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werfen, und er suchte daher für diesen Fall Vorsorge zu treffen. Denn nur wenige Tage später ergingen an die erwähnten Bischöfe neue Anordnungen, welche gleichsam als Ergänzungen der pacis leges offenbar etwaigen Sniffen und Ausflüchten Fohanns einen mächtigen. Riegel vorschieben sollten. Darin wurden nämlich alle im vorigen Jahre den Klöstern abgedrungenen Verzichtungs- und Schenkungserklärungen hinsichtlich der erlittenen Schädigungen für ungiltig und rechtswidrig, alle Geistlichen, welche dem gebannten Könige irgendwie beigestanden, oder von ihm Aemter, Pfründen und Würden angenommen hatten, ihrer Stellen als verlustig erklärt, solange bis sie sich vor dem apostol. Stuhl gestellt hätten; sodann wurden darin die Bischöfe ermächtigt, für den Fall, daß der König nach Aufhebung von Bann und Interdict den Frieden wieder brechen und auf Ermahnung sich nicht fügen sollte, ohne Weiteres Bann und Interdict in gleichem Umfange wieder zu verhängen und in diesem Falle ferner Jedem seiner Erben Salbung, Weihe und Arone zu versagen.') Die Tendenz dieser strengen Maßregeln aber gibt der Bapst selbst in einem bezüglichen Briefe 2) gleich im Eingange mit den Worten an: Saepe contingit, ut dum hostilis malignitas se reperit coarctatam, pacem in dolo dissimulet, dolumque post pacem attentet. Diesen Passus hätte man berücksichtigen sollen, bevor man oft mehr als leichtfertige Urtheile über die päpstliche Politik in unserer Frage hinstellte.

Während die föniglichen Gesandten in Rom unterhandelten, war diesseits und jenseits des Canals beiderseitig mit Aufbietung aller Kräfte gerüstet worden. Bei Philipp von Frankreich und seinen Baronen hatte es natürlich kaum der päpstlichen Aufforderung bedurft, um sie zu kriegsfreudiger Stimmung gegen England zu bewegen. 3)

Der Stronprinz Ludwig stand ohnehin bereits an der Spiße eines gegen die Albigenser ausgerüsteten Heeres. In der lezten Woche des 1) Ep. XV, 236-239.

a) Ep. XV, 238. 3) Nach Guil. Brito motivirte er seine Aufforderung an die Vasallen

besonders mit Johanns Ercommunication und der Pflicht, die Feinde der Kirche zu bekämpfen. Nach Rigordus, dem Kaplan Philipps, war es die Restitution der engl. Bischöfe, die Wiederherstellung des nun schon durch fünf Jahre in ganz England unterbrochenen Gottesdienstes, endlich die gebührende Bestrafung, d. h. gänzliche Vertreibung des uns menschlichen Johann, der seinen Neffen und Philipps Eidam Arthur getödtet, ja selbst unschuldige Kinder seiner Wuth geopfert hätte, was Philipp als Ursache seiner Rüstungen gegen England angab.

März berief Philipp außerdem alle seine geistlichen und weltlichen Großen nach Soissons, und that ihnen endgiltig seinen Entschluß fund, gegen England zu ziehen. Von dem Herzog herab bis zu dem Edelknechte solite Alles, was ihn König nannte, bei Lehensverlust und Strafe des Hochverrathes in der Woche nach Ostern zu Rouen sich einfinden. Zugleich wurde eine Flotte gebaut, und aus allen Rüstenstädten die vorhandenen Fahrzeuge zusammengezogen, um die reichen Ladungen von Getreide, Wein, Fleisch, Waffen und anderem Nothwendigen aufzunehmen. 1) Um Gottes Segen und die Begeisterung des Volkes 2) an seine Fahnen zu knüpfen, zugleich, um Dänemark wieder zu verföhnen, nahm Philipp jeßt sogar seine Gemahlin Engelburga endlich wieder an, und tilgte so auch im Angesichte der Kirche „die einzige Madel, ohne die er schon längst vor allen Königen in der Welt leuchtend dagestanden haben würde. 3)

Weniger kriegsfreudig, aber nicht weniger lebendig ging es in England zu. Johann hatte durch seine Späher von allem Kunde erhalten, was auf dem Festlande vorging. Noch im Januar 1213 ließ er 8500 Mark an Raiser Otto zuweisen. 4) Dann wurde zus nächst die Flotte gerüstet ; sie sollte den Feind im Meere begraben, bevor er noch England betreten würde. Daher forderte Johann alle Anwohner der Küste auf, mit allen ihren Schiffen, die wenigstens fechs Pferde tragen könnten, und gut bemannt und bewaffnet sein sollten, bis Mitte Fasten in dem Hafen von Portsmouth ju des Königs Verfügung sich einzufinden. Zugleich erging durch die Sheriffs an alle fönigl. Vajallen und kriegspflichtigen Leute, ja an Alles, was überhaupt Waffen tragen konnte, der Befehl, bei Strafe der Culvertage 5) bis Ende Ostern wohlgerüstet mit Pferden und Waffen bei Dover zit erscheinen. Alle im Lande vorräthigen Lebensmittel sollten zum Heere gebracht werden und dafür die Märkte in den Provinzen sistirt sein; 6) die fünf Haupthäfen Englands wurden stark beseßt. 7

So war es Ende April geworden. 8) Bereits stand die ungeheure Französische Flotte und Philipps mächtiges Heer gerüstet und nur noch des Zeichens zur Ueberfahrt harrend, an der Mündung der Seine. Aber bereits auch freuzte im Canal die englische Flotte, und bei Dover stand Johann, gleichfalls umgeben von einer Heere macht, „wie sie England noch nie gesehen;" die Furcht vor der Culvertage hatte die Leute zusammen getrieben. 9) Raum reichten die Lebensvorräthe aus,

1) Paris. min. II, 133; Coventry 209. a) Chronicon Turonense (Martene et Durand, Coll. ampliss. tom. V.)

col. 1050. 3) Ep. XII, 29.

*) Rymer I, 156. tj Strafe für Feldflüchtigkeit, nemlich Verlust alles Bermögens und ewige

Leibeigenschaft (Du Cange). 6) Die beiden Erlasse bei Paris. maj. 538. Mit dem Datum 3. März. ?) Annales Wawerlejenses 274. 8) Der Ostersonntag fiel damals auf den 7. April.

So ausdrüdlich Parisius und Coventry.

eine so große Menge zu erhalten, und Johann war genöthigt, die minder ausgerüsteten wieder nach Hause zu schiden; aber troßdem blieben, also an gut gewappneten, noch mehr als 60 000 Mann übrig, ungerechnet die großen Schaaren irländischer Reiter, die Bischof Johann von Norwich ) herbeigeführt hatte.

„Es war“, sagt Parisius, „eine Armee, an deren Spiße der König von England mit jedem Fürsten der Welt es aufnehmen konnte“. Aber Eines fehlte, die Liebe zum Könige. Unter allen 60 000 befand sich kaum einer oder der andere, auf deffen Treue derselbe unbedingt rechnen konnte. a) Und noch ein anderes fehlte, der Muth. Während im französischen Lager Kampfeslust und volle Siegeszuversicht herrschte, während Philipp schon zum voraus sich des Erfolges rühmte, den ihm das geheime Einverständniß mit einem großen Theile der englischen Barone um so mehr sicherte; 3) zählte Johann nicht nur bange in seinen Reihen die wenigen Häupter seiner 'wahrhaft Getreuen, sondern sah auch von Tag zu Tag fich steigern die angstvolle Stimmung in seinem þeere, die dessen Muth lähmte und dasselbe schon besiegt machte, bevor es noch angegriffen war, der auch er selbst am allerwenigsten sich zu entziehen vermochte. Man erinnerte sich an die Vorhersagung jenes Peter von Wakefield (S. 237); es näherte sich jeßt der gefürchtete Fimmelfahrtstag, in jenem Fahre der 23. Mai. 4)

Die Umstände waren derart, daß die Weifsagung allerdings in der schlimmsten Weise fich erfüllen konnte.

Es war nicht Johann allein, der bei dem Gedanken daran zitterte; 5) auch sonst weise und nüchterne Männer und viele von den Großen zitterten vor dem drohenden Unglüd, das wie die Dinge ftanden, mit dem Könige zugleich auch fie treffen mußte. Das übrige Volk und Heer lag ebenso unter dem Banne großer Angst. Die Erwartung des Weltunterganges um 1200, die Unglück verkündenden Worte des sterbenden hl. Hugo von Lincoln, das lange Interdict mit allen seinen traurigen Seiten, die vielen allgemeinen Unglücksfälle während Johanns Regierung, die unzähligen schreienden

:) Er war damals Statthalter von Irland. 2) Paris. maj. 539.

8) Paris. maj. 535. 4) Pa risius und die Annales Theokesberienses (60) sind hier mit dem 16.

Mai im Irrthum. Ihnen folgte Hurter II, 480 Note 69. 5) Chron. de Melsa I, 390: timens sibi regni perditionem, et malam Missethaten, deren Schauplaß und Zeuge England in den langen Fahren der vom Throne felbst inaugurirten Anarchie gewesen, dies Ades hatte das Volk in einen Zustand fieberhafter Aufregung versekt, in welchem sich ihm der Himmelfahrtstag des F. 1213 zum angstvoll erwarteten Tage einer allgemeinen katastrophe gestaltete. *)

mortem imminere. Cf. Paris. maj. 541.

Das alles sah und fühlte Fohann, der selbst im Hause der Templer bei Dorobirn fich aufhielt, auf die Rücfunft der Gesandten von Rom harrend. Er hatte von jeher Schlachten gefürchtet. Auch jeßt wäre er lieber umgekehrt; 2) war es doch, als fäbe er sich förmlich einem göttlichen Strafgerichte gegenüber. In der That, wer möchte es unglaublich finden, daß selbst ein Fohann damals Gedanken der Buße und Besserung hegte ? :)

Endlich kanten in den leßten Tagen des April die Gesandten von Rom zurück und meldeten Johann die Nachricht, Bandulph wünsche eine Unterredung mit ihm und brächte noch Vorschläge zu einer friedlichen Uebereinkunft. ,,Er möge nur ungesäumt fommen", (autete die Antwort des Königs. 4) Zwei Templer holten also Pandulph von der gallischen Küste ab und führten ihn nach Dover. Bereits hatte die französische Flotte die Anker gelichtet, da der Befehl zum Auslaufen schon gegeben war. Pandulph indeß verbot alsogleich jede Action bis zur Zeit, wo er wieder aus England zurückgekehrt sein würde; ver müsse erst noch einmal eine Aufs forderung zur Genugthuung an den englischen König richten und sehen, ob er denn schon ganz aller Buße unfähig sei!" 5)

') Instabat dies ascensionis, futurus non solum Regi, sed et aliis

omnibus nimis suspectus. Paris. maj. 546. Convenit igitur multitudo, qualem non meminit aetas nostra.... Galeae paratae ad bellum. Erat autem cor populi fluctuans, quasi, arescentibus hominibus praetimore et expectatione (Luc. 21. 26) eorum, quae in proximo

superventura credebantur. Coventry 209. 2) Annales Wawerlejenses 274. 3) Auch Parisius (maj. 540) gibt unter den Ursachen, welche den König

ad poenitentiam simul et satisfactionem compulerunt, als erste die an, quod jam per quinquennium excommunicatus permanserat, Deumque et sanctam ecclesiam intantum offenderat, quod de animae suae

salute penitus desperabat. 4) Paris. min. I, 391; Annales Wawerlejenses 274. Vgl. Hurter II, 482

Note 79. 5) Radulphus Coggesh. De motibus Anglic. (Martene et Durand, Coll.

ampl. V.) col. 871.

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Die Scene bei dem Zusammentreffen des Königs mit Bandulph ist bei Parisius sehr effectvoll geschildert.

Pandulph tritt wie ein Elias mit flammender Rede auf: „Sieh o König hin an die Mündung der Seine. Dort steht Europas mächtigster Herrscher an der Spiße von zahllosen Schaaren und unzähligen Schiffen Frankreichs. Immer noch Zuzug erwartend, schickt er fich an, Dich zu bekämpfen als einen Rebellen gegen Gott, gegen die hl. Kirche und den Papst, um dann dafür die Krone Englands durch päpstliche Auctorität für sich zu erlangen. Mit ihm kommen alle Bischöfe, die Du aus England vertrieben hast, mit ihm alle Geistlichen und laien, die Du geächtet hast, und die nun von Deinem Feinde, dem sie jeßt als Führer folgen, ihre Siße und Güter wieder zurückerhalten werden, ob Du auch noch so sehr dagegen sein magst. Was aber die Großen und Soldaten angeht, die Dich hier umgeben, To wiffe, daß die Treulosigkeit Einiger in Deinem Heere gewiß, die Ergebenheit Aller zweifelhaft ist; wisse, daß Du unter Deinen eigenen Leuten wenige Freunde, aber sehr viele Mißvergnügte, wo nidht ges radezu Feinde hast. Denn der französische König brüstet sich damit, von fast allen englischen Großen bereits die Zujicherung ihrer Treue und Unterwerfung zu haben, und ist sich daher des glücklichen Ausganges seiner Unternehmung, die überdies, wie er rühmt, durch die Zus stimmung des Papstes gesegnet ist, vollkommen ficher. Wenn Du aber genügende Bürgschaft leisten willst für Deine Unterwerfung und Demüthigung unter die Kirche, so ist es auch jeßt noch möglich, daß Du von der Gnade des apostolischen Stuhles das Reich wieder erlangest, deffen Du wegen Deiner Hartnädigkeit in Rom entseßt worden bist".

Diese Rede, wenn sie Pandulph wirklich gehalten, ohne Zweifel sehr wohlberechnet, steht nur bei Wendover = Parisius, der auch im Folgenden noch hervorhebt, daß Pandulph seine ganze Ueberredungsfunft zusammennehmen mußte, um den Röuig zur Unterwerfung zu bewegen. Allein auch die Annalen von Wawerley sprechen, obwohl sie das Auftreten Pandulphs als ein milderes und bescheideneres, und mehr dem Freunde, als dem apostolischen Legaten, der sich nạr einfach seines Auftrages entledigen will, zukommendes hinstellen von „inständigem Drängen und Rath" (instantia et consilium).') Wir dürfen daraus wohl schließen, was wir schon einmal hervorgehoben, daß Pandulph persönlich daran gelegen sein mußte, Johann um jeden Preis zu retten.

Was blieb den König anderes übrig, als die vom Papste gestellten Ausgleichsbedingungen anzunehmen? Dieselben bestanden im Wesentlichen darin, daß der König den Erzbischof Langton, die Bischöfe und alle um des kirchlichen Streites willen Ent

') Paris. min. II, 134; maj. 540; Annal. Wawerlejenses 274.

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