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Behauptungen und Angriffe Erasmus in der Spongia Punkt für Punkt zu widerlegen. Er that dies in einem so bittern, beissenden, meist aber sehr überzeugenden Tone, dass Erasmus, der umsonst die tiefe Kränkung unter dem gelehrten Stolze gegen die Anmassung eines literarischen Klopffechters vornehin zu verstecken suchte, in der Verzweiflung es für das Gerathenste hielt, eben diese Legitimität des Primates unter den Gelehrten seiner Zeit als Wehrstein hinzusetzen, und den Kampf für geendigt zu erklären. Inzwischen fiillte er aber alle Briefe noch mit Anzüglichkeiten und heftigen Ausfällen auf seine Gegner, ja selbst auf den laugst modernden Hutlen an, suchte den Verleger der Gegen - Schriften, Schott in Strasburg durch Insinuationen bei den Behörden zu ruiniren, ohngeachtet dieser Familien valer war, und für den Inhalt der bei ihm gedruckten Werke ja nicht verantwortlich seyn konnte, und beklagte sich -bitler dariiber, als der Rath zu Strasburg nicht gleich mit Feuer und Schwert strafte. Am meisten verlor er aber auch dadurch bei vielen seiner bisherigen Verehrer, dass er den sittlichen Charakter, und die unglückJichen physischen Zufälle Huttens, wiewohl er den Namen desselben nicht genannt, in seinen Dialogen, namentlich in den zweien: Proci et Puellæ, und yomos ayanes mit boshaftem Witze schilderte. Moge der allverehrte Herausgeber des Sophronizon es mir verzeihen, wenn ich in die, im 3ten Hefte des IV. Jahrgangs dieses Journales angeführte , Entschuldigung und Verwahrung des Erasmus gegen diesen Vorwurf nicht einstimmen kann. Meine Hochachtung gegen denselben und seine Verdienste ist so gross, als sie bei irgend jemand nur seyn kann; aber hier hatte ihn die Leidenschaft sichtbarlich und mit ungewöhulicher Macht ergriffen, und die Persiflage in jenen Dialogen ist so

viele andere Gemässigtere, wie z. B. Melanchthon liessen laut ihre Missbilligung des Geschehenen hören. Am meisten aber schadete Erasmus der noch vor dem Erscheinen der Spongia erfolgte Tod seines Gegners, und die hierauf später verbreitete Meinung des Publikums, dass er erst durch diesen Umstand so muthig und heroisch geworden und an dem Feinde im Grabe sich rächen wolle. )

Das Andenken an die grossen Tugenden und Verdienste Ulrichs von Hutten erwachten zugleich mit neuer Stärke; die Verirrungen des Lebens hatte er so eben durch das schmerzvollste Ende einer langjährigen Krankheit gebüsst.

Von diesem Gefühle aus müssen nun auch die Schritte beurtheilt werden, die seine feurigern Freunde für die Ehre des Todten unternahmen.

Es traten Erasmus Alberus und Heinrich v. Eppendorf mit heftigen Anschuldigungen wider Erasmus auf, und verbitterten ihm mehr durch die zahlreiche Verbreitung derselben in ganz Teutschland und selbst in andern Ländern, als durch das Gewicht ihres persönlichen Ansehens in hohem Grade die ihm so kostbare Ruhe und behaglichkeit des Lebens, und er war gezwungen, links und rechts bei seinen und Huttens gemeinschaftlichen alten Freunden sich zu vertheidigen. Hermann von dem Busch erklärte sich ebenfalls wider ihn. Am allerheftigsten aber verfuhr mit ihm der strasburgische Gelehrte, Otto v. Brunfels, indem er es unternahm, in einer eigenen Replick, die

*) Der bittere schneidende Ton in der neuen Præfatio an die Leser,

welche meist' Persönlichkeiten enthält, das Vorwerfen der Arinuth und Krankheit, so wie die Stelle eines Briefes au Goclenius, worin er diesem meldet: „Hutten ist gestorben; leider verliert nun mein Schwamm einen grossen Theil seines Reizes“ trugen nieht wenig dazu bei, diese Meinung zu bekräftigen.

Behauptungen und Angriffe Erasmus in der Spongia Punkt fiir Punkt zu widerlegen. Er that dies in einem so bittern, beissenden, meist aber sehr überzeugenden Tone, dafs Erasmus, der umsonst die tiefe Kränkung unter dem gelehrten Stolze gegen die Anmassung eines literarischen Klopffechters vornehin zu verstecken suchte, in der Verzweiflung es für das Gerathenste hielt, eben diese Legitimität des Primates unter den Gelehrten seiner Zeit als Wehrstein hinzusetzen, und den Kampf für geendigt zu erklären. Inzwischen fiillte er aber alle Briefe noch mit Anzüglichkeiten und heftigen Ausfällen auf seine Gegner, ja selbst auf den lavgst modernden Hutlen an, suchte den Verleger der Gegen - Schriften, Schott in Strasburg durch Insinuationen bei den Behörden zu ruiniren, ohngeachtet dieser Familien valer war, und für den Inhalt der bei ihm gedruckten Werke ja nicht verantwortlich seyn konnte, und beklagte sich -bitler dariiber, als der Rath zu Strasburg nicht gleich mit Feuer und Schwert strafte. Am meisten verlor er aber auch dadurch bei vielen seiner bisherigen Verehrer, dass er den sittlichen Charakter, und die unglücklichen physischen Zufälle Huttens, wiewohl er den Namen desselben nicht genannt, in seinen Dialogen, namentlich in den zweien: Proci et Puellæ, und younos ärahas mit boshaftem Witze schilderte. Moge der allverehrte Herausgeber des Sophronizo es mir verzeihen, wenn ich in die, im 3ten Hefte des IV. Jahrgangs dieses Journales angefiihrte , Entschuldigung und Verwahrung des Erasmus geven diesen Vorwurf nicht einstimmen kann. Meine Hochachtung gegen denselben und seine Verdienste ist so gross, als sie bei irgend jemand nur seyn kann; aber hier hatte ihn die Leidenschaft sichtbarlich und mit ungewöhulicher Macht ergriffen, und die Persiflage in jenen Dialogen ist so

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offenbar signalisirend, dass jeder bein ersten Anblick erkennt, wer damit gemeint sey.

Doch es schliesse sich die unerfreuliche Episode aus dem Leben und Wirken zweier Männer, deren Geister, längst versöhnt, noch jetzt, je auf verschiedenen Wegen, für Recht, Licht und Freiheit in ihren Schriften wirken. Dem Leser bleibe es verstattet, da alle Akten ihm vollständig vorliegen, sein Urtheil selbst zu fallen, und mit denselben unsere Geschichtserzählung zu vergleichen, die wir ihm - wir wiederholen es

blos zur leichtern Uebersicht des Ganzen vorläufig gegeben haben

10) Heinrich v. Eppendorf, dem eine adeliche Herkunft bald beigelegt, bald abgesprochen wurde, dessen Geburtsjahr unbekannt, dessen Vaterort aber ein sächsisches Dorf war, von dem er später den Namen trug, hielt sich längere Zeit als Stadtschreiber zu Ca. mentz in der Oberlausitz auf. Herzog Georg von Sachsen, auf seine Talente aufmerksam gemacht, beschloss für seine geistige Ausbildung etwas Bedeutendes zu thun, und schickte ihn, nachlem er eine Zeitlang in seinen Diensten gestanden, nach Basel, die Vorlesungen des Erasmus von Rotterdam zu hören, oder wenigstens in tessen Umgang Manches zu erwerben, was weder Kanzel noch Buch, sondern nur das lebendige Wort und das Gemüth eines ausgezeichneten Mannes giebt. Auch den Unterricht des Zasius genoss er, und ward besontlers von diesem sehr liebreich und freundschaftlich behandelt und unterstützt.

In Basel war es aber, wo ihn ein böser Geist in die Irrungen Huttens und Erasmus hineinstellte, und ihm eine Rolle gab, von der wir nicht recht wissen, ob er sie sehr ehrenhaft gespielt. Aus dieser Tragödie entspann sich fiir ihn eine eigene zweite, mit demselben grossen Mann, gegen den er Hutten soll aufgehetzt haben. Erasmus, vielen seiner eigenen Aeusserungen zufolge, scheint etwas unvorsichtig iiber Eppendorfs Auffiihrung, Charakter und Tendenzen sich in einem Briefe an Herzog Georg, dessen Beschiitzer, herausgelassen zu haben. Mag nun immerhin Eppendorf ein wenig Renomnist, und in seiner Lebensart eben kein Ascet gewesen seyn, so hatte doch Erasmus den Schein gegen sich, aus einer Privatabneigung gegen ihn, und dadurch ein wenig unedel, gehandelt zu haben, dass er hinter Eppendorfs Riicken ihm nicht nur das Herz seines Beschützers entfremdete, sondern durch seirren mächtigen Einfluss auf Herzog Georg, und die Freundschaft mit dessen Kanzler, selbst den Zorn des Fürsten ihm zuzog. Eppendorf erfuhr dies von dritter Hand. War er

nun friiher schon in der Huttenschen Geschichte durch Erasmus Spongia grell genug als Zwischenträger und Veranlasser des unseeligen Zwistes hingestellt, und dem Unwillen der Welt, welcher auf Souffleurs dieser Art zu fallen pflegt, preis gegeben worden, so musste Eppendorf, dem es um seine Ehre und ökonomische Existenz jetzt galt, doppelt gegen Erasmus erbittert seyn, um so mehr, da das Recht mehr auf seiner Seite stand, oder er, wenigstens mit einem grossen Scheine des Rechtes, denselben als hämischen Verläumder blosstellen konnte. Wirklich säumte er auch nicht. Er beschloss seine Sache nicht durch Schriften, sondern auf dem Wege Rechtens zu verfechten, und strengte bei dem Rathe in Basel eine förmliche Klage wider Erasmus an,

welch ersterer ihm auch feierlich Gerechtigkeit versprach, aus Achtung für den Beklagten, aber vielleicht die Sache etwas verzögerte. Erasmus ward beschuldigt, Verfasser eines ehrenrührerischen Schreibens

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