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Beat Rhenanus, eilten besorgt herbei, und ricthen gütliche Ausgleichung des fatalen Handels an. Eppen. dorf sollte als Vermittler angegangen werden. Nach einigen Bedenklichkeiten entschloss sich Erasmus dazu, und schrieb, um die Aussöhnung einzuleiten, vorerst einen Brief an Hutten, worin er ihn auf die freundschaftlichste und einschmeichelndste Weise behandelt, von den alten innigen Verhältnissen, seiner Unschuld in dieser Sache, seiner fortwährenden Neigung gegen ihn, und Hochachtung gegen sein Genie spricht, und den übeln Eindruck, den ein solcher Kampf zwischen ihnen bei dem Publikum, so wie die Freude, die er bei Gegnern, wie Egmond, Hochstraten u. dgl. erregen würde, schildert, und endlich einen Vergleich ihm anbietet, übrigens ihm erklärt, dass er auf alle Falle gefasst sey, und das Signal erwarte.

Dieses Schreiben hatte leider die gewünschte Wirkung nicht; Hutten überhäufte den Erasmus mit Vorwürfen, verstand sich aber endlich dazu, wenn Letzterer zu billigen Bedingungen ebenfalls sich verstehen würde. Allein die Erbitterung mischte sich neu in die Sache, undelikate Behandlung zerstörte die eröffneten Unterhandlungen, und das Manuscript war in Abschriften schon berum bis Zürich gegangen, so dass Huttens auch wenn er es noch so sehr gewünscht hätte, nicht mehr iiber das Schicksal desselben verfügen konnte. Er meldete dies dem Erasmus selbst, versicherte ihn aber, dass er, wenn er sich zufrieden geben, und, falls die Schrift auch erschiene, die Fehde nicht fortsetzen wiirde, er seinerseits sich fürder ebenfalls beruhigen wolle.

Leider war aber dies durch die Natur der Sache rein unmöglich geworden. Erasmus bekam die Schrift selbst nun zu lesen, und theilte sie seinen Freunden mit. Diese erschracken, fanden sie schrecklich, und riethen dem Erasmus, um jeden Preis ihre Unter

driickung zu erhalten. Gerne hätte er sich zu Allem, ja selbst zu einer Geldsumme verstanden, auf die, nach seiner Aussage, Eppendorf angespielt haben soll. Dass Hutten dies selbst je gethan, ist leere Hypothese, nirgends erwiesen, und durch seinen bei so vielen Anlässen als unbestechlich erwährten Charakter zum voraus widerlegt, überhaupt eine gemeine triviale Beschuldigung, von den Feinden seines Ruhmes ersonnen, um sein Andenken in den Staub zu ziehn. Vielleicht hatte Eppendorf aber als eine natürliche Verpflichtung im Fall der Unterdriickung des Büchleins sie aufgestellt, als Schadenersatz fiir bisherige Kosten des Verfassers und des Verlegers.

Während nun so Erasmus und seine Freunde in Ungewissheit über das Kommende schwebten, begab es sich, dass Hutten auch aus Mülhausen, seines Antheils an Reformirung dieser Stadt wegen, vertrieben wurde, und nach Zürich sich fliichten musste. Die bereits bekannt gewordene Sache ward hier mit Zwingli und Andern vielfach besprochen, und alle wünschten freilich, dass die zu erscheinende Streitschrift weniger stark und bitter abgefasst worden wäre, so zwar,

dass Hutten selbst an Erasmus sich gewendet, und die stärksten Stellen mit der zu heftigen Bitterkeit des Herzens und der Leidenschaft des Momentes entschuldigt haben soll. Erasmianer melden dies; die Beweise dafür haben wir aber nirgends aufgefunden. Genug, die fürchterliche „Expostulatio“ erschien im Heumond 1523 zu Strasburg, und fand natiirlich eine ungeheure Anzahl Leser, von denen der grösste Theil mit dem Innhalt einverstanden, und gegen Erasmus eingenommen wurde. Ein allgemeiner Enthusiasmus , im Ganzen mehr gegen die Parthei im Allgemeinen, welche den Grundsätzen und der Verfahrungsweise des Erasmus huldigte, als gegen seine Person, gerichtet, ward rings vernommen.

Erasmus gürtete sich zur Rache und schweren Wiedervergeltung, und schrieb wider die „Expostulatio" eine Gegenschrift „ Spongia“, die eben so sehr als ein Meisterstuck seiner Beredsamkeit gelten kann, als jene die Krone von Huttens Invektiven in Hinsicht der Pracht des Styles und der Stärke der Gedanken ist. Während er aber noch mit Ausarbeitung derselben beschäftigt war, suchte er zugleich auf polizeylichem Wege seinen Gegner zu erdriicken, und ihm fühlbar zu machen, was für einen Mann er in seiner Person beleidigt und verwundet habe. Er schrieb nemlich an den Züricher Rath einen Brief in teutscher Sprache, warnte ihn vor Hutten nachdrücklichst, beschuldigte diesen der Umtriebe wider Kaiser und Pabst, und suchte sie auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die sie durch seine Beherbergung sich zuziehen möchten, *) Dies war ein unedler Schritt von Erasmus, der jeden Biedermann gegen, ihn einnehmen musste, aus dem auch bei den Arabern der Wiiste und den Wilden geltenden Grundsatz: Res sacra miser. Man vergleiche damit die Antwort Ulrichs, der, ohne seinen unversöhnlichen Gegner so grimmig zu verlästern, in schlichten, rührenden Worten seine Vertheidigung anbringt.

Nun aber folgte der Hauptschlag. In der Spongia wurden alle Beschuldigungen, die Ulrich von Hutten wider Erasmus angebracht, auf eine Art und mit einem Aufwand von Gelehrsamkeit widerlegt und widerver. golten, die zwar auf das dialektische Talent, die rhetorische Gewandtheit und den Scharfsinn des Letztern ein neues glänzendes Licht, aber keineswegs so auf dessen

*) Warum gedenkt Stolz, der Lobredner des Erasmus, dieses Schreie

hens und der Antwort des verfolgten Huttens darauf nicht, da doch Hefs, der warme Biograph des Erstern sie unverholen ans geführt und beigefügt hat?

Charakter und Herzensgesinnung werfen, was auch immer enthusiastische Panegyristen des Alten daftir an. bringen mögen. Beim ersten Vergleichen der geschminkten, gesuchten, sophistischen Rede desselben mit der, aus der Fiille des Herzens und einer, durch kein persönlich niedriges Motiv geleiteten, sonilern aus innigster Ueberzeugung und gekränkter Leibe für die gute Sache, hervorquellenden Begeisterung geschriebenen Schrift des lodkranken Flüchtlings, zeigt sich jedem Unbefangenen gleich der schneidende Kontrast, und unwillkührlich die Entscheidung, wer von Beiden bei aller Leidenschaft, in die sie beide verfielen, mehr Recht für sich hat. Doch ein Näheres über Beide in der versprochenen Schrift. :

Die Spongia war Huldreich Zwingli, dem berühmten schweizer'schen Reformator zugeeignet worden, mit welchem Erasmus damals noch so ziemlich gut stand. Es scheint jedoch, als habe jener weniger Gefallen an dem Geschenk und Werke seines Freundes gehabt, als dieser wohl vermuthet, und auf Erwiederungsschreiben, die Erasmus nicht für gut gefunden hat, seiner Briefsammlung einzuverleiben, strich er bei der folgenden Ausgabe die Zueignung an Zwingli weg, und setzte dafür eine Præfatio ad Lectores hin.

Aber einen noch widrigern, und dem Verfasser höchst nachtheiligen Eindruck erregte sie bei einer Menge anderer Gelehrten, an deren Achtung und Beifall Erasmus immerhin viel gelegen seyn musste. Dass Luther, ohngeachtet er auch mit Hutten nicht ganz zufrieden war, sich sehr gegen die Art, womit Erasmus verfahren und, slatt in die Sache einzugehn, überall nur auf den Charakter seines Gegners alle Geschosse gerichtet hatte, - erklären würde, war vorauszusehn, und ein Brief an Nikolaus Hausmann, so wie ein anderes Schreiben: de fucata Erasmi Spongia beweisen die Gefühle des Unwillens über den Sophisten. Aber auch

Hutt, Op. T. IV.

viele andere Gemässigtere, wie z. B. Melanchthon liessen laut ihre Missbilligung des Geschehenen hören. Am meisten aber schadete Erasmus der noch vor dem Erscheinen der Spongia erfolgte Tod seines Gegners, und die hierauf später verbreitete Meinung des Publikums, dass er erst durch diesen Umstand so muthig und heroisch geworden und an dem Feinde im Grabe sich rächen wolle. ")

Das Andenken an die grossen Tugenden und Verdienste Ulrichs von Hutten erwachten zugleich mit neuer Starke; die Verirrungen des Lebens hatte er so eben durch das schmerzvollste Ende einer langjährigen Krankheit gebüsst.

Von diesem Gefiihle aus iniissen nun auch die Schritte beurtheilt werden, die seine feurigern Freunde für die Ehre des Todten unternahmen.

Es traten Erasmus Alberus und Heinrich v. Eppendorf mit heftigen Anschuldigungen wider Erasmus auf, und verbitterten ihm mehr durch die zahlreiche Verbreitung derselben in ganz Teutschland und selbst in andern Ländern, als durch das Gewicht ihres persönlichen Ansehens in hohem Grade die ihm so kostbare Ruhe und Behaglichkeit des Lebens, und er war gezwungen, links und rechts bei seinen und Huttens gemeinschaftlichen alten Freunden sich zu vertheidigen. Hermann von dem Busch erklärte sich ebenfalls wider ihn. Am allerheftigsten aber verfuhr mit ihm der strasburgische Gelehrte, Otto v. Brunfels, indem er es unternahm, in einer eigenen Replick, die

*) Der bittere schneidende Ton in der neuen Præfatio an die Leser,

welche' meist Persönlichkeiten enthält, das Vorwerfen der Armuth und Krankheit, so wie die Stelle eines Briefes au Goclenius, worin er diesem meldet: „Hutten ist gestorben; leider verliert nun mein Schwamm einen grossen Theil seines Reizes“ trugen nicht wenig dazu bei, diese Meinung zu bekräftigen.

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