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aber sicher war es nicht Gottes Wille, daß die Menschheit gleich sam ganz losgerissen von den Ergebnissen der Culturentwidlung sein Wort aufnehmen sollte, um die Unmittelbarkeit nicht zu gefährden. Das Erworbene sollte, vielmehr als Vorausseßung dienen, aber eben nur als Voraussegung, nicht als Prinzip der 46:: leitung oder als determinirender Erkenntnißgrund. Der Geist mußte zuerst die christlichen Wahrheiten irgendwie erfassen, bevor sie Motiv und Norm für seine Erkenntniß zu werden vermochten und dabei fonnten ihm die verschiedensten Erkenntnisse und Thätigfeiten als Mittel dienen; waren sie aber einmal seiner Erkenntniß gegenwärtig, so konnten sie aus sich in maßgebender Weise sein Urtheil leiten und die ganze Erkenntniß, die als Vorbereitung diente, sich unterordnen. Die neue Erkenntniß war dann nicht einfach das Ergebniß der vorausgehenden, weil sie nicht aus ihr geschöpft wurde, und weil nicht jene an dieser, sondern umgekehrt diese an jener fich orientirte, sobald sie einmal erreicht war. Das konnte in gewisser Weise schon vor dem Glaubensassense geschehen, wenn nämlich unter dem Einflusse der Gnade der Wille zu glauben die Erforschung der in der christlichen Offenbarung enthaltenen Glaubwürdigkeitsgründe leitete. Anders verhielt es sich, wenn die natürliche Geistesbildung dem Christenthum als selbstherrliche Gnosis gegenüber trat, mit dem Anspruche, das Christenthum wie alle übrigen geistigen Erscheinungen ihrer Autonomie unterzuordnen, , seine Lehren nach den ererbten Anschauungen umzubilden und nur das aus ihm aufzunehmen, was den eigenen Ideen hos mogen zu sein schien und zu ihrer Weiterbestimmung fich verwerthen ließ. Gerade dieser Gegensaß belehrt uns, wie das natürliche Wissen als Vorbedingung dienen konnte, ohne darum als Prinzip und Motiv für die Erkenntniß der Offenbarung gelten zu müssen.

Wir können, um es kurz zu sagen, der Glaubenserkenntniß eine gewisse Unmittelbarkeit zuschreiben, weil die Wahrheit des Christenthums aus den in ihm selbst liegenden Gründen erkannt wird, die vorausgeseßten Erkenntnisse und Thätigkeiten aber jene Erkenntniß weder unmittelbar noch mittelbar aus sich erzeugen, sondern hauptsächlich nur als subjektive Vorbereitung und Bedingung dienen, um der Auffassung der christlichen Wahrheit den Weg

zu bahnen.) Das gilt in gewisser Weise auch von der historischen Bermittlung, die als Surrogat der unmittelbaren Erfahrung ans genommen werden muß.

Wenn ich sage, daß die Wahrheit des Christenthums aus diesem sebst erkannt wird, so will ich auch die Existenz Gottes und feine absolute Vodkommenheit miteinbegriffen haben, weil deren sichere Erkenntniß, allerdings unter Voraussegung des wenn auch gänzlich verfümmerten allgemeinen Gottesbewußtseins und der dem Geiste von selbst, wenigstens dunkel fich aufdrängenden metaphyfischen Prinzipien, d. h. unter Vorausseßung der natürlichen religiösen Aussteuer des Geistes, aus der christlichen Offenbarung geschöpft werden kann. (S. oben S. 19.)

Mit diesem Ergebnisse können wir uns noch nicht beruhigen. Wir haben jeßt die weit wichtigern, eigentlich entscheidenden Fragen zn beantworten: Kann die vorläufige Glaubenserfenntniß als Beweggrund des Glaubensassenses betrachtet werden, und wenn nicht, worint ist am Ende dieser Beweggrund zu suchen? Die gläubige Bustimmung, das entschiedene Führwahrhalten, der eigentliche Glaube, feßt die Erkenntniß voraus, fällt aber nicht mit ihr zusammen, und wird auch nicht durch sie eigentlich determinirt; das bedarf, die Freiheit des Glaubens vorausgeseßt, keines weitern Beweises. Daraus folgt aber, daß fie entweder gar nicht, oder wenigstens nicht in adäquater Weise, als Motiv des Glaubens zu gelten hat, weil sie die Sus stimmung nur vorausseßungsweise bedingt, aber aus sich nicht herbeiführt, und zum assensus super omnia in keinem Verhältnisse steht. Nur dann, wenn die Auktorität Gottes und die thatsächliche Offenbarung uns so zur Menntniß gebracht würden, daß die stattfindende Manifestation den Geist durch sich zur intellektuellen Beistimmung mit einer der Glaubensgewißheit entsprechenden Entschiedenheit und Festigkeit nöthigte, läge das Motiv ausschließlich in den Gründen und dem durch sie erzeugten Einleuchten der Wahrs heit. Die Zustimmung erfolgt aber thatsächlich in freier Weise und erfordert daher ein anderes Motiv. Worin besteht dies? Der Glaubens assens erfolgt im Hinblick auf die Auktorität Gottes, die

) Es braucht kaum bemerkt zu werden, daß hier nur von der natürlichen

Ausstattung des Geistes, nicht aber von einer Vorbereitung des Glaubens in femipelagianischem Sinne die Rede ift.

eine Nichtanerkennung ihrer selbst und der durch sie bezeugten Wahrheit nicht gestattet, insoferne ihre Rundgebung durch genügende Gründe dem Geiste fich darstellt; er ist eine Gott dargebrachte Huldigung des Geistes, hervorgerufen nicht durch die Erkenntniß, sondern durch die Auktorität und das Zeugniß Gottes, wie sie in der Erkenntniß dem Geiste fich vergegenwärtigen. Die Erkenntniß als solche, von Seite ihrer Gründe betrachtet, würde die Beistimmung nicht herbeiführen; das Objekt der Erkenntniß ist es, das, allerdings nicht ohne erkannt zu sein, den Glaubensassens durch den Einfluß des Willens determinirt; folglich ist Gott das uns mittelbare Motiv des Assenses.

Man wird dagegen einwenden: Wenn die Zustimmung durch den Willen bewirkt wird, so ist das Motiv, das sie bedingt, ein Motiv des Willens, also ein zum Glauben selbst in einem blos äußern Verhältniß stehender Beweggrund. Darauf ist fürs Erste zu erwiedern: Für die Erkenntniß als Einsicht, abgesehen vom anerkennenden, bejahenden Urtheil, Gott als legtes und unmittelbares Motiv postuliren hieße nichts anderes, als dem Ontologis mus das Wort reden, und auch mit diesem würde man nicht ausreichen, namentlich in þinsicht auf die historischen Thatsachen. Die erste Wahrheit muß dem Geiste schon irgendwie gegenwärtig sein, um als Motiv zu dienen; da aber Gott nicht intuitiv erkannt wird, so muß immer ein Erkennen vorausgehen, das die erste Wahrheit vergegenwärtiget, ohne sie als Erkenntnißgrund vorauszuseßen. Erst wenn sie dem Geiste in der Erkenntniß sich darstellt, fann fie Motiv werden und zwar in doppelter Weise, äußerer Erkenntnißgrund der durch sie bezeugten Wahrheit, sowohl hinsichtlich der subjektiven Manifestation (Apprehension), als hinsichlich der Beistimmung, und inneres Motiv für ihre eigene Anerkennung, aber nicht hinsichtlich der auffassenden Erkenntniß, die ja nothwendig vorausgehen muß, sondern nur hinsichtlich der Zustimmung, in der sich die Erkenntniß vollendet.

Was sodann die Behauptung betrifft, daß nach unserer Ers klärung das Motiv ein dem Glauben selbst äußeres wäre, so ist schon oben bemerkt worden, daß der Wille nicht in einem so ganz äußern Verhältnisse zum theologischen Glauben steht, daß er nur verursachendes Prinzip wäre, die innere und wesentliche Vollendung des Glaubens aber ohne Einfluß des Willens bestehen könnte; der theologische Glaube ist seinem Wesen nach ein freier Affens. Dieses vorausgelegt sage ich: Betrachtet man nur das Verlangen und den Entschluß zu glauben, so handelt es sich um ein Willensmotiv, das zu dem Glauben selbst in einem ganz äußern Verhältnisse steht. Der hl. Thomas bezeichnet als solches namentlich die dem Glauben gemachten Verheißungen;') dieses seiner Natur nach eudämonistische Motiv schließt aber andere, insbesondere auch deontologische, feineswegs aus. Hier ist jedoch nicht von dem Entschlusse zu glauben, sondern von dem thatsächlichen Glauben, d. h. von der freien Zustimmung die Rede; ist diese durch die Rücksicht auf die fich offenbarende erste Wahrheit, wie sie in der Erkenntniß sich dars stellt, motivirt, so haben wir offenbar ein inneres, dem Glauben selbst eigentlich zukommendes Motiv. Aber wie? Betrifft dieses Motiv den Glauben von seiner innern intellektuellen Seite betrachtet ? wirkt es auf den Intelleft, dem das Fürwahrhalten eigentlich zukommt? erfolgt die intellektuelle Zustimmung nicht auf Grund der vorleuchtenden Erkenntniß und bleibt die Erkenntniß nicht nach wie vor vollständig dieselbe ? Daß die Beistimmung auf Grund der vorleuchtenden Erkenntniß zu Stande kommt, ist richtig, aber daraus folgt nicht, daß diese mehr als die Bedeutung einer unerläßlichen Vorbedingung in Anspruch nehmen kann. Die Erkenntniß bleibt nach der Zustimmung insofern dieselbe, als keine neuen objektiven Momente hinzukommen, abgesehen von den durch das Licht der Gnade, welche nicht bloß auf den Willen, sondern auch auf den Intellekt einwirkt, allenfalls dargebotenen innern Bürgschaften; aber sie bleibt nicht in jeder Sinsicht dieselbe, weil sie erst durch die Zustimmung ihre specifische Vollendung erhält. Der Geist fann ungeachtet der seiner Erkenntniß sich darstellenden Gründe ebenso dem Jrrthum wie der Wahrheit sich zuwenden; wendet er sich der Wahrheit zu, was durch das beistimmende Urtheil geschieht, 'so erhält seine Erkenntniß eine wesentlich andere Bestimmheit; sie wird erst zur eigentlichen Erkenntniß im strengen Sinne, zur bewußten Erfassung der Wahrheit. Das erwähnte Motiv betrifft also ohne Zweifel auch den Intellekt, weil es die Vollendung der Erkenntniß herbeiführt; es betrifft ihn aber auch deßhalb, weil die Vernunft nur im Hinblick auf die erste sich kundgebende Wahrheit durch den

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1) De Ver. qu. 14. a. 1.

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Willen zu einem assensus super omnia bestimmt werden kann. Die Vernunft selbst ist es, die dieses Motiv dem Willen vorlegt und dann hinwiederum durch den Willen zu der für die Glaus bensgewißheit erforderlichen Adhäsion bestimmt wird. Fordert man einen Beweggrund, der zur höchsten Gewißheit in Proportion steht und mit Umgehung des Willens unmittelbar den Intellekt bestimmt, so fann sich der Wille seinen Einfluß ersparen, denn in diesem Falle muß die Beistimmung mit unvermeidlicher Nothwendigkeit erfolgen. Aus eben diesen Gründen kann man auch nicht verlangen, daß die Gewißheit von ihrer objektiven Seite betrachtet im Assense eine die bereits vorher dem Geiste gegenwärtigen Gründe weit übersteigende Bestimmtheit erhalte; Gründe, welche den Geist zur Beistimmung nöthigen, würden die Freiheit aufheben; Gründe aber, welche eine die Gefahr des Jrrthums vollkommen beseitigende Bürgschaft ges währen, sind bereits vorhanden; es ist also nichts weiter erforders lich, als daß der Geist im Lichte des Glaubens dieses Verhältniß erfasse und das Ausgeschlossensein des Jrrthums mit aller Entschiedenheit festhalte.

ob wir die im Glaubensakte enthaltene Anerkennung der göttlichen Auktorität und des göttlichen Zeugnisses Wiffen oder Glauben zu nennen haben, ist hiernach leicht zu bestimmen. Sie ist an sich kein förmlicher Zeugnißglaube, d. h. keine nur durch äußeres Zeugniß als einzigen Erkenntnißgrund hervorgerufene Beistimmung. Sie ist aber auch kein Wissen, d. h. keine die Beistimmung nothwendig in fich schließende Einsicht. Sie ist vielmehr Glaube im weitern Sinne; in jenem Sinne nämlich, in welchem bei jedem nicht durch nöthis gende Evidenz determinirten Zeugnißglauben die aktuelle Anerkennung der Zeugenauktorität auch ihrerseits als Glaube gelten muß. (S. oben S. 5 f.) Sie ist glaube als freier von der persönlichen Entscheidung abhängiger Affens. Sie ist Glaube, weil es derselbe übernatürliche, aus dem Habitus des Glaubens entsprungene Akt ist, mit welchem wir das göttliche Zeugniß als thatsächlich bestehend und absolut glaubwürdig anerkennen und das Bezeugte mit zweifelloser Gewißheit für wahr halten. Sie ist Glaube, weil sie eben

. im Hinblicke auf das göttliche Zeugniß und behufs der Zustimmung zu dem Bezeugten sich vollzieht, und zwar mit jener alles überwindenden Entschiedenheit, wie sie die Glaubensgewißheit erfordert und nur der Finblick auf die Offenbarung hervorrufen kann. Man

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