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Glied der Beweisführung. Es würde offenbar nicht genügen, auf die Corruption eines Volkes hinzuweisen, um zu zeigen, daß die Corruption für jedes Volk ohne Offenbarung unvermeidlich sei. Ebenso würde es, um dies zu zeigen, nicht genügen, auf die Corruption aller Völker hinzuweisen, wenn alle Völfer aus einem schon corrumpirten gemeinsamen Stammvolke als corrumpirte Völker hervorgegangen sind. In diesem Falle wäre nur ein einziges Volt der Corruption verfallen, und wir lernten durch einen Inductionsschluß nur, daß, die Corruption vorausgesett, eine Rückkehr zu menschenwürdigen Zuständen unmöglich sei, nicht aber, daß es ohne eine solche Corruption für ein Volk unmöglich sei, sich gegen das Eindringen der Corruption erfolgreich zu wehren. Damit also der aus der Universalität der Corruption der vorchristlichen Völker hervorgegangene Beweis vollständig sei, muß man zeigen, daß die einzelnen Völker als gesonderte Völker vor Eintritt der Corruption schon bestanden, und dann alle vergeblich bemüht waren, sich derselben zu erwehren. Dann ist der Inductionsbeweis vollkommen. Was von vielen Völkern tro aufrichtigen Strebens auch nicht eines vermochte, gilt als unmöglich für alle. Vielleicht läßt sich jenes Moment in die Beweisführung einfügen, da man, je weiter man in der Geschichte eines Volkes zurückgeht, desto reinere religiöse Anschauungen und Sitten vorfindet. - Doch auch ohne dieses Moment ist jener Beweis für die Apologetik von großer Wichtigkeit. Das vergebliche Kingen der Völfer, sich aus heidnischer Finsterniß und Corruption zu reinern sittlich-religiösen Ideen und einem menschenwürdigen Leben zu erheben, beweist wenigstens der Satz den mit Plato Manche der hervorragendsten Männer zu Athen und Rom, an ihrer Philosophie verzweifelnd, ausgesprochen haben, daß eine Rettung aus ihrer tiefen Versunkenheit unmöglich sei, wenn ihnen Gott nicht selbst die Þand reiche. Nun, Rettung ist gekommen. Die corrumpirten Völker wurden wie neugeboren. Wenn die heute noch von der ganzen Welt angestaunten Geistesheroen des Alterthums nicht im Stande waren, wie Voltaire sagt, die Sitten ihrer Nachbarn zu ändern, welche mit ihnen in derselben Gasse wohnten, was sollen wir dann von demjenigen jagen, welcher im verachtesten Winter der Erde geboren, die ganze Menschheit regenerirte und alle Nationen, die seinen armen und ungebildeten Sendboten den Zutritt

zu ihrem Lande gestatteten, zu einer Reinheit der Sitten, Erhabenheit der religiösen Erkenntnisse und þeiligkeit des Lebens erhob und noch erhebt, von welcher die Heiden nicht einmal eine Ahnung hatten? Wer kann sich Angesichts dieses offenkundigen Wunders der Wahrheit verschließen, daß sein Werk das Werk Gottes war, und unser „Glaube nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gotteskraft beruht?" 1)

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tin alphabetisches Lied Jesus Sirach’s.

Nachgewiesen von Prof. 6. Bidet.

Die hebräische Poesie theilt mit der syrischen und der dieser nachgebildeten christlich-griechischen die uns etwas fremdartig berührende Eigenthümlichkeit, daß die Anfangsbuchstaben der Strophen, Distichen oder Verse nicht selten nach der Reihenfolge des Alphabetes geordnet sind. Mit Unrecht hat man dies als Spielerei und unpoetische Geschmadlosigkeit getadelt, da die alphabetische Anordnung die vollständige, erschöpfende Durchführung des Gegenstandes, gleichsam von A bis 3, symbolisiert und gerade der femitischen Dichtungsweise sehr angemeßen ist, welche vor allem darauf ausgeht, einem großen, die Seele des Dichters mächtig bewegenden Gefühle möglichst gründlich Luft zu machen und zugleich die Seele des Hörers durch allseitige Variation, ja Wiederholung des Grundgedankens auf das innigste mit demselben zu durchdringen.

Auf jeden Fall hat der biblische fritiker, Metriker und Ereget Ursache, den alttestamentlichen Dichtern für die Anwendung der alphabetischen Kunstform dankbar zu sein, da ihm dieselbe nicht nur die Anfänge der Verse oder Strophen und damit der Sinnesabschnitte, sondern auch manche Abweichungen des jeßigen Tertes von dem ursprünglichen anzeigt, wenn er nur nicht diesen Vortheil freiwillig durch die willkürliche Annahme aus der Hand gibt, der Dichter selbst habe sich in unbegreiflicher Launenhaftigkeit nicht an die doch von ihm gewählte und so leicht durchführbare alphabetische Anordnung gebunden. Noch wichtigere Dienste leistet das Alphabet, wenn es zur Wiederherstellung des verlorenen hebräischen Urtextes beiträgt, wie es bei dem in diesem Aufsae zu besprechenden Liede der Fall ist.

Das alte Testament enthält 15 vollständige alphabetische Dichtungen. In den Psalmen 111 und 112 (die Zählung folgt hier immer dem hebräischen Texte) ist das Alphabet auf die Anfangsbuchstaben der Halbverse (Stichen), in dem Pjalme 145, dem Lobe der guten Hausfrau (Prov. 31, 10—31) und dem vierten Klageliede auf die der Doppelverse (Distichen, Parallelen) vertheilt. Dasselbe gilt von den Psalmen 25 und 34, sowie von dem Liede Jesus Sirach's (51, 13—30, Vulgata 51, 18-38); diese drei Lieder fügen aber am Schluße noch ein mit beginnendes Distichon hinzu und können deshalb, um die Theilung in vierzeilige Strophen zu ermöglichen, den Buchstaben $ und W statt eines Distichons nur je einen einzigen Stichos zuweisen. Auch in dem Liede Nahum's (1, 2-10) gegen Ninive bilten die Anfangsbuchstaben der Distichen das Alphabet, jedoch so, daß die Buchstaben von Samekh bis Taw abwechselnd parweise und einzeln an die Anfangsbuchstaben B bis W angeschloßen sind über das Senauere vgl. man meine Carmina Veteris Testamenti metrice, S. 212). Die alphabetischen Buchstaben stehen am Anfange vierzeiliger Strophen in den Psalmen 9-10 (Septuaginta und Vulgata richtig 9) und 37, am Anfange dreizeiliger in den drei ersten Klageliedern, deren drittes aber den Strophenbuchstaben nicht nur einmal, sondern vor jedem Stichos des Tristichors feßt. Aehnlich hat Psalm 119 für jede seiner achtzeiligen Strophen einen Buchstaben des Alphabets, welcher dann vor jeder Zeile wiederholt wird. Rätsehlhaft ist die Erscheinung, daß in dem Pfalme 9-10 (wahrscheinlich auch 34), sowie in dem zweiten, dritten und vierten Klageliede und dem Liede Nahum's der Buchstabe ß dem Ajin vorhergeht.

Unvollständige oder zweifelhafte Spuren alphabetischer Anordnung finden sich in dem Liede Cant. 4, 9-11, dessen drei Strophen mit den Buchstaben L, M, N beginnen ; wenn hier kein Spiel des Zufalles vorliegt, so würde diese Erscheinung beweisen, daß jenes kurze Lied Fragment eines vollständigen alphabetischen wäre. Dagegen erklärt sich die Thatsache, daß die drei ersten Strophen des Palmes 22 mit den Buchstaben Alef, B, & anfangen, einfach aus der anfangs vorhandenen, aber alsbald wieder

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aufgegebenen Absicht des Dichters, die alphabetische Kunstform anzuwenden. In dem Buche Job (3, 8—12) ist das Beginnen der Distichen mit I, faf, L, M sicher nur Zufal, da in dieser unvergleichlich erhabenen Dichtung jede derartige Absichtlichkeit störend wirken müste. Dagegen scheinen in der ersten salomonischen Spruchsammlung (Prov. 10, 1-22, 16) Spuren von Zusammenstellung der Sprüche nach gleichem Anfangsbuchstaben vorzukommen. So beginnen die Sprüche 11, 9-12 (wozu vielleicht noch v. 7 hinzukommt, da sich . 8 beßer an B. 6 anschließt, wodurch dann auch drei mit Çade beginnende Sentenzen zusammengebracht würden) mit B; 20, 7–9 und die nur nur durch einen, vielleicht umgestellten, Vers davon getrennten V. 4-5 mit M; ebenso 20, 24-26, worauf ein mit N beginnendes Distichon folgt; endlich 22, 2-4 mit Ajin.

Nur in dem alten Testamente findet sich eine Art von Gedichten, welche ich alphabetisierende genannt habe. Sie sind zwar nicht alphabetisch, bestehen aber aus ebenso vielen Stichen oder Distichen oder Strophen, als das hebräische Alphabet Buchstaben hat, nämlich 22. Die Absichtlichkeit dieser Zahl ergibt sich aus ihrem unverhältnismäßig häufigen Vorkommen, aus der fast durchgängigen Zusammenstellung dieser „alphabetisierenden“ Lieder mit andern alphabetisierenden oder wirklich alphabetischen, auch aus dem jentenzenartigen, musivischen, einer straffen Gedankenfolge entbehrenden Charakter, welcher diesen Liedern mit den alphabetischen gemeinsam zu sein pflegt. Die Zahl 22 entsteht durch die Stichen in dem zweiten und dritten Orakel Balaam's (Num. 23, 18—24; 24, 3—9; das erste Orakel, Num. 23, 7—10, hat 7 Distichen) und den Psalmen 66, 13—20; 146 (Sept. und Vulg. 145) und 147, 1-11 (Septuaginta und Bulgata richtig 146); durch die Distichen in dem fünften Klageliede, dem Gebete Jesus Sirach's 51, 1-12, Vulg. 1-17) und den Pialmen 33, 38, 39, 49, 50, 94, 103, 115, 116; durch die Strophen in der Psalmentrilogie 105-107 Für das Einzelne verweise ich auch hier auf die Carmina V. T. metrice.

Sonderbarerweise blieben die bisher angeführten Erscheinungen in einem seit Jahrtausenden von Juden und Christen auf das Eifrigste durchforschten Buche trop ihrer Wichtigkeit für die Kritik verhältnismäßig so wenig beachtet, daß meine Ausgabe der alttestamentlichen Dichtungen hier noch eine reiche Nachlese gefunden Zeitschrift für tathol. Theologie. VI. Jahrg.

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