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Auf vorstehenden Artikel erschien in demselben Blatte am 1. März folgende Entgegnung.

Bayern. (Aus. Der Oberpfalz.) Ein Artikel von der Pegniß in Nr. 54 des Korresp. v. u. f. D. enthält eine Beleuchtung der neuesten Schrift von Professor Görres: Athanafius. Wenn der Verfasser dieses Artikels den Katholiken den Vorwurf macht, daß es Grundsaß ihrer Kirche ser, die Protestanten für verdammte Geschöpfe zu halten, gleichwie die Protestanten ebenfalls derartige Säße hätten, so kann man denselben auf sich beruhen lassen, da er, von Seite der Katholiken so oft schon widerlegt, und von Seite der Protestanten immer wieder aufgefrischt, auch nach einer neuen Widerlegung dennoch wieder zum Vorschein kommen würde. Aber noch eine andere Behauptung ist in diesem Artikel enthalten, ein wahres Ungeheuer von Unwahrheit, eine Schmach, so groß und ernst, und in einem Journal, wie der Korresp. . u. f. 9., im Angesichte so vieler Nationen ausgesprochen, daß selbst die Gegner der katholischen Kirche es billig finden müssen, wenn der Verfasser fraglichen Artikels aufgefordert wird, entweder aus den kanonischen Gesegen, aus den Beschlüssen der Konzilien, oder wo immer aus fatholischen Vorschriften her, zu beweisen, daß die Kirche jemals gelehrt habe, daß man Keger verfols gen und verbrennen müsse. Wer ein so sehr verbreitetes Blatt, als gegenwärtiges Journal ist, zum Organe seiner Mittheilungen wählt, wer, als Bayer, gegenüber von beinahe 3 Millionen feiner katholischen Landsleute, ein so hartes Wort aussprechen will, muß wissen, was er schreibt, und im Stande seyn, darüber auch Rechenschaft geben zu können. *) Diese aber wird der Verfasser des Artikels von der Pegnitz nie geben können, eben so wenig,

als er seine Behauptung dürfte vertheidigen fönnen, daß die Loles | ranz in Bayern noch ein „zartes Kind sei. Der Hr. Verfasser

darf nicht über die Grenzen des ehemaligen Nürnberger Landes hinausgehen, und wir, der Schreiber dieses, wollen ihin sattsame Beweise liefern, daß dieses , zarte Kind“ in einigen Theilen des Frankenlandes und bei seinen Glaubensgenossen noch gar nicht ges boren sen. *) Der Artikel enthält noch mehrere Unrichtigkeiten, von denen wir nur

die einzige berühren wollen, daß gesagt wird, in Bayern ser fein einziger Minister Protestant. Der königl. Minister des Äußern und des fönigl. Hauses, Frhr. v. Giese, ift j. B. gleich Proteftant.

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Entgegnu n go Fast könnte man irre werden an unserem Jahrhundert, wenn man die Sensation wahrnimmt, welche' im katholischen Deutschland die Amtsenthebung eines intoleranten Erzbischofes erregt hat; faft fönnte man sich gezwungen sehen, die gute Meinung von unses rer Zeit dahinzugeben und in das betrübende Geständniß jener Vielen mit einzustimmen, welche flagen: „Wir sind wahrlich keinen Schritt weiter, als vor Jahrhunderten!“ Wil man jedoch diese Sensation in genauere Untersuchung ziehen, so wird man sie durch Ursachen hervorgebracht finden, welche beiweitem nicht die schlimmen Verwürfe auf unser Zeitalter häufen, die dasselbe auf den ersten Blick zu verdienen scheint.

Zuvörderst möchte die Preußische Regierung selbst an dieser Sensation einige Schuld tragen. Ich kenne die Gesinnungen der Kölner Bevölkerung nicht näher, ich weiß nicht, wie viel es da etwa Menschen gibt, deren religiöser Fanatismus und äußere Dürftigkeit auch mit geringen Geldmitteln zum Aufstand hätte ges bracht werden fönnen; ich muß der Regierung zutrauen, daß fie den Deutschen Charakter kennt, der es an fich tommen läßt, bis er zu Gewaltmitteln schreitet, ich muß von der bekannten Umsicht dieser Regierung erwarten, daß sie ohne triftige Gründe nicht in Waffenrüstung hervorgetreten wäre: gleichwohl aber hat sich in Köln gar nichts gezeigt, was eine Geneigtheit zum Aufstand ers fennen ließe, und man barf daher mit Grund annehmen, es wäre hinreichend gewesen, wenn die Regierung ihre Vorkehrungen für Ruhe und Ordnung im Stillen gehandhabt hätte.

Ein anderer Grund, welcher die Sensation über die Abfüha rung des Erzbischofs minder erheblich macht, beruht auf dem Umstand, daß in dem gebildeteren Theile der katholischen Welt eine eigentliche Gährung nirgends zu finden ist, höchstens nur in den Se: müthern einiger Römisch gesinnten Geistlichen, denen von jener großen Zahl ihrer Collegen selbst wieder das Gleichgewicht gehalten wird, welche nichts sehnlicher wünschen, als von der Römischen Finsterniß endlich erlöst zu werden. Was sich unter den sogenannten Laien an Gährungsstoff zeigt, beschränft fich auf jenes Mißbehagen, das jeder empfindet, der sich nicht über den Confessionsunterschied zu erheben weiß, wenn er hört, es habe sein Glaubensgenosse im Zusammentreffen mit einer andern Confession den Kürs zeren gezogen. Ein Solcher darf felbst in seinem Innern von der Rechtmäßigkeit des Verfahrens der Gegenpartei überzeugt seyn, er wird sich gleichwohl schmerzlich berührt fühlen. Wäre das Preußische Regentenhaus katholisch, so würden die Katholiken das Verfahren der Regierung nicht nur nicht gemißbilligt, sondern viels mehr gelobt haben; da die Gebildeten gar wohl erkennen, wie noths wendig es für ihr eigenes geistiges Wohlbefinden ist, der Römischen Hierarchie jeden Fußbreit Landes streitig zu machen. Nun aber, da fich der König von Preußen zur protestantischen Confesion bes kennt, berührt sie das Einschreiten der Regierung gegen einen hoch gestellten Geistlichen ihrer Kirche unangenehm; so tadelnswerth sie auch die Ansichten und das Benehmen dieses Mannes finden. Ich weiß nicht, in wie weit es unter den obwaltenden Verhältnissen gen fährlich gewesen wäre, den Erzbischof in Köln selbst wohnhaft zu lassen; so viel jedoch ist gewiß, daß seine gewaltsame Abführung nach einem andern Aufenthalsort zu dem Mißbehagen unter den Katholiken Viel beigetragen hat.

Zulegt nun noch ist es gerade fein Beweiß, daß die Leute eine Sache für höchst wichtig und in ihr eigenes Interesse tief verflochten halten, wenn sie viel darüber sprechen. Sie wollen über Etwas zu sprechen haben und begnügen sich mit einem Gegenstand aus Nothwendigkeit so lange, bis ihnen ein anderer neuen Stoff zur Besprechung darbietet. Nur in diesen leßten Jahren, wo, außer der hannoverischen Angelegenheit, in Deutschland nichts Erhebliches sich ereignete, fonnte dieser morsche Römische Stuhl, der fast ganz in Vergessenheit gekommen war, wieder einige Monate hindurch die Aufmerksamkeit der Deutschen auf sich lenken.

Idy fann also unserer Zeit den Vorwurf nicht machen, der ihr, auf Veranlassung der Kölner Sache, von vielen Seiten her schon zu Theil wurde: Daß fie nämlich den hohen Standpunkt durchs aus nicht einnehme, auf welchem man sie gewöhnlich darstellt, daß die vielgerühmte Bildung vielmehr nur obenanschwimme, im Grunde aber unvertilgbar der Obscurantismus des Mittelalters rige. Ich muß im Gegentheil bekennen, daß unsere Zeit ernstlich ringt, über jene mittelalterliche Finsterniß vollends Herr zu werden, und das wir mit Grund annehmen dürfen, es habe eine neue Aera für die Geschichte des menschlichen Geistes begonnen.

Weil ich nun aber von diesem rühmlichen Standpunkt unses res Jahrhunderts fest überzeugt bin, so möchte es Mandem viels leicht sonderbar bedürfen, wie ich auf den Gedanken formen konnte, diese mittelalterliche, fast in Vergessenheit gekommene Finsterniß wieder heraufzubeschwören und eine gewisse Richtung derselben nach ihren häßlichsten Ausgeburten dem Leser entweder neu vor die Seele zu führen oder sie ihm wenigstens wieder in Ers innerung zu bringen; ja es könnte ein solches Verfahren den Ana schein geben, als führe ich die Duldung blos auf der Zunge, suche aber durch ein Hinstellen empörender Thatsachen die Ges müther der Protestanten vielmehr aufzuregen. Von dieser Bes schuldigung wird mich, wie ich hoffe, die Darstellung selbst freispres chen. Was mich aber zur Verabfassung und Veröffentlichung dies fer Blätter bewog, find folgende zwei Punkte.

Ich bin öffentlich und unter starken Ausbrücken in dem vor: gedruckten Articel aus der Oberpfalz aufgefordert worden, meine Behauptung, daß die katholische Kirche die Reger verdamme und zu verfolgen gebiete, mit Beweisen zu erhärten. Ich habe ,, ein Ungeheuer von Unwahrheit,“ „eine Schmach groß und ernst, '' sagt mein Gegner, „vor vielen Nationen ausgesprochen. Ja er hat sich wahrscheinlich noch stärferer Ausdrücke bedient; denn als id mich bei der Redaktion des Korrespondenten beschwerte, daß man mir aus nieinem Aufsaß einige Stellen gestrichen habe, sagte man mir, es wäre auch bei dieser Entgegnung aus der Oberpfalz Mehreres, was zu hart gewesen sen, weggelaffen worden. Mich hat diese aufwallende Entrüftung meines Gegners so wenig unans genehm berührt, daß ich mich vielmehr von Herzen daran erfreute; denn sie zeigte mir einen ehrenwerthen Mann, deffen Gemüth fich mit derartigen Lehren seiner Kirche nimmermehr vereinigen fann. Aber die verlangte Antwort durfte ich ihm nicht schuldig bleiben: er erhält also die verlangten Belege hiermit.

Der zweite Punkt, welcher mich zur Herausgabe dieser Blätter veranlaßte, ist weit wichtiger. Die Kölner Angelegenheit hat den Beweis gegeben, daß die Römische Hierarchie auch in unserem Jahrhundert noch ernstliche Versuche wagt, zur alten Herrschaft zu gelangen. Rom bleibt ewig das alte Rom. Nie hat der Römische Stuhl auch nur ein gota von seinen angemaßten Rechten freiwillig abgegeben; zu jeder Bewilligung verstand er sich nur

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nothgedrungen und verclausulirte dabei jedesmal sein altes, unvergängliches Recht, um es, sobald die Zeitumstände günstig sind, im vollen Umfang wieder geltend zu machen. Dort hat fein Strahl der Aufklärung je einen empfänglichen Boden gefunden; feit einem Jahrtausend steht er da, dieser verwitterte Stuhl, alles Wahre und Große abwehrend, falls er es nicht für seine Herrschsucht benüşen konnte, und wil lieber unbrauchbar und altersschwach auf die Seite gestellt feyn, als fich nur im geringsten den Anforderungen einer neuen Zeit bequemen. Aut Caesar, aut nihil ist sein alter Römischer Wahlspruch, bei dem er zwar nicht durch Gewalt fallen sou, wie jener ehrgeizige Römer, aber langsam aushauchen wird, ein Schatten von dem, was er einst war und wieder zu werden gedachte.

Die Bildung der Zeit fah ihn ruhig, ja fast mitleidig dahinfiechen - es ist eine schöne Eigenthümlichkeit des menschlichen Ges müthes, der gefallenen Größe, felbst wenn sie nachtheilig wirkte und auf Unrecht gegründet war, eine mitleidige Beachtung zu schenken - die verwundenden Zungen verstummten, die Angriffe hörten auf; denn des Gegners Waffen waren von langem Gebrauche abgenußt, Bannstrahl und Interdict -- fie wirkten nicht mehr; felbst die alte, treue Garde der Spanier mit ihren flammenden Wachtfeuern der Inquisition hatte ihren grauen Führer verlassen! Aber siehe da! er rafft sich wieder empor, er will keinen Frieden halten mit den Keßern, der Kampf soll von Neuem beginnen; und da ist es wahrlich an der Zeit, auf die Drangsale aufmerksam zu machen, welche Katholiken und Protestanten, Hohen und Niederen von seiner unumschränkten Herrschaft drohen.

Die Fragen, welche mein Gegner aus der Oberpfalz anllegt und die demnach hier besprochen werden sollen, sind folgende: 1. Erklärt die katholische Kirche die Reger, zu welchen die Pro

testanten unbezweifelt gehören, für verdammte Geschöpfe ? 2. Hat diese Kirche gelehrt und geboten, die Reger zu verfolgen

und zu verbrennen? 3. Ist die Behauptung zu beweisen, daß die Toleranz in Bayern

noch ein zartes Kind fey? 4. Kann den Protestanten mit Grund Unduldsamkeit Andersa

denkender zum Vorwurf gemacht werden?

Bevor ich jedoch zur Beantwortung dieser Fragen selbst übergehe, wird es nöihig seyn, daß ich mich mit meinem Gegner über

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