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blutende Land zu beglücken. Statt auf warme Katholiken und aufrichtige Conservative sich zu stüßen, und mit ihrer Hülfe höchst nothwendige Reformen vorzunehmen, umgab er sich mit bedeutungslosen, zweifelhaften Characteren. Es gelang den Freimaurern bald wieder Fahrwasser zu gewinnen; sie fanden sich eben so gut in die Rolle von Speichelleckern unter dem schwächlichen Monarchen, als zu andern Zeiten in die von Revolutionären. Der unheimliche Graf von Montijo, Onkel Beter" genannt, der Vater der nachmaligen Kaiserin, ein Ebenbild Philipp's von Orleans, und wie dieser Verschwörer und Haupt der Freimaurer, kannte genau den Stundenschlag, wann Loyalität, wann geheime Verschwörung aufzuspielen sei. So war die Mehrzahl der Männer beschaffen, die zu Amt, Ehre und Einfluß gelangte; sie hatten das wohlfeile Wort „Gemäßigte" auf ihre Stirne geschrieben, während gute, treue Katholiken (wie General Elio), als extreme, übertriebene und fanatische Leute bei Seite geschoben wurden.

Der König war demnach keineswegs schuldlos an der schmählichen Militärrevolution vom 1. Januar 1820, durch welche er ganz in die Gewalt der geheimen Gesellschaften gelangte. Bischöfe machten zwar sofort aufmerksam auf die Verlogenheit eines Riego und seiner Genossen, auf die berberblichen Pläne der Revolution; aber am Şofe fehlte das Verständniß, und freimaurerische Minister (berzog Sanct Ferdinand) hatten den König so umgarnt, daß er noch in der Stunde der höchsten Gefahr (Febr. 1820) die angebotenen Dienste des wackern Elio abwies. Es kam was kommen mußte, der König wurde Gefangener der Revolution und mußte die Constitution von 1812 genehmigen. Der General Ballesteros scheint uns bei dieser Gelegenheit fast zu gelinde weg zu kommen, wenn es von ihm (S. 76) blos heißt, der König habe auf sein Betreiben die Verfassung von 1812 beschworen. Das Betreiben dieses Wichtes bestand darin, daß er als Commandant von Madrid in der Nacht vom 7. Mai 1820 mit 200 Banditen in den königlichen Palast einbrach und den König unter Todesandrohung zwang, die unglückselige Constitution von Cadir zu beschwören und als Landesgesetz zu verkünden.

Der Verfasser schildert nun die Revolutionsepoche von 1820—23 in einer sehr übersichtlichen, klaren und ausführlichen, reichlich mit Thatsachen belegten und großentheils aus freimaurerischen Quellen selbst entnommenen Darstellung. Er zeichnet die Zersplitterung der revolutionären Parteien in Moderados und Eraltados, in die socialistisch gefärbten Communeros, in die formgerechtern civilisirten Freimaurer und in die als Fremdlinge nicht sehr populären Car: bonari ; er zeigt den großen Antheil der Juden in allen Verschwös rungen, die Monopolisirung der Aemter, die Verschleuderung und Veruntreuung der Staatsgelder durch die freimaurerischen Tonangeber, den infernalen þaß gegen die Kirche, die Bedrückung und Ausraubung derselben. Die Helden dieser Thaten waren die Moderados, die moderirten Freimaurer; diese aber traf das verdiente Loos. Wie ihre Vorbilder die französischen Girondisten von den Schredensmännern verschlungen wurden, so wurden auch sie von den eraltirtern Elementen 1822 weggeschwemmt. Beachtenswerth ist die fromme Heuchelei dieser Logenmänner , wie sie die Wahl der Geistlichen in die Cortes zu verhindern trachteten, ,, damit sie nicht ihrem heiligen Dienste entzogen würden“, jie, die den Meuchelmord organisirten und ausübten (gegen General Elio, gegen Bischöfe und zahlreiche Priester), die hl. Mysterien schändeten und entweihten und alle erdenkliche Greuel ausübten. Das waren die Segnungen des Freimaurerregiments in Spanien.

Als die französischen Waffen den König befreit und auf seinem Thron wieder befestigt hatten, zeigte es sich, daß er nichts gelernt und nichts vergessen hatte. Man erfand das Wort von den gemäßigten Royalisten“, und unter diesem Aushängeschild versteckten fich die Begünstiger der liberal-freimaurerischen Richtung. Solche Leute nun, die in den Tagen der Gefahr verrätherisch oder feige fich benommen, drängten sich jeßt, wo es etwas zu ärndten gab, ichmaroßerisch hervor, paradirten als die Führer der Royalisten und Katholiken und erschmeichelten die Gunst des Königs, während die Männer, welche Vermögen und Blut für ihren König gewagt, schnöde abgestoßen wurden. Dieser Undank einerseits und anderseits der spanische Character erklären genügend, warum und wie es zu bedeutenden Aufständen kam, ohne daß man nöthig hat, die Legends der Liberalen von geheimen royalistischen Genossenschaften, einer Junta Apostolica, einer Gesellschaft der Würgengel" u. 1. w. für etwas mehr als pirngespinnst zu halten.

Was die geheimen Gesellschaften bisher durch Gewalt nicht erlangt hatten, das gelang ihnen durch List und durch die Intrigue

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zweier Frauen, durch die widerrechtliche Abänderung des bestehenden
Thronfolgegeseßes. Diese „unselige Bestimmung brachte die Frei-
maurerei und den falschen Liberalismus in Spanien zur þerrschaft,
schlug der katholischen Kirche die tiefsten Wunden, entzweite die edle
spanische Nation und brachte einen mit der äußersten Erbitterung
geführten Bürgerkrieg hervor, welcher nach einzelnen Unterbrechungen
immer wieder von neuem beginnt und viele Opfer fordert. Allen
denjenigen, die den gutmüthigen Wahn hegen, die Logenbrüder seien
im Grunde so schlimm und gefährli, rathen wir das Buch des
Þerrn Dr. Brüc dringend an, weil es ihnen die þerren Mauern
in der eigenen Werkstätte zeigt.
Blyenbeck.

R. Bauer S. J.

Die Zeit Constantin's des Großen. Von F. Burdhardt. 2. verbesserte und vermehrte Auflage. Leipzig. 1880 Seemann. 456 S. 8°

Constantin der Grosse als Religionspolitiker. Kirchengeschichtlicher Beitrag von Dr. Theod. Brieger, o. Prof. der Kirchengesch. in Marburg. Gotha. 1880. Perthes. 48 S. 8o.

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1. Der bekannte Verfasser des Werkes über die ,,Cultur der Kenaissance in Ftalien" hat in der obigen Darstellung der Zeit Constantins des Großen", welche in 2. Auflage erschienen ist, gewissermaßen ein Seitenstück aus alter Zeit zu seinen Studien über die Renaissance und über die Kämpfe zwischen Christenthum und heidnischem Geiste am Ausgange des Mittelalters geliefert. Die Periode Constantins ist durchaus beherrscht von dem welthistorischen Ereigniß des Sieges der Kirche; um Constantins providentielle That, die nach langem Ringen endlich den heidnischen Gegner dem Christenthume und damit einer neuen Cultur dienstbar machte, muß fich in einer Arbeit über diese Periode Alles gruppiren.

Burchardt hat sicher, indem er einen so tiefgreifenden und folgereichen Uebergangsproceß zu zeichnen sich anschickte, ein schwieriges Werk unternommen. Wenn Kunstfertigkeit der Zeichnung allein und die Beibringung einer Fülle von Material die Aufgabe zu lösen im Stande sind, dann möchte man sagen, Burchardt sei ihrer Serr geworden. Er bringt in den zehn Abschnitten 1) seines ) I. Die Reichsgewalt im 3. Jahrh. II. Diocletian. III. Einzelne Pro

vinzen und Nachbarlande. Der Westen. IV. Der Osten. V. Das

Buches zahlreiche anziehende Bilder mit scharf gezeichneten Cons touren, Schilderungen vol Lebenswarheit, besonders aus den Kreisen des seiner Auflösung entgegeneilenden Heidenthums, und weiß mit oft überraschend weitem Blicke Entlegenes zu combiniren und Verhältniffe, die aus Mangel an Quellenmittheilungen dunkel bleiben würden, durch historische Schlüsse zu erheden. Das sind die Vorzüge des Werkes; sie sind aber auch Alles was an ihm zu rühmen ist. Sehen wir von diesen Vorzügen ab, die gegenüber der Hauptsache, zuleßt doch bloß ein äußerliches Moment bilden, so müssen wir diese Culturgeschichte der Zeit Constantins mit aller Ueberzeugung und Entschiedenheit als verfehlt bezeichnen.

Der Constantin Burchardts ist die Carricatur des wahren Constantin ; der große Ideenkampf seines Zeitalters ist in dem Buche nicht erfaßt, und weil der Autor von seinem unkirchlichen Standpunkte aus für die bewegenden Kräfte des Umschwunges unter diesem Kaiser fein Auge hat, so verliert bei ihm damit auch eine Unzahl von Einzelbegebenheiten die wahrheitsgemäße geichichtliche Beleuchtung, um dafür in einem modernen fürstlich präparirten Lichte zu flimmern.

Schon vor dem Erscheinen dieser zweiten Auflage wurden mannigfache Einsprüche gegen den Burckhardtschen Constantin erhoben, selbst von sonst weit nach links geneigten protestantischen þistorikern, wie Th. Reim und Th. Brieger. Der erstere zeichnet in seinem Schriftchen über den Kaiser (Zürich 1862) die Dars stellung B.'s mit Epitheten aus, wie ,subjectiv, widerspruchsvoll und ungeschichtlich;“ der zweite findet, daß der Verfasser „entschieden zu weit gegangen. Es fehlte auch dem Buche gegenüber nicht

“ an zwingenden Richtigstellungen einzelner verkehrt ausgefallener Bartien, wie z. B. derjenigen über den Ursprung der diocletianischen Verfolgung, wo Burchardt angebliche Umtriebe der Christen für Alles verantwortlich macht, und derjenigen über die Baritätsgeseße Constantins gegenüber dem þeidenthum. Es zeugt von einem ganz

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þeidenthum und seine Göttermischung. VI. Die Unsterblichkeit und ihre Mysterien. Die Dämonisirung des Seidenthums. VII. Alterung des antiken Lebens und seiner Cultur. VIII. Die Christenverfolgung. Constantin und das Thronrecht. IX. Constantin und die Kirche. X. Hof, Verwaltung und Heer. Constantinopel, Rom, Athen und Jerusalem.

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seltenen Maaße an Bewußtsein des eigenen Rechtes ,

wenn B. trokdem in der 2. Auflage die in Frage gekommenen Behauptungen der ersten nicht bloß im Wesentlichen, sondern zum größten Theile felbst wörtlich festhält.

Da muß wiederum Constantin, statt christliche Gesinnung zu haben, nur erfüllt sein von dem „öden Deismus eines Eroberers, welcher einen Gott braucht, um sich bei allen Gewaltstreichen auf etwas außer ihm berufen zu können“ (S. 353). Der Kaiser ist ein „mörderischer Egoist“ (348), der mit „völliger Unabhängigkeit von allem christlichem Empfinden" (449) höchstens einem , toleranten Monotheismus“ (448) huldigt, und bei dem die Gunst gegen die Kirche nur aus „hoher und eiskalter Intelligenz“ (449) entspringt, da er ja die „religiöse Frage nur von Seite der politischen Brauchbarkeit ansieht“ (335). Bleiben hiebei in dem Auftreten des Staisers hundert Räthsel übrig, (und einige erkennt B. mit weitherzigem Zugeständniß an), so erinnert der Verf., daß der Autokrator „mit Willen inconsequent" war. Er erscheint ihm trokdem als großer und genialer Mensch;" bei solchen Menschen aber, sagt Burchardt, denen der Ehrgeiz und die Herrschsucht keine ruhige Stunde gönnen, kann von Christenthum oder Heidenthum, bewußter Religiösität und Frreligiösität keine Rede sein“ (357). „Es haftet", so schreibt er S. 358, „auf Constantin noch stets ein leßter Schimmer von Erbaulichkeit, weil ihn so viele sonst verehrungswürdige Christen aller Jahrhunderte als den ihrigen in Anspruch genommen haben. Auch dieser legte Schimmer muß schwinden. Die Kirche hat an diesem furchtbaren, aber politisch großartigen Menschen nichts zu verlieren, so wie das Heidenthum nichts an ihm zu gewinnen hätte“.

Thatsachen und Ereignisse, welche sich vor den Augen der ganzen Seit abspielten und den heidnischen ebenso wie den christlichen Theil der Bevölkerung des Römerreiches in Spannung hielten, werden hier einfach durch einen Gewaltact beseitigt. Allein die Zukunft, man mag gewiß sein, wird troßdem bei dem Zeugnisse des Zeitgenossen Eusebius über jene Jahre im Ganzen stehen bleiben, mag sie auch mit Recht mancherlei Berichte dieses ofbischofes panegyrisch gefärbt finden. Sie wird in Uebereinstimmung mit den heidnischen Schriftstellern jener Periode den großen Kaiser als einen christlichen Monarchen hinstellen, und nicht mit der heidnischen Parteisucht der Gegenwart selbst die altheidnischen Berichterstatter

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