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Wadding citiert Marcus v. Lissabon und Willot. Aber beide sind nicht die ersten Quellen, es gibt noch frühere. In der Chronik der XXIV Generäle, die 1374 berfaßt wurde und sich handichriftlich in St. Francesco in Affisi, in der Laurenziana in Florenz Cod. 53 Leopold. Gadd., in der Hofbibliothef zu Wien n. 3417, teilweise auch in n. 12707 der Nationalbibliothek zu Paris u. 1. w. findet, ist eine Vita S. Antonii, welche identisch ist mit der Legenda alia bei Boll. Jun. II, 724 ff. Ebenda p. 728 findet sich bereits die Stelle : accesserunt (Antonius et Adam de Marisco) ad abbatem s. Andreae de Vercellis, qui tunc inter omnes theologos excellentior habebatur, qui libros b. Dionysii noviter de graeco transtulerat in latinum et pulcherrime commentavit. Tunc enim de Mediolano Vercellas translatum fuerat studium generale“. Fünf Jahre hätten sie dort studi: rt. Wie man sieht, weiß der Autor nur von St. Andreas in Vercelli zu berichten, wo seit c. 1223 Regularcanonifer waren, denen Thomas Gallus zuerst als Prior und dann als Abt vorstand. Marcus v. Lissabon hat die Stelle nahezu wörtlich (vgl. Delle croniche degli ordini instituiti dal P. S. Francesco dal R. P. Marco da Lisbona II, 43. Parma 1581).

Aber die Chronik der XXIV Generäle ist noch nicht die früheste Quelle. In der sogenannten Antiqua Legenda ss. Patris n. Francisci (Cod. Vat lat. 4354), woraus dann später das sogenannte Speculum vite b. Francisci et sociorum ejus (Venetiis 1504) gemacht worden zu sein scheint, kommt die Stelle ebenfalls in ähnlicher Weise Bl. 65 • 66 a vor. Und alle berichten zugleich, der Abbas Vercellensis habe in seinem Commentar De coelesti hierarchia den hl. Antonius ein glänzendes Zeugniß ausgestellt (Wolfegruber bringt es S 8 Anm. 5. und zwar aus Bucelin).

Aber auch die legtgenannte Quelle ist noch nicht die früheste. Ehe die Stelle in der erzälten Form weiter verbreitet wurde, machte sie einige Metamorphosen durch. In der Vita des hi. Antonius bei Surius (Jun. p. 723 ff. ed. Colon. 1589 tom. 3) wird ebenfalls berichtet, Antonius habe beim Abbas Vercellensis Theologie fludiert; aber von einem Eloge im Commentare De coelesti hierarchia weiß sie nichts, sondern sie sagt p. 734, Anton sei nach jeinem Tode dem Abbas erschienen, , et ille quidem abbas in conventu fratrum suoru m hoc viro Dei perhibuit testimonium: Frater, inquit, Antonius de pura Theologia sensı mystico hausit plenissime divini radii gratia illustratus“. Noch weniger enthält die nemliche Vita im Coder n. 74 der Biblioteca di St. Antonio in Padua (Pergamenths. Anfang des 14. Ihs.): „Erat enim (Antonius) mysticorum eloquiorum capacissimus et in audiendis s. Dionysii libris super mundanis eruditissimo totius saeculi viro fratri sc. Adam de Marisco condiscipulus, longe potentius eo doctrinam illam deificam capere dicebatur a communi eorum didascalo Abbati sc. Vercellensi, cujus laudes idcirco ad prae

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sens taceo, quia in ipsius operibus omnibus sapientissimis elucescunt“. Diese Vita gebraucht also „dicebatur“.

In derselben Hi. folgt von BI. 128 an eine neue Vita des hl. Antonius; jie steht der Zeit nach zwisden der ersten bei den Bollandisten (Jun. II, 705), und jener bei Surius, mit der sie oft übereinstimmt. Aber sie weiß gar nichts mehr davon, daß Antonius unter dem Abbas Vercellensis studiert habe. Ebensowenig spricht darüber sie Vita prima bei den Bollandisten. Gewiß eine interessante Historie!

Ich untersuche nun vorläufig nicht, wer der Abbas Vercellensis jei, und ob sich die Gersenisten selbst unter Vorausseßung der Wahrheit des Berichtes auf den Bericht selbst berufen können. Ich frage jeßt nur: Welche der Vitae hat Recht ?

Bereits Azzoguidio hat im vor. Jh., ohne eigentlich an die (Sierjenisten zu denken, es als Irrtum erklärt, daß Anton v. Padua in Vercelli unter dem Abte von St. Andreas studiert habe ; er habe wol 1224 dort gepredigt, und bei dieser (elegenheit wahrscheinlich den Abt kennen gelernt (S. Antonii Ulyssipon. Sermones in Psalmos. Bononiae 1757 p. XC. sq.). Ich will zu seinen dort angeführten Beweisen andere hinzufügen. Fast alle Berichte bestimmen die Zeit, wann Anton v. Padua und Adam de Marih nach Vercelli famen : Als das Studium von Mailand“ oder „von Pavia“, wie Marcus hinzuseßt, nach Vercelli transferiert wurde, als daher in Vercelli eine öffentliche Schule, ein Studium generale war. Der Abbas Vercellensis wird im Berichte gewisjermaßen als öffentlicher Lehrer bezeichnet. Wadding bestimmt den Zeitpunkt noch näher : im J. 1222. Wenn irgendwo, so zeigt sich hier, daß die genannten Chronisten nicht auf den geringsten Glauben Anspruch machen fönnen, daß sie nur aufs gerathewol geschrieben haben. Anton v. *sadua und Adam de Marsh follen mitjammen voin hl. Franciscus nach Vercelli aufs Studium geschidt worden sein? Allein, Adam de Marih trat erst nach 1226 in England in den Orden, er war bereits vor seinem Eintritte berühmter Magister in Drford und kam auf das Festland lange nach dem Tode des hl. Franciscus. Darüber verliere ich kein Wort, jeitdem des gleichzeitigen Franciscaners Thomas de Eccleston Liber de adventu minorum in Angliam publiciert worden ist (Monumenta Franciscana ed. Brewer. Londini 1858 S. 15 f.).

Aber vielleicht wurde Anton v. Padua allein nach Vercelli auf das Studium generale geschickt? Allein dies ist ebenso unstichhaltig wie das frühere. Wann wurde denn das Studium generale nach Vercelli transferiert? Im J. 1228. Das Actenstück eristiert noch, wenngleich nicht mehr im Originale, so doch in Abschriften aus dem 14. Ih. im Archivio civico zu Vercelli (Vol. I. del cod. ms. dei Biscioni Bi. 395; vol. IV. Bl. 455). Es wurde vielfach veröffentlicht, so von Savigny (Gesch. des römischen Rechtes? ill, 668), Vallauri, (Storia delle università degli studi del Piemonte, Torino 1845 I, 215) und in der Originalorthographie von Balliano, (Della università degli studi di Vercelli, Vercelli 1868 p. 38). Mandelli weist gegen jene, welche die Transferierung in das Jahr 1220 fekten (so Vallauri felbst, Cibrario, Durandi, De Gregory, Cantù), chlagend nach, daß sie sich durch ein von ihnen mißverstandenes Datum täuschen ließen (Il commune di Vercelli III, 8 sqq. 10). Das Datum 1224 eines Decretes Friedriche II. bezogen sie auf Statuten, die nicht vor 1234 gegeben wurden. Jeder kann sich nun in den Monumenta historiae patriae tom. 16, 1231 ff. von der Richtigkeit überzeugen. 1) Vgl. auch Legum municipalium di Vercelli II, 1234 sqq.

Also erst 1228 fönnte Anton v. Padua nach Vercelli vom hl. Franciscus, welcher 1226 starb, geschidt worden sein! Und drei Jahre später starb auch der hl. Antonius! Die Chronisten wußten ferner nicht einmal, daß das Studium nicht von Mailand oder Pavia nach Vercelli transferiert wurde, sondern von Padua. Uebrigens zerfällt die ganze Sache in ein Nichts, wenn wir auch mit Wadding annehmen würden, Anton sei 1222 nach Vercelli geschickt worden. Fünf Jahre war nach ihm und feinen Quellen Anton auf dem Stus dium, also bis 1227. Ich frage: Wo bleibt denn unter dieser Vors ausseßung für die großartige apostolische Thätigkeit des hl. Antonius, die actenmäßig constatiert ist, der notwendige Spielraum ? Und als Regularcanonifer in Spanien foll Antoniue das Studium gänzlich vernachläßigt haben? Zum Schlusse noch eine Frage: Wo findet sich die Stelle des Abbas Vercellensis De coelesti hierarchia, worin er dem hl. Anton große Lobsprüche spenden soll? Ich wäre einem jeden dankbar, wenn er sie mir zeigen würde. Bis dahin halte ich an der Ansicht fest, die Stelle habe sich erst nach und nach bei den Chronisten gebildet. Die Vita bei Surius weiß nur, der Abbas Vercellensis habe dem hl. Antonius „in conventu fratrum suorum die größten Lobsprüche gespendet. Später lasen die Chronisten diese Stelle schon im Commentare. *) In meinem größeren Werfe werde ich auf die Gründe der Metamorphosen in den Antoniuslegenden aufmerkjam machen.

Aber nehmen wir nun an, der Bericht über die wissenschaftliche Ausbildung des Hl. Antonius und Adams v. Marsh in Ver

19 S. dazu Ficer in den Mittheilungen für österr. Geschichtsforschung

I, 208. 3) Daß die Stelle, selbst wenn sie sich irgendwo fände, nichts für den

Aufenthalt des hl. Antonius in Vercelli behufs wissenschaftlicher Ausbildung beweisen würde, hat bereits Azzoguidio 1. c. nachgewiesen. Ebenso beweist die Volkstradition, daß der hl. Anton einen Brunnen in Vercelli gesegnet habe, nichts mehr oder weniger, als daß der hl. Anton einmal in Vercelli war. Canetti hat 1. c. p. 24 diese Tradition mißverstanden.

celli beruhe auf Wahrheit. Beweist er dann etwas für die Gers senisten? Nicht im Geringsten. Es heißt einmal, beide seien in das Kloster St. Andreas geschickt worden. War etwa Johann Gersen in St. Andreas ? Nein, er soll im Benedictinerkloster St. Stephan gewesen sein, in St. Andreas waren Regularcanoniker. Sie wurden, sagt man weiter, zum Abte in St. Andreas geschickt, oder kurzweg zum Abbas Vercellensis. Wer ist dieser ? Wie wir bereits oben gesehen haben, wissen die Quellen der damaligen Zeit von keinem andern als von Thomas Galus, der circa 1226 Abt von St. Andreas wurde. Sie wurden, sagen ferner die Chroniken, zu einem Abbas Vercellensis in St. Andreas geschickt. der sich durch Commentieren der Schriften des Areopagiten berühmt gemacht habe. Wer ist dieser? Dieselben Quellen sagen, es sei der ebengenannte Abt der Regularcanoniker zu St. Andreas. 9) Wo bleibt Gersen ? 2) Versuchen wir ; ob wir ihn noch in legter Stunde in Vercelli auffinden.

Gersen fod damals eine der einflußreichsten Persönlichkeiten in Vercelli gewesen sein und sein Kloster alle übrigen dort eristierenden Klöster überflügelt haben, am Studium generale soll er sogar als Lehrer fungirt haben.

Allein, darüber, daß im 13. Jh. das Kloster von St. Stephan eine irgendwie bevorzugte Stellung in Vercelli eingenommen habe, ichweigen alle Quellen. Canetti selbst kann in seiner Broschüre: L'abbazia Benedettina di S. Stefano in Vercelli (Vercelli 1875) kein einziges Actenstück aus jener Zeit vorzeigen, er beruft sich nur auf frühere Zeiten, und besikt für das 13. Jh. kein anderes Document als Johann Gersen. Das Nichterwiesene wird bes wiesen durch Nichterwiesenes !

1) Mil ihm mag Antonius allerdings ebenso wie sein Mitbruder Adam

de Marsh, welcher diesem Abte einmal einen Brief schrieb (1. Mon.

Francisc. p. 206), bekannt gewesen sein. ? Man wird mir erlassen auf die Fabel einzugehen, es existiere ein Brief

des hl. Franciscus an den Johann in Vercelli. Es existiert keiner, Bucelin hat wahrscheinlich einen angeblichen Brief des hl. Franciscus an Antonius, der öfters gedrudt wurde, mit dem Briefe an „Johannes“ verwechselt.

Dem gegenüber berufe ich mich auf ein Actenstück, aus dem hervorgeht, daß die Abbazia di St. Stefano in Vercelli zur Zeit, als Johann Gersen dort Abt gewesen sein soll, ziemlich ruhmlos dastand, daß sie von den Regularcanonikern von St. Andreas, von den Dominicanern, Franciscanern und Cisterciensern überflügelt wurde, und die Behauptung, ein Abt von St. Stephan habe damals eine Lehrkanzel inne gehabt, grundlos sei. Es ist das Testament des Domprobītes von Vercelli Facob Carnarius, der 1235 Bischof von Vercelli murde, und das Datum vom J. 1234 trägt (1. Irici. Rerum patriae libri III. Mediolani 1745 p. 81-86).

Dieses Testament ist reich an Vermächtnissen. St. Stephan erhielt nur wie jede andere der geringern Kirchen Legate für Anniverjarien (p. 82). Am meisten bedacht wurden St. Andreas und das Kloster St. Paul der Dominicaner (83 ff.). Ich würde nun darauf keinen Wert jeßen; die zwei zuleştgenannten Klöfter konnten ja bedürftiger gewesen sein. Aber die Sache verhält sich anders. St. Stephan wird nicht genannt selbst an jenen Stellen des Testamentes, wo es nicht hätte umgangen werden fönnen, wenn es wirklich jene Bedeutung gehabt hätte, die ihm die Gersenisten geben, und wenn der Autor der Imitatio demselben vorgestanden wäre.

Jacob Carnarius trifft Verfügungen über seine Bibliothek. Sie wird hauhtsächlich geteilt zwischen St. Andreas, den Minoriten, dem Clerifer Johann de Raddo und den Dominicanern von St. Paul. Legtere erhielten den theologischen Hauptstock derselben. Der Domprobst gibt ihn aber den Dominikanern mit der wichtigen Clausel: „nec liceat eis vel aliis ipsos libros impignorare ... accomodare quoque non liceat eos extra septa claustri sui nisi canonicis S. Eusebii, et S. Mariae, et S. Andreae et illis de Lucedio (Cistercienser) et fratribus minoribus sancti Matthaei Vercellen. et D. Episcopo et magistro qui Vercellis de Theologia doceret, et Joanni de Raddo clerico socio meo, quibus omnibus et singulis volo dictos libros concedi et accomodari singillatim“. Ich möchte nun nicht den Umstand urgieren, daß St. Stephan feine Bücher erhielt; es hatte vielleicht ohnehin genug. Aber das Kloster wird vollständig von der Benüßung der Bücher ausgeschlossen, während sie doch an solche, die eine genügende Bibliothek besaßen, z. B. dic Canoniker von St. Eusebius und der Bischof. ausgeliehen werden durften. Der Gedanke liegt hier zu nahe, das Kloster St. Stephan sei damals nichts weniger als berühmt gewesen, es sei ein Kloster gewesen ohne wissenschaftliches Streben. Im Testamente heißt es aber weiter, daß, wenn die Dominicaner Vercelli verlassen, die Bücher dem Kloster St Andreas zil= fallen sollten.

Ferner wird der Abt von St. Andreas, und nicht jener von St. Stephan, zum Testamentserecutor in Betreff der Legate an die

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