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chein heilige Formeldienst, die steife Weisheit der Schulen von Leipzig und Kóln, der privilegirte Důnkel auf lange Titel und eine mächtige Genossenschaft

, die wüste anmuthlose Liederlichkeit, der bose Mißbrauch des Großen und Heiligen. Seine Berfasser denn es scheint deren mehre gehabt zu haben sind unbekannt geblieben; wahrscheinlich waren es uirich von Nutren und seine Freunde, wie sie damals auf Franz von Sidingen's Burgen am Rheine beisammen saßen. Doch was sie vielleicht zu Gutem mein: ten, oder wenigstens nur als das kleinere Uebel betrachtet haben mochten, hat sich bleibend zu Schlechterem verkehrt. Statt einer Reformation in Haupt und Gliedern hat sich eine Trennung der Glieder vom Haupte eingeschlichen; mit dem Mißbrauche wars auch der alte gute Brauch aus dem Hause geworfen, und wenn diese im Grunde des Herzens biederen, wohlmeinenden, deutschen Manner wieder aufwachen könnten aus ihren Gråbern, an dem Bodensee, der Lahn, der Sieg und dem Neckar, und wenn fie herein schauten in unser martherziges, weichmåuliges Leben voller Unmuth und Zerwürfniß, ohne Weihnachtkuchen und Osterfladen, ohne Ernst und sonder Scherz, und leer und ledig jedes Gedan: kens, der da recht eingriffe in die Herzen des Volks, und das ge: meine Treiben zu höherera Zwecke ordnete und lenkte: ich glaube fast, sie würden sich entschließen, ihre einstige Ansicht aufzugeben und ganz andere neue Episteln zu schreiben, ebenso grob und derb und scharf und wahr, wie die alten, aber gegen Andere und Mehre gerichtet, als gegen die fie einst gestritten, und meist gegen solche, die man heut zu Tage unter dem Genus der virorum obscurorum aus übel verstandener Humanitåt gar nicht mehr zu begreifen wagt. Unser Eins maßt fich nun ' keineswegs an, durch Herausgabe des folgenden Briefwechsels die Stelle jenet Månner auch nur einiger Maßen zu vertreten; allein er vermochte es nicht über fich, dem geehrten deutschen Publico, dessen Leselufi noch immer großer ist, als die Schreiberuth seiner Autoren wie schon das beweil's, daß auch die schlechten Bücher ein- und mehrmal gelesen und aufgelegt werden, diese wichtigen Acten: stůđe noch långer vorzuenthalten, und er gab ihnen daber in der Eile den Titel, welchen die Zeit für derlei Dinge bereits bleibend festgestellt hat.

Was insbesondere den ersten Brief betrifft, so bitte ich, nicht wegen des einen oder andern Umstandes an seiner Authentie zu zweifeln, und fich lieber an das Beispiel jenes Schalkes zu erin: nern, der lachend feinem Freunde erzählte, es habe ihn Jemand geprügelt

, aber — ,,der hat sich angeschmiert!' Er hat geglaubt, ich sei ein Anderer!" - Eine Weise des Betruges, welche Leute wie der Briefsteller alles Fleißes der katholischen Kirche zuschrei: ben möchten, oder wenigstens zuschreiben zu können wünsden.

1. M. Schwalblein an Ritter und Professor Krug in Leipzig, oder klarer Beweis, daß alle möglichen Revolutionen von der katholischen Geistlich

keit angestiftet werden. Werther Herr und Professor! Vielleicht erinnern Sich Em. Wohlgeboren noch eines jungan hagern Menschen, der vor einigen Jahren jeden Vormittag Schlag zehn Uhr im ersten Hofe des Paulinums stand und harrte. Er fab blaß und årmlich aus ; fein Frad war schmal und dünn und an den Aermeln etwas zu kurz, der Hut abgegriffen, das Kleid der Beine schlecht, und selbst die Fußbedeckung entsprach nicht immer dem Bedürfnisse nordischer Natur, wo es falte spiße Steine gibt und feuchten zihen Koth; aber er stand dort im Hofe, ernft und in fich gekehrt, wie in tiefen finnigen Gedanken, und sah bald rechts und fah bald links; es schien, als schwankte er in seiner innersten Gesinnung, und oftmals, wenn man ihn sohnsüchtig hinaufblicken sah zu den Fenstern der Seitengebäude, glaubte man an den zuckenden Muskeln errathen zu können: der Jüngling sei unentschieden, ob er Krug hören folie oder Pólik, Ditaologie oder natürliche Politik; ob er das Leben durch die Wissenschaft oder die Wissenschaft durch das Leben erziehen und hofmeistern lernen folle von den entsprechenden Meistern des Fachs. So fann der Arme manchmal, bis die Stunde verronnen war, und er beschämt und unwillig über sich selbst nach Hause kehren mußte in sein Quartier in Auerbach's Hof, dritte Stiege unter dem Dach. Er stand zwischen den zwei würdigen Professoren wie Herkules auf dem Scheidewege zwischen den zwei Góttinnen, oder, um ein anderes, passenderes Bild zu gebrauchen, da es wes der Wolluft war, den einen Professor zu hören, noch I u: gend, auf den andern zu verzichten: er stand - wie das Thier des Buridan — zwischen zwei Bündeln Heu. — Aber dieser Júng: ling hochgeehrtester Here Professor war ich!

Nicht ungenußt find mir jene herrlichen Tage an der Pleiße verstrichen. Ich bin eingeweiht worden in die Verhältnisse des deutschen Buchhandels, und weiß, welche Ideen gehen und welche nicht und welche remittirt werden als Krebse zur nächsten Messe; ich erschaure das Leben des Privatgelehrten, der auf bescheidenem Standpunkte den Karren der Cultur weiter schiebt, des öffent: lichen Professors, der durch Lehrbücher und Systeme die Menschheit hebt, des reichen Kaufmannes, der die materiellen Bånder des Erdkreises fester knüpft, und, was mehr ist, ich lernte deutsches constitutionnelles Bürgerthum kennen zur Genüge, wurde groß gezogen an dem Marke der neuesten Weltentwickelung, lechte die Zeit würdigen vom Standpunkte gemäßigter, eingezogener fibe: ralitat, und lernte verachten, was dem Mittelmaße kosmopoliti

fcher Nuß- und Brauchbarkeit sich zu unterwerfen scheut. Wenn ich an die Stunden denke, wo Sie uns zeigten, daß an der Mystik und der Welt der Visionen, dem thierischen Magnetis: mus, der Philosophie Hegel's, der intellectuellen Anschauung Schelling's, der Psychologie Herbart's und der katholischen Kirche nichts sei, und daß hinter der transcendentalen Synthese von Sein und Erkennen durchaus nichts weiter stede, oder wenigstens nichts aufzufinden sei: wie wird mir da wohl und leicht ums Herz! Ich fühle mich wieder groß und stark, und denke: klein ist die Runt und lang das Leben, oder was sonst der bekannte Did ter hierübe fagt. — Uber eben der Katholizismus ist es, geehrtester Herr Professor und Ritter, über den ich es wage, Sie mit diesem Briefe zu belåstigen. Soll es denn wahr sein, was die Zeitungen Det: kunden, ich glaube es nicht, ich kann es nicht glauben! daß Ew. Wohlgeboren den Ertrag Ihrer lebten Brochure zu einem Stipendium für einen Studirenden an der in Leipzig zu errich: tenden katholisch-theologischen Facultat bestimmten? Theuerfiet Herr Professor! ich beschwöre Sie bei allen hohen und heiligen Gedanken Shres Lebens, lassen Sie fahren diesen Plan, den poetisch zu reden - irgend ein bóser Geist Ihnen eingegeben haben muß, oder der, um mich richtiger auszudrůden und wahrer, nur durch die unrichtige Anwendung einiger griechischen Verstandes: Kategorieen auf dieses oder jenes deutsche Ding-an-sich entstana den sein kann. Ich weiß wohl, was einem Manne wie Jhnen hier vorgeschwebt haben kann: die Nothwendigkeit, dstreichild-ab: solutistischen Einfluß von der Tempel-Dienerschaft eines constitus tionnellen Staates abzuhalten, die nach dem alten Mercantil-System bemessene national-okonomische Räthlichkeit, das Geld für Kolt, Kleidung, Unterricht der katholischen Theologen u. dgl. nicht aus dem Lande zu lassen, und endlich die Hoffnung, auf diese Weise für einstige Uusgleichung dieser religiós sein sollenden Differen: zen, oder vielmehr auf Aufhebung der Rómlings-Herrschaft und des Dogmen-Wahnsinns hinzuwirken, einem theuren Freunde, viel: leicht dem edlen und reinen Alerander Müller, der leider bis ißt zu nichts gekommen ist, als einem mittellosen Titel, eis nen anståndigen Posten zu verschaffen; allein – glauben Er. Wohlgeboren nur mir, der ich in Süddeutschland lebe und den Katholizismus aus der nåchsten Nibe kennen gelernt habe, zwischen den Söhnen Gottes und den Söhnen Belial's (Sie verzeihen, daß ich mich in der Inbrunst der Seele eines biblischen Aus drucks bediene, er ist durchaus nur poetisch genommen) kann keine Gemeinschaft Statt finden! Es geht nicht, es soll nicht gehen ! , wenn Sie wußten, was ich weiß, Sie wurden keinen Katholiken, am allerwenigsten einen Geistlichen, auf 24 Stunden in Ihrer Nabe dulden.

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Ich muß Ihnen Dinge von gewissen geheimen Planen er: zählen, die Sie schaudern machen werden ; doch die heiligste Pflicht der Wahrheit und Dankbarkeit fordert mich dazu auf. Ich werde schreiben, wie es einem offenen, freien Manne ziemt; moge da fommen, was da will, ich troße dem Geschick! Von meiner Schulmeisterstelle haben sie mich ohnehin schon abgelegt, unter dem Tchnoden Vorwande, ich predigte den Kindern baren Indifferentism und ließe beim Gebet den Glauben und das Vnter-Unser weg; was können sie mir noch thun? – Den Dolch des Banditen scheue ich nicht; auch trage ich seit der Zeit, daß ich hinter jene gleich zu erörternden Anschlåge gekommen, immer gesteppte wollene Unterkleider und gehe nur bei hellem Mittage aus; zu leben habe ich, denn meine alte Mutter unterstüßt mich mit dem Ertrage ihres Gewerbes, und dann wenn Ew. Wohlgeboren anders von der Triftigkeit meiner Gründe überzeugt sein werden, so bitte ich, auch den Schluß meines Briefes zu berücksichtigen, und – ich werde gerettet sein! - Es gibt Lagen, in denen man erkennt, was ein Mensch dem andern ist und welche erhabene, ja, göttliche Jugend unter diesem Inbegriffe von Anschauungsformen und innern Möglichkeitsgründen verbor: gen liegt, so man Mensch nennt !

Wir wissen alle, was unsere Zeit wünscht und verlangt, worin Fürsten und Völker fich friedlich und einträchtig vereinen. Ein bürgerliches Konigthum, das Doctoren, Magister und Rauf: leute als die einzigen Stůken des Thrones betrachtet, die Gewissen frei gibt und die Spinnmaschinen und Pressen, Åles gleich macht, wenig Geld kostet, und nebenbei edel und großartig ist, die Würde der Nation nach außen behauptet, im Innern voll erlaubter staatsgeseglicher Tugend ist, einen König hat, der nicht regiert, ein Ministerium, das regiert wird, und eine Deputirtenkammer, die sich nicht regieren låßt, und dabei Alles måßig, ruhig, ohne so genannten Enthusiasmus, der durch kein Gefeß vorge: sehen ist, treu dem Systeme der Reformen, ohne Gewaltthå: tigkeit und Widerstand, sanft, wie die Wurzel des Steinbrech, das sich ernst langsam in die Rigen schleicht und dann die Felsen sprengt. – Nur dieses will fie; aber erlangt sie es? hat se es an irgend einem Punkte erreicht? Und wo sie es erreicht hat, sind da die Menschen um einen Scrupel besser und glůd: licher, als einst? Nein, rufe ich, nein! - Und wer ist Schuld hieran? - Nur ein Thor kann sagen: sie selbst! ich aber rufe: die katholische Geistlichkeit! Diese ist des großen Unheils legs ter Grund.

Glauben Sie mir, Rom hat seine alten Träume von Welt: herrschaft noch nicht aufgegeben; im Gegentheile, es ist für dieselben jept thátiger, als je. Durch die ganze Erde sind seine Miffionåre verbreitet, und überat arbeiten sie hin auf Umstur; der Regierungen, Bedrůdung der Völker, Perfinsterung der Ge. måther, Untergang der Wahrheit, Verfälschung des Rechts. Ich will hier nicht von Portugal, Spanien, Frankreich, Irland und Belgien reden, wo die Sache so klar am Tage liegt. Denn haben wir nicht alle tausend mal gelesen – und liberale Blåt: ter lügen nie –, daß in Portugal 3. B. nur Priester: Trug und -Lúce die unheilvolle Verwi&elung der Dinge herbeigeführt, die Bürgerschaft gewonnen, den Adel entflammt, die ganze Nation für den entreplichen Don Miguel begeistert hat, so daß nur durch fremde Sóldner, durch Abenteurer, ja, ich möchte sagen - wenn es sich hier nicht um eine solche heilige Sache handelte —, durch das, was man beinahe den Auswurf aller Nationen nennen kann, der edle, von den Brasilianern fo mißkannte Don Pedro, dessen Heldenthaten Niemand besser zu schildern wußte, als er selbst, in das Reich seiner Våter wieder eingelegt wurde? Wer unterstůßt Don Carlos in Spanien gegen die Fortschrittz der Civilisation und die Würde des Thrones, dessen ursprungs liches Unrecht nunmehr durch das Urtheil der National Reprá: sentanten zum Rechte geworden ist? Der Glerus! Wer hat für den Fall feines Unterliegens schon jekt die efaltirte Par: tei, Mina an der Spise, in den Hinterhalt gestellt? – Aber: mals der Clerus ! Verlangt man für Lesteres Gründe? Man kann da keine geben, wo Alles im Verborgenen geschieht, und sind nicht etwa die von dem Pöbel in Madrid in gerechtem Zorne hingeopferten Jesuiten Beweise genug? – Die erste und zweite Revolution in Frankreich! – Hat nicht einer der Obern jener Rómlinge, ein gemisfer Bischof Fenelon, sie vor mehr als hundert Jahren vorhergefagt? Haben nicht ihre Kanzelrebner so oft von hereinbrechenden Strafgerichten Gottes gesprochen? Und was kann man leichter voraus verkünden, als – die eigene That! Sie wollten das Volk verderben, um in der allgemeinen Verzweiflung die Tróstungen der Religion theuer an Mann zu bringen. Marat, man weiß es ja, war ihnen verkauft, und mußte gegen die unbeeideten Geistlichen aufreizen, damit die Kirche neue Heilige und Märtyrer bekäme; die vermoderten in den Katakomben Roms waren nicht mehr wirksam genug. und erst Belgien! Håtte auch König Wilhelm gerechter regiert, Belgien einen gleichmäßigeren Theil an der Repräsentation des Staates im Ministerio und den Rammern gegónnt, niát die Schuldenlast Hollands auf dasselbe gemåtzt, nicht feine Sprache aus den Gerichtshofen verbannt, und Lehrer und Beamte ange: stellt, die dem Volke verhaßt sein mußten; håtte er auch nicht die Vorurtheile der Menge tausend und aber tausend Mal be: leidigt, die materiellen Interessen aufgeregt und verlegt und sein

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