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282 Bodewig, Der allgemeine Wesensbegriff der sieben Gaben des hl. Geistes. dem Gesagten der große Theologe dort ferner erklärt, er habe die Lehre von der Unwillkürlichkeit der Gabenacte bereits in dem uns beschäftigenden ersten Artikel der Frage 68 niedergelegt. ,In donis Spiritus sancti mens humana non se habet ut movens, sed magis ut mota, ut supra dictum est art. praec. et 1. 2. quaest. 68 art. 1.“

In unserer Erklärung dieses ersten Artikels waren wir zu dem Resultate gelangt, daß die dort gegebene Lehre logisch zu der Annahme nöthige, die Gabenacte seien dem Menschen unwillkürlich. Wir haben nun in obigen Worten des hl. Thomas den ausdrüdlichen Beweis nicht nur für die objective Richtigkeit dieses Resultates, sondern auch für die Thatsache, daß Thomas sich der angedeuteten Consequenz wohl bewußt war, und daß die Unwillkürlichkeit der Gabenacte sich in seinem Geiste mit der Grundidee von der Natur der Gaben unzertrennlich verband; denn eben nur seine Grundanschauung ist es, die er im ersten Artikel darlegt.

Dem vorhin besprochenen Terte aus 2. 2. qu. 52. könnten wir eine bedeutende Anzahl von Aussprüchen und Erörterungen der Summa anreihen, welche gleichfalls beweisen, daß der Aquinate die Gabenacte für unwillkürlich hält, und daß er dieser Ansicht durch die ganze Summa hindurch treu bleibt. Allein ein längeres Verweilen bei diesen Punkten würde unsere Arbeit zu sehr schwellen. Unsern Zweck, die richtige Lehre der theologischen Summa über den allgemeinen Wesensbegriff der sieben Gaben des hl. Geistes zu erforschen und zu erläutern, glauben wir erreicht zu haben.

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Die Nothwendigkeit der Offenbarung.

Bon Tbeod. Granderato S. J.

Die Frage über die Nothwendigkeit der Offenbarung, welche die Theologen meistens im apologetischen Traktate behandeln, bildet kein nothwendiges Glied in dem Beweise für die Thatsache der Offenbarung. Diese wird, wie jede geschichtliche Thatsache, geschichtlich bewiesen. Mag die Offenbarung nothwendig sein oder nicht, sie ist ein geschichtliches Faktum; und da sich Gott gewürdigt, uns durch übernatürlichen Verkehr mit dem Menschengeschlechte eine Summe von Wahrheiten zu übermitteln, so ist es unsere Pflicht, dieses Geschenk mit Dank anzunehmen und seiner Auctorität unsern Verstand zu unterwerfen.

Fst indessen die Erörterung dieser Frage für den besagten Swed auch nicht wesentlich, so gehört sie doch zur Vollständigkeit der Lehre über die Offenbarung, und zwar ist sie ein Punkt von großer Wichtigkeit. Denn gelingt es den Beweis zu erbringen, daß unsere Vernunft zu schwach ist, aus eigener Kraft die uns nothwendigen Wahrheiten zu gewinnen, so sind dem geschichtlichen Beweise für die Nothwendigkeit der Offenbarung die Wege geebnet, und den Gegnern der Offenbarung, welche, unter Berufung auf die Würde und die für jedes Gebiet ausreichende Kraft der menschlichen Vernunft, die Offenbarung leugnen, ist der Boden unter den Füßen weggezogen.

In unsern Þandbüchern erlaubt die Beschränktheit des Raumes keine eingehende Erörterung unserer Frage, und eine Vergleichung derselben weist manche Verschiedenheit in Auffassung und Behandlung derselben auf Es wird demnach gerechtfertigt erscheinen, wenn wir ihr eine etwas eingehendere Besprechung in einem eigenen Artikel widmen.

1. Die Offenbarung übermittelt uns Wahrheiten. Damit sie also nothwendig sei, muß es Wahrheiten geben, die wir nothwendig wissen müssen, zu denen wir aber aus eigener Kraft nicht gelangen können. Die Wahrheiten, um welche es sich in unserer Frage handelt, sind Wahrheiten religiöser Natur; denn man darf vorausseßen, daß ein unmittelbarer Verkehr Gottes mit den Menschen keine profanen Zwecke hat, sondern nur den Zweck das Verhältniß des Menschen zu Gott zu regeln.

2. In der Vorausseßung der übernatürlichen Ordnung, zu welcher uns Gott in der That erhoben, gibt es offenbar Wahrheiten, die wir einerseits nothwendig wissen müssen, und andererseits nur durch besondere Mittheilung Gottes erfahren fönnen. Das Ziel, zu welchem uns Gott bestimmt, und die Mittel , welche er uns zur Erreichung desselben gegeben, müssen wir kennen. Ob uns aber Gott zu einem über unsere Natur erhabenen Ziele bestimmt, und welche die zur Erreichung desselben nothwendigen Mittel sind, hängt von einer die Schöpfung schon vorausseßenden Ordnung Gottes ab, von welcher wir nicht durch die Betrachtung der Dinge oder durch Schlußfolgerung, sondern nur durch göttliche Mittheilung Kenntniß gewinnen. Ja ohne Offenbarung würden wir nicht einmal im Stande sein, die Möglichkeit der Erhebung, deren uns Gott gewürdigt, zu behaupten. Für die gegenwärtige Drdnung ist also die Offenbarung absolut nothwendig, „weil nämlich Gott“, wie das Vatikanum 1) sagt, „aus Antrieb seiner unendlichen Güte, den Menschen zu einem übernatürlichen Ziele bestimmt hat, zur Theilnahme an den göttlichen Gütern, welche die Fassungs

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1) Huic Divinae revelationi tribuendum quidem est ut ea, quae in

rebus Divinis humanae rationi per se impervia non sunt, in praesenti quoque generis humani conditione ab omnibus expedite, firma certitudine et nullo admixto errore cognosci possint. Non hac tamen de causa revelatio absolute necessaria dicenda est, sed quia Deus ex infinita bonitate sua ordinavit hominem ad finem supernaturalem, ad participanda scil. bona Divina, quae humanae mentis intelligentiam omnino superant; siquidem oculus non vidit nec auris audivit, nec in cor hominis ascendit, quae praeparavit Deus iis, qui diligunt illum. Constit. dogm. de Fide cp. 2.

fraft des menschlichen Geistes gänzlich übersteigen“. Unsere Unters suchung beschäftigt sich also nur mit der Frage, ob wir auch in Anbetracht unseres rein natürlichen religiös - sittlichen Lebens einer Offenbarung bedürfen. ?)

3. Zunächst fönnte man fragen, ob wir ohne Offenbarung im Stande feien, jene Wahrheiten genügend zu erkennen, welche wir auch in der Vorausseßung der natürlichen Ordnung zur Erreichung des natürlichen Zieles nothwendig wissen müßten. Man hat diese Frage bejaht und gesagt, daß zur Erreichung des natürlichen Zieles nichts Anderes nothwendig sei, als die Erkenntniß Gottes und unseres Zieles, und ein nach der Stimme unseres Gewissens eingerichtetes Leben, mag das Gewissen recht oder schlecht berathen sein. Da nun Gott und unser Ziel leicht erkannt werde, eine genaue Erkenntniß unserer Pflichten aber nicht erforderlich sei, so bedürfe man der Offenbarung zur Erreichung des natürlichen Zieles nicht. Aber bedürfen wir nicht, um von allem Andern abzusehen, außer jenen Erkenntnissen auch der Erkenntniß solcher Wahrheiten, welche für uns Motive find, der Stimme unseres Gewissens zu folgen? Wenn wir also dieje Wahrheiten ohne Offenbarung nicht mit der nothwendigen Klarheit und Gewißheit ers kennen könnten, so müßte man die Offenbarung als ein zur Erreichung des natürlichen Zieles nothwendiges Mittel bezeichnen.

Doch lassen wir diese Untersuchung bei Seite und unsere Frage möge lauten, ob wir ohne Offenbarung im Stande seien, ein

1) In den soeben citirten Abschnitte des vatikanischen Dekretes ist zugleich

gesagt, daß wir in unserem gegenwärtigen Zustande der Offenbarung bedürfen, um allgemein leicht, mit vollständiger Gewißheit und ohne Irrthum die Wahrheiten der Naturreligion (ea, quae in rebus Divinis humanae rationi per se impervia non sunt) erkennen zu können. Obgleich das Concil damit den Gedanken nahe legt, daß die Offenbarung auch für ein rein natürliches, religiös - sittliches Leben nothwendig ist, so spricht es diese Wahrheit doch nicht geradezu aus. Denn ebenso wenig, wie es sagen will, daß ießt in Folge der Offenbarung alle Menschen alle Wahrheiten der Naturreligion, ohne Ausnahme leicht u. s. w. erkennen können, ebenso wenig will es auch leugnen, daß alle Menschen ohne Offenbarung manche wenigstens erkennen könnten. Wollte also Jemand behaupten, daß wir allgemein die nothwendigen Wahrheiten auch ohne Offenbarung genügend zu erkennen vermögen, so könnte er seine Ansicht mit der Concilslehre vereinbaren menichen würdiges Leben zu führen. Ist dieses zu verneinen, so ist die Nothwendigkeit der Offenbarung zu behaupten. Denn, was zu einem menschenwürdigen Leben nothwendig ist, das ist uns schlechthin nothwendig. Unsere Frage also lautet genauer gefaßt so: gibt es Wahrheiten, deren Erkenntniß zu einem menschenwürdigen Leben nothwendig ist, und gibt es unter diesen folche, welche ohne Offenbarung nicht genügend erkannt werden?

4. Der erste Theil dieser Frage ist offenbar zu bejahen; das erhelt aus der Natur der Sache und Niemand wird es bestreiten. Damit aber unsere Untersuchung eine concretere Gestalt gewinne, wird es gut sein, eine Reihe von Wahrheiten, denen wir eine solche Wichtigkeit beilegen müssen, vorzuführen. Ein vollständiges Verzeichniß aller hierher gehörigen Wahrheiten aufzustellen, ist ebenso unmöglich, wie es unmöglich ist die Stunden, welche zum Tage gehören im Gegensaße zu den Nachtstunden genau aufzuzählen. Da der Uebergang vom Tage zur Nacht ein allmähliger ist, so können wir keinen bestimmten Augenblick bezeichnen, in welchem der Tag aufhört und der Abend beginnt. Es ist ebenso unmöglich, eine Liste von Wahrheiten so zu entwerfen, daß alle darin aufgezählten als nothwendig, alle übrigen aber als unnöthig bezeichnet werden müßten. Doch wie wir gewisse Stunden mit aller Bestimmtheit als Tagesstunden bezeichnen können, so dürfen wir auch, ohne Widerspruch erwarten zu müssen, eine Reihe von Wahrheiten als nothwendig bezeichnen, und um bor jeder Einsprache ficher zu sein, wollen wir in der Wahl der Beispiele recht tief greifen.

Zum menschenwürdigen Leben bedarf man zunächst der Erkenntniß mancher Wahrheiten, welche als praktische Lebensnormen unser Thun und lassen regeln. Vor allem bezeichnen wir, ohne Widerspruch von Seiten unserer Leser zu befürchten, den frrthum mancher Völker, die Tödtung altersschwacher Eltern sei erlaubt, als einen jene Völker degradirenden Frrthum. Wir dürfen dasselbe sagen von dem so vielfach unter den þeiden, auch unter den heidnischen Culturvölkern, verbreiteten frrthum, Menschenopfer und Prostitution seien Gott wohlgefällige Cultusakte. Abgesehen ferner von der Erkenntniß der für Alle geltenden Pflicht, sich Gott unterzuordnen, ohne welche die Anerkennung eines Sittengesekes überhaupt unmöglich ist, dürfen wir sicherlich zu dem nothwendigen

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