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gewesen zu seyn, und zu folgenden drei Punklen aufgefordert: 1) Widerruf des Geschriebenen, und ein neuer Brief an Herzog Georg zu seinen Gunsten; 2) Dedikation eines Buches, um ihn in den Augen des grössern Publikums zu rechtfertigen; 3) endlich Bezahlung von 300 Dukaten an die Armen zu Basel und Strassburg, als Entschädigung für die zugefiigle Beschimpfung

Erasmus suchte zwar jene Autorschaft des Briefes an Herzog Georg in Abrede zu stellen; gleichwohl scheint er seinem Gedächtniss nicht ganz getraut zu haben, was er eigentlich diesem zugeschrieben, oder sein Gewissen vielleicht sagte ihm ein Anderes. Er gerieth darüber in die peinlichste Verlegenheit, und seine Angst leuchtet aus allen wegen dieser Sache geschriebenen Briefen deutlich hervor. Anfänglich suchte er den Eppendorf lächerlich zu machen, schob ihm wegen jener Forderung der 300 Dukaten die Absicht unter, dass es ihm blofs um eine Geldsumme zu thun sey, die er von ihm erpressen wolle. Mochte dies aber auch sehr wahrscheinlich seyn, so hatte doch Eppendorf seine Sache so fein gestellt, dass er vor dem Publikum rein, und noch dazu als wohlthätiger Mann dastand, da er die Armen bedacht. Erasmus Angst nahm zu, und seine Abneigung vor Prozessen, die ihn in seiner Bequemlichkeit und in seinen Arbeiten stören mussten, und die Furcht vor dem trotzigen Ungestimm seines Gegners, der ihm allenthalben neue Feinde wecken konnte, bestimmten ihn endlich doch, die Vermittlungsvorschläge zweier gemeinschaftlicher Freunde, Beat Rhenanus, und Ludwig Beers anzunehmen, welche beide für Erasmus Ruf besorgt waren. Er verstand sich also zum Schreiben an Herzog Georg, und zur Dedikation des Buches, unter der Bedingung, dass Eppendorf zuvor seiner Freundschaft ihn versichere.

Von den 300 Goldgulden wollte er dagegen nichts wis. sen. Als Beat Rhenanus nun diese Antwort Eppendorfen überbracht, beschwerte sich dieser über die Zumuthung, einem Manne seine Freundschaft unbedingt verheissen zu sollen, der ihn aufs gröblichste beleidigt, und ahnete eine Schlinge darin. Die Dedikation ward daher auf folgende Art vorgeschlagen:

Erasmus Roterodamus Henrico Eppendorphio S. D. Dirites divitibus mittunt equos, aulæa, gemmas et au. rum , muta nimirum

munera,

nec duratura; postremo, que nec meliorem, nec ornatiorem reddunt eum, cui mittuntur, et pauperiorem illum, a quo proficiscuntur : inter eos vero, quos literarum communis amor fædera. vit, aliud donorum genus commeare decet, quo nec ex = hauriunt largientem, et fructum simul ac decus afferunt accipienti. Proinde libellum mitto , tuo dicatum nomini, literariæ societatis olim inter nos initæ monumentum, quam ego perpetuam esse vehementer cupio, nec tantum permittemus malis linguis, ut nostram amicitiam Musa: rum auspiciis conciliatam dirimant, utcunque moliti sunt inter nos committere ; sed non te remorabor amplius, quo tibi vacet, audire, quid loquatur libellus.

Eppendorf so beruhigt er hinsichtlich der zwei erstern Punkte schien, war es minder in Betreff des dritten, und nahm die von Erasmus verbreitete und ihm selbst gleichsam ins Gesicht geworfene Behauptung: » er möge selbst wohl diese Armen seyn“, denen die 300 Dukaten zu gut konimen sollen, und suche das Volk gegen Erasmus aufzuhetzen,“ als neue Injurie auf. Endlich unterwarfen sich beide Theile einem schiedsrichterlichen Spruche, welchen die thatigen Freunde Bonifacius Amorbach, und Beat Rhenanus fällten, und welcher also lautete :

Quoniam ex consensu utriusque nobis jus fecistis dissidii inter vos amice componendi, visum est nobis,

» er

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ut D. Erasmus ad evitundum molestiam et alendam Christianam concordiam, præstet duos articulos , sicut scripto recepit. Pro tertio codem animo non gravabitur in subsidium pauperum dare florenos circiter XX. nostro arbitrio dispensandos. Et hæc facienda censemus citra notam alterutrius, tantum ut utrimque offensis, quere. lis ac suspicionibus abolitis, de integro certamen inter vos sit benevolentiæ cum oblivione præteritorum omnium, perinde quasi nihil esset aut dictum aut factum. D. Henr. Eppendorfius premat si quid scripsit, et utrique liberum relinquimus, an vicissim aliquo benevolentiæ symbolo, an potius mutuo animo contenti esse velint. Actuin Basilec postridie Purificationis Anno M. D. XXVIII.

Die Partheien gaben sich damit zufrieden; der Versöhnungskuss ward gereicht, und des folgenden Tages nahmen sie ein gemeinschaftliches Mahl ein. Als aber Eppendorf beim Aufstehen den Erasnius an die Absendung des Briefes an Herzog Georg erinnerte, bestund dieser darauf, blos an der Kanzler schreiben zu wollen; worüber Eppendorf erbittert wieder von dannen gieng. Erasmus besann sich, falste einen Brief an den Fürsten ab, und schickte ihn offen seiner bisherigen Widerpart zu, womit diese sich beruhigte. Inzwischen waren aber allerlei Berichte ausgestreut worden, dass Erasmus zu einem schimpflichen Vergleich gezwungen worden sey, und seinem Ansehen durch diese Art Widerruf bedeutend geschadet habe. Seine Gegner säumten vielleicht auch nicht, die Sache von der lächerlichsten und nachtheiligsten Seite zu schildern. Da schrieb Erasmus an Pirkheimer einen langen Brief „ Contra Rumores", gab darinn diesem seinem Freunde eine vollständige Uebersicht der Akten, und stellte Eppendorfen nicht nur als einen Windmacher, sondern selbst als Betriiger und Beutelschneider hin, und machte sich namentlich über sein Ritterprädikat lustig, dass er als eine blosse Usur

pation Eppendorfs erklärte. Dieser schien von den Aeusserungen des Erasmus, und der nichts weniger als freundschaftlichen Gesinnung gegen ihn, abermal in Kenntniss gesetzt, und aufs neue entristet worden zu seyn: Aufhetzungen von Leuten, welche den Alten gerne in 'Aligst gesetzt sahen, trugen ebenfalls das Möglichste zu Wideranschürung der Flamme bei. Erasmus, neue Angriffe voraussehend, kam daher durch eine heftige Schrift, die unter dem Titel: » Adversus mendacium et obtrectationem utilis admonitio“ zu Basel erschien, seinem Gegner zuvor. Aber auch Eppendorf blieb die Antwort nicht schuldig, und liess eine Gegenschrift: Querela ad D. Erasmi Rot. libellum, cui titulus etc. zu Hagenau im Jahr 1531 drucken. Beide warfen sich die zweideutigsten Dinge vor; das Publikum war getheilt; doch bei dem Herzog Georg drang das gewichtigere Wort des Erasmus durch, und weder bei ihm noch beim Kanzler Simon Pistorius, sondern nur bei Julius Pflug ward Eppendorfen vergönnt, sich zu rechtfertigen.

Schwer möchte uns ein klarer Blick in diesen Pri. vatstreit, und ein unbefangenes Urtheil werden. Die Leidenschaft hatte den grössten Antheil daran. Wenn H. Eppendorf allerdings zu Intriken gegen Erasmus, aus Abneigung vor dessen politisch- religiösem Schaukelsystem, vielleicht auch um Huttens willen, sich verleiten liefs, die selbst ein Freund von ihm nicht billigen kann ; wenn es ferner Manchen zı anmassend scheinen musste, dass ein in der literarischen Welt noch nicht sehr bekannter junger Mann mit dem Heros der Wissenschaft in jener Zeit sich in die Schranken stellte, so scheint doch Erasmus bald zu stolz diese seine Legitimität gegeniiber gestellt, bald wieder mit Eppendorf zu vertraulich und als mit einem Ebenbiirtigen umgegangen zu seyn. Er hatte ihn mehr als einmal Freund

genannt, und der Umstand, dass auch Zasius, Rhenanus, und Amorbach sich näherer Verhältnisse mit ihm nicht geschämt; die ängstlichen Bemühungen Erasmus selbst, Eppendorf zu beruhigen (bis auf den Punkt des Geldes) scheinen weigstens soviel zu verbürgen, dass dieser in die Reihe ausgezeichneterer Männer in jener Gegend gerechnet wurde.

Seinen Adel suchte er in der Querela zu beweisen, und giebt dabei von seinen frühern Verhältnissen einige Winke. Er scheint nach der Geschichte mit Erasmus meist in Strasburg als Privatgelehrter sich aufgehalten, und mit schriftstellerischen Arbeiten, namentlich Uebersetzungen seinen Lebensunterhalt gewonnen zu haben, Jöcher giebt folgendes Verzeichniss davon:

J. B. Egnatius Beschreibung der röm. Kaiser ;G. Capellas Geschichten von Italien; - Lanceolius Eroberung der Stadt Rom; - Plinius Natur-Geschichte V. XII. B.-A. Crantz dän. - schwed. Geschichte, F. F. Sabinus Operat. Cäsars. - B. Aretins Kreuzzug unter Heinrich IV. - Leonh. v. Mytilene's Belagerung und Eroberung von Konstantinopel. - Bekürtzung röm. Historien bis auf die Kaiser; türk. Ankunft, Krieg und Handlung. (Ausziige aus verschiedenen Schriften).

Vergl. über ihn die Abhandlung : Chr. Saxe de Henr. Eppendorpio Commentarius.

11) Pabst Adrian VI. ward zu Utrecht im Jahr 1459 geboren, daher er vor seiner Erhebung auf den päpstlichen Thron gewöhnlich nur „ Adrian von Utrecht“ hiess. Seine Eltern fanden sich ausser Stande, etwas für seine Bildung zu thun, so sehr sie seine glücklichen Geistesanlagen wahrnahmen und zu entwickeln wünschten. Die Universität zu Löwen befreite sie aus dieser Verlegenheit, und der Jüngling erhielt

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