaft erscheinen, während nicht unwichtige gänzlich übergangen sind. So motiviren z. B. die obers flächlichen Bemerkungen über das Traumleben S. 127 die Wißeleien über Darvin nicht. Fehlerhaft ist das Argument, wornach aus der Thatsache, daß das Bewußtsein des eigenen ich ein unmittelbares, das Wissen um das Gehirn aber nur ein durch äußere Beobachtung vermitteltes sei, der Schluß gezogen wird, daß das Bes wußtsein nicht eine Funktion des Gehirns sein könne; denn das Bewußtsein sagt mir ja auch nicht unmittelbar, daß das ich ein Geist sei. Die Natur des bewußten Subjects ist bei unserem gegenwärtigen Zustande nicht unmittelbarer Gegenstand des Selbstbewußtseins. Der Hinweis auf den Contrast zwischen den Soldaten und den Schulbuben auf dem Exercirplaße, sowie zwischen dem Franzosen und dem Engländer beim Schallle französischer Laute thut seine Wirkung nicht; der Materialist fann sich auf die Disposition berufen, die erforderlich ist, wenn z. B. die magnetische Kraft in Wirksamkeit treten soll. Die drei Syllogismen auf S. 129, womit der innere Widerspruch des Materialismus aufgedeckt werden soll, wird der materialistisch gesinnte Lehrer einfach als „dialektische Spißfindigkeit“ bezeichnen. Daß mehr als zwei Drittel aller Menichen unbedenklich die Sterblichkeit der Unsterblichkeit der Seele vorziehen würden, wenn es in ihrem Belieben stände, ist doch eine gewagte Behauptung. Mehreres in diesem Capitel hätte unter þinweis auf Specialwerke fürzer behandelt werden können. Dagegen wäre eine Besprechung des Verhältnisses zwischen der Sprache und dem Denken, namentlich aber nachdrüdliche Betonung des übersinnlichen Charakters der Objecte des menschlichen Erkennens und Wollens erwünscht gewesen.

Auch das V. Capitel „Vom Dasein Gottes“ ist „zur Tilgung ontologischer Anklänge und philosophischer Controversen" gänzlich umgearbeitet und durch zahlreiche Suthaten bereichert worden. Die Behandlung dieses Abschnittes verräth tüchtige philosophische Bildung; trokdem hat fie uns nicht ganz befriedigt. Die Beweise find zu weitläufig und zu sehr mit der Widerlegung der Einwürfe verflochten, namentlich aber zu philosophisch gehalten. Der Beweis für die Einheit Gottes ist wohl nicht nothwendig; wenn er aber einmal der Vollständigkeit halber berührt wird, muß 'es in etwas anderer Weise geschehen, als es S. 257 der Fall ist. Säße wie folgender (S. 279): „sehr oft warten sie (Naturforscher) nur mit decretirenden Behauptungen auf und bekennen ganz naiv, daß fie dies nur behaupten, weil sie es behaupten müssen, um den Schöpfer leugnen zu können“ werden in manchen Lesern, wenn nicht eclatante Belege beigebracht werden, Mißstimmung hervorrufen, indem sie in denselben Uebertreibung oder gar Verleumdung erblicken. Unrichtig ist, daß der Anblick furchtbarer Naturereignisse die Idee der Gottheit nicht erst wachrufen fönne, wie S. 312 ausgesprochen ist. Ebenso geht die Behauptung zu weit, daß nur das allgemeine menschliche Denkvermögen, mit Ausschluß des Gemüthes, als einzig denkbare Mutter der allgemeinen Gotteserkenntniß übrig bleibe.

Im VI. Capitel Von der Wesenheit des Unendlichen und den göttlichen Eigenschaften“ wurde namentlich die bekannte Beschränkung der göttlichen Alwissenheit beseitigt; zugleich sehen wir einer logischer geordneten, correkteren Darstellung der göttlichen Eigenschaften auch die moralischen Eigenschaften Gottes beigefügt. Der Saß (S. 341): Gottes Wille schwankt niemals, sondern ist ewig und unwandelbar, aber frei entschieden über alles, was er will,“ enthält doch noch eine Incorrektheit; Gottes Wollen ist ad intra nicht frei.

Im VII. Capitel „Die Erschaffung der Welt“ fand die Abhandlung über das Sechstagewerk, ebenso im VIII. Capitel ,Das Menschengeschlecht“ die Abhandlung über die Erschaffung, das Alter und die Einheit des Menschen, welche Vosen seit der zweiten Auflage in einen Anhang verwiesen hatte, wieder ihren Plaß, jedoch in ganz neuer, dem heutigen apologetischen Standpuntte entsprechender Form; auch die übrigen SS. erhielten eine passende Umgestaltung und Erweiterung, so namentlich die Erörterung über die Unsterblichkeit der Seele durch Verwerthung des historischen Beweises, nach Anabenbauer das Zeugniß des Menschengeschlechts für die Unsterblichkeit der Seele.“ In den naturwissenschaftlichen Materien wurden Reisch „Bibel und Natur ,“ Güttler „Naturforschung und Bibel" und Schüß das exacte Wissen der Naturforscher“ benüßt. In Bezug auf das Sechstagewerk macht Rheinstädter der Naturforschung die weitgehendsten Zugeständnisse, so daß ein Widerspruch zwischen ihr und dem biblischen Schöpfungsbericht von vorneherein ausgeschlossen bleibt; ob die Eyegese sich damit zufrieden gibt ist freilich eine andere Frage. Die S. 407 bes züglich der biblischen Chronologie erwähnte Ansicht reiniger Theologen“ über dic Inspiration blos als eine mildere" Ansicht hinzustellen, scheint dogmatisch bedenklich. Was ferner Rheinstädter S. 425 über die natürliche Unsterblichkeit des unschuldigen Menichen sagt, dürfte denn doch den übernatürlichen Charakter der Unsterblichkeit des ersten Menschen gefährden. Die Definition: „Der Meusch ist ein Geist, der einen Körper belebt,“ ist nicht nur ungewöhnlich, sondern einfach falsch. Dem indirecten Beweise für die Unsterblichkeit der Seele, welcher fast unverändert aus der früheren Auflage herübergenommen wurde, hätte etwas mehr logische Schärfe gegeben werden sollen.

Im IX. Capitel „Von der göttlichen Vorsehung“ sind nur unwesentliche Veränderungen vorgenommen worden. Es will uns bedünken, daß das als Vergleich, auch von Vosen, herbeigezogene Orgelspiel ausgeführt vom Orgelbauer keine zutreffende Vorstellung von der göttlichen Vorsehung gegenüber der willenlosen Natur vermittelt; besser scheint sich hiezu das Bild einer Wasserorgel zu eignen, weil hiedurch den innerweltlichen, vom Schöpfer mit Weiss heit geordneten Kräften und ihrem Einfluß auf den Gang der Natur entsprechend Rechnung getragen wird. Eine diesem Bilde entsprechende Auffassung spricht übrigens auch Seite 476 ans. Der das Verhältniß der göttlichen Herrschaft zu den äußeren Wirkungen des menschlichen Willens behandelnde §. 59 hätte entweder gestrichen oder gänzlich umgearbeitet werden sollen; er enthält manche bedenkliche Säße.

Im X. Capitel „Von der emigen Vergeltung“ mußte die von Vojen versuchte Lösung der Frage, warum Gott die voraussichtlich zu verdammenden Geister erschaffen habe, gestrichen werden, weil fie auf einer falschen Einschränkung des Vorauswissens Gottes berubte. Şingegen ist die Einwendung, Gott hätte uns als persön= liche freie Geister doch ohne die Möglichkeit des Bösen schaffen können, berücksichtigt.“ In der S. 557 aufgestellten Disjunction ist ein drittes noch mögliches Glied übersehen, nämlich daß Gott, der die Herzen lenkt wie Wasserbächlein, unbeschadet der menschlichen Freiheit derart auf den Bösen einwirken fönne, daß dieser endlich auf Gottes Absichten eingehe; das stört die ganze weitere Ausführung. Die im §. 68 besprochene Einwendung: „Warum soll denn nach dem Tode keine Besserung mehr möglich sein ?" verdiente wohl eine eingehendere Widerlegung.

Der §. 74, der über die Nichtigkeit eines rationalistischen Christenthums, und die Nothwendigkeit positiver Offenbarung handelt, ist passend in das XI. Capitel „Die christlichen Glaubensgeheimniffe“ als Einleitung hinübergezogen worden. Dieses wie die Folgenden sechs Capitel haben nicht weitgehende Abänderungen erfahren, soweit aber solche geschehen sind, gereichen sie der neuen Auflage entschieden zum Vortheile, wie z. B. in Bezug auf die Erbsünde, die Nothwendigkeit der Menschwerdung u. 1. w. fm Capitel über die Erbfünde erscheint das Ungenügende eines natürlichen Erklärungsversuches betreffs des Ursprungs des Bösen nicht hinreichend ans Licht gestellt. Hinsichtlich der Geheimnisse wäre wohl auch die Offenbarung der Größe Gottes zu den Zwecken derselben zu rechnen. Die Beantwortung des Einwurfes, daß die Anerkennung der historischen Offenbarung ein schwieriges Studium verlange, ist etwas zu einseitig, weil vorzugsweise für jene giltig, welche von Geburt aus der Kirche angehören.

Im Interesse der Gleichförmigkeit wären wohl auch die ganz neu gearbeiteten Partien mit im Kleindruck ausgeführten Inhaltsangaben zu versehen gewesen; doch fördert wie in diesen, so auch in den übrigen Theilen des Buches eine geeignete Numerirung, welche in der früheren Auflage vermißt wird, die Uebersichtlichkeit. Die von Rheinstädter herrührenden Partien zeichnen sich fast durch wegs durch Frische und Lebendigkeit der Sprache aus. Findet auch nicht. Alles und Jedes an dieser neuen Uuflage Billigung, so muß doch die Arbeit als eine äußerst verdienstvolle und im Ganzen auch als eine, vortrefflich gelungene Leistung bezeichnet werden. Die alten Nampfeswaffen sind neu geschliffen, neue dem Vertheidiger an die Hand gegeben worden.

So möge denn dieses apologetische Werk in seiner neuen, zeitgemäßen Rüstung mit verjüngter Kraft den Kampf gegen den Zweifel und den Unglauben aufnehmen und für Tausende den Sieg erringen! Innsbruc.

Dr. Helfer, Religionslehrer.

Die Sozialpolitik der Kirche. Geschichte der sozialen Entwidlung im Abendlande von F. Albertus. Regensburg bei Pustet. 1881. SS. 715.

„Die soziale Frage“, sagt der bereits in weiten Kreisen wohl bekannt gewordene pseudonyme Verfasser obigen Werkes in seiner Vorrede zu demselben, „wird als die Kernfrage der Gegenwart, welche nicht nur die innere, sondern auch die äußere Politik der europäischen Staaten beherrscht, allgemein anerkannt; und seit dem schauerlichen Ereigniße von St. Petersburg zweifelt wohl fein ernster Politiker mehr daran, daß nur eine rechtzeitige und richtige Lösung dieser Frage unsern Kontinent von der tiefsten und ausgedehntesten Erschütterung sichern kann, welche die civilisicte Welt seit dem Be: ginne der christlichen Aera erfahren hat." Wenn es nun auch nicht Aufgabe dieser Zeitschrift ist, sich mit Politik zu beschäftigen, so kann sie doch eine literarische Erscheinung nicht unberücksichtigt lassen, welche dem Christenthum und seiner concreten äußern Darstellung, der katholischen Kirche, auf wissenschaftlichem Wege und an der Sand der Geschichte wieder jene centrale Stellung zu vindiciren sucht, bei der allein noch das Heil für die Zukunft zu suchen ist. Das Werk zerfällt in drei Bücher, wovon das erste sich mit dem heidnischen Staate befaßt. Wir übergehen dasselbe, und heben daraus nur eine einzige Stelle hervor, welche zugleich auf den Geist schließen läßt, in dem das Werk geschrieben ist. Der Verfaffer spricht von dem Rechte der Erstgeburt, welches, „soweit menschliches Forschen in die Nebel der fernsten Geschichte zu dringen bermag," sich anerkannt findet. Der Erstgeborne Noa's war aber Sem, und als Nachkommen desselben bezeichnet man die Assyrier, die Israeliten und die Ismaeliten (Araber). Nachdem jedoch die Fuden den Messias verworfen, ging das Vorrecht der Nachkommen Sems auf die Söhne Faphets über. Durch die eigene Schuld der Erstgebornen," fährt der Verfasser fort, „ist also das Reich der Zeitschrift für tathor. Theologie. Vi. Jahrg.

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