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II.
Hat die katholische Kirche gelehrt, die Reßer zu verfolgen

und zu verbrennen?

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Man möchte mich billig, nachdem man den vorhergehenden Ab: schnitt gelesen hat, der Beweise für diese zweite Behauptung ent: heben; denn es liegt am Tage, daß eine Kirche, welche Andersdenkende für ein Eigenthum des Teufels erklärt, auch den Saß aufstellen werde, man dürfe solche verdammte Geschöpfe unter den Gläubigen nicht dulden, sondern müsse sie nach allen Kräften auszurotten suchen.

Die katholische Kirche hat ihre Willensmeinung, daß man die Keğer verfolgen und, wo möglich, vertilgen müsse, auf zweierlei Art ausgesprochen. Sie hat dies einmal durch deutliche und bestimmte Beschlüsse der Päbfte und Concilien erklärt; sodann aber hat sie selbst diese Verfolgungen geübt, begün: ftigt, dazu angetrieben. So schauderhaft auch die Gräuel nicht selten waren, welche man gegen die Keğer verübte, so weiß man doch nicht, daß die Kirche je sich dagegen erklärt, denselben Einhalt gethan hätte, was doch durch eine einzige päbstliche Bulle, durch einen einzigen Concilienbeschluß hätte geschehen können. Im Gegentheile, je größer das Morden war, desto lauter feierte fie ihren Triumph - ein hartes Wort; aber die Geschichte belegt es.

Ich will also hier, zum Beweise meiner Behauptung, jeneu beiden oben bezeichneten Wegen folgen, nämlich zuerst der vornehmlichsten Bullen und Concilienbeschlüsse Erwähnung thun, welche auf Verfolgung der Keßer dringen, sodann aber einen Streifzug durch die Geschichte unternehmen, um meine Behauptung weiter durch Chatsachen zu erhärten.

Schon der heilige Augustin (7 430) ging mit dem bösen Beispiele voran, dem Statthalter von Ägypten zum Verbrennen Solcher zu rathen, die in ihren Meinungen von dem Kirchenglauben abwichen; „, denn;“ meinte er, „es ser besser, daß Einer zum absdyredenden Beispiel brenne, als daß eine große Anzahl, von den Jrrthümern angestedt, dem höllischen Feuer anheimfalle.Die Kirche hat diesen Grundsaß von jeher in Ausübung gebracht; feststehend und systematisch wurde er jedoch erst seit den zwölften Jahrhundert. Um diese Zeit nämlich bildete fich in Frankreich

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eine zahlreiche Secte, welche gegen die Sittenlosigkeit der Geistlichkeit eiferte und den Namen der Katharer führte, d. h. der Reinen, woraus die Deutschen das Wort Keßer gemacht haben. Diese Leute fanden nicht nur im südlichen Frankreich, sondern auch in Oberitalien und besonders in der Gegend von Trier und Köln viele Anhänger; weßhalb man sich veranlaßt sah, Gewaltmaßregeln gegen sie zu ergreifen.

So beschloß denn das Concilium Tolosanum (1119), daß man sie und ihre Vertheidiger aus der Kirche verstoße, und die weltliche Macht gegen sie einschreite; ebenso die zweite Lateranische Synode (1139) und das Concilium Remense (1148): daß Nies mand sie aufnehme, daß Niemand von ihnen kaufe, ihnen verkaufe, oder irgend einen Verkehr mit ihnen habe 19); und auf dem dritten Concilium im Lateran (1179) verordnete Pabst Alerander III., daß sie und Ade, welche sie begünstigen, in ihr Haus oder Gebiet aufnehmen, verflucht seyn sollten. Das Concilium befahl den christlichen Fürsten, gegen diese Abtrünnigen die Waffen zu ergreifen, ihnen ihre Habe und Besişthümer wegzunehmen und sie zu Sclaven zu machen 20).

Neben den Katharern war im Jahre 1170 im südlichen Frankreich die Partei der Waldenser entstanden, welche ebenfalls gegen die Sittenlosigkeit der Geistlichen predigte und das apostolische Christenthum in seiner Einfachheit und Innigkeit wieder her: zustellen suchte. Auch gegen diese sprach Pabst Lucius III. auf einem Concil zu Verona (1184) den Bann aus und erließ ein Decret, kraft dessen sich alle Grafen, Freiherrn, Richter und Bürgermeister, bei Strafe der Ercommunication und des Verlustes ihrer Würden, durch einen Eid verbindlich machen mußten, die Reger zu verfolgen 21).

Allein diese Verfolgungen wirften so wenig zur Unterdrückung der Keßer, daß sich ihre Zahl vielmehr täglich vergrößerte und im südlichen Frankreich sogar die herrschende Partei ausmachte. Pabst Innocenz II. beschloß daher, so bald er den Römischen Stuhl in Besitz genommen hatte (1198), die ernstlichsten Maßregeln zur Vertilgung der Reßerei in Ausübung zu bringen *). Er schickte

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*) Derselbe Pabst hatte den König Johann von England durch

Bann und Interdict dahin gebracht, daß der König ein Land

Legaten mit unbeschränkten Vollmachten nach Frankreich und ließ durch den Abt Arnold von Citea ur einen Kreuzzug gegen die Keßer predigen. Die Mönche selbst, unter Anführung ihres wüthenden Abtes, nahmen thätigen Antheil an dem Kampfe. Auf dem merkwürdigen vierten Concilium im Lateran (1215) gründete dieser Pabst ein bleibendes Keßergericht, die Inquisition. wurde auf diesem Concilium, (das zu den allgemeinen gezählt wird und von allen Katholiken für bindend anerkannt werden soll), zunächst der Beschluß gefaßt, daß die von dem Kreuzheere dem

kegerischen Grafen Raimund von Toulouse abgenommenen Landesa theile, welche das Concilium von Montpellier (1215) dem Grafen

Simon von Montfort zugesprochen hatte, diesem leşteren als Eigenthum verbleiben sollten. Sodann aber wurde, in Betreff der Keßer, folgendes Verfahren als kirchliches Geseß. festgestellt.

1.) Jede Keşersecte ist ercommunicirt und verdammt.
2.) Die Güter der Verdammten sollen confiscirt werden.

3.) Die der Keßerei Verdächtigen, aber nicht überwiesenen, sind mit dem Fluche belegt und jeder Katholif hat ihren Umgang zu meiden.

Können oder wollen sie nicht binnen Jahresfrist sich vom Verdachte vollständig reinigen, so gelten sie für Keßer.

für ein Lehen des Pabstes erklärten auch wirklich den Lehendeid schwor und sich verpflichtete, jährlich tausend Mark Silber als Abgabe seinem päbstlichen Lebensherrn zu entrichten. Die Bulle Rex Regum, welche der Pabst nụn an seinen neuen Lebensmann richtete, beginnt folgendermassen:

,,Der König der Könige und Herr der Herrscher, Jesus Christus, Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchifeded), hat so die königliche Würde' ạnd das Priesterthum in der Kirche gegründet, daß die königliche Würde priesterlich und das Priesters thum königlich ist, wie Petrus in seinem Briefe und Moses in dem Gefeße bezeugen; indem er einen Alten vorseßte, den er zu seinem Statthalter auf Erden anordnete, damit, so wie ihm alle Kniee im Himmel, auf Erden und unter der Erde sich beugen, auch Senem alle gehorchen und gewärtig reyen, und ein Schaafstall und ein Hirte sey. Diesen ehren daber die weitlichen Könige um Gottes Willen dergestalt, daß sie sich gar nicht für rechte Regenten anseben, wenn es ihnen an de müthiger unterwerfung gegen ibn gebricht.“

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4.) Die weltlichen Machthaber müssen öffentlich einen Eid schwören, daß fie fich bemühen wollen, die Keßer aus dem Bereich ihres Gebietes zu vertreiben. Wil ein weltlicher Herr, der von der Kirche dazu aufgefordert worden ist, seine Gebietstheile von den abscheulichen Keßern nicht reinigen, so ist er zu ercommuniciren. Hat er binnen Jahresfrist dem Befehle der Kirche noch nicht Folge geleistet, so muß dies dem Pabst berichtet werden. Dieser entbindet sodann die Vafallen desselben von ihrem Eide, gibt das Land der Eroberung fatholischer Fürsten Preis und spricht es ohne Widerrede Demjenigen zu, welcher es in Besig genommen und die Keger vertrieben hat.

- 5.) Diejenigen, welche gegen die Keßer die Waffen ergreifen, genießen dieselben Vorrechte, wie Solche, welche das Schwert gegen die Saracenen für den Schuß des gelobten Landes ziehen.

6.) Diejenigen, welche den Kekern Glauben schenken oder Tie begünstigen, sollen ercommunicirt werden. Rechtfertigen fie sich nicht innerhalb eines Jahres, so sollen fie infam seyn. Man fou sie zu feinem öffentlichen Amt wählen fönnen, fie rollen unfähig fenn, irgend ein Zeugniß abzulegen oder eine Erbschaft anzutreten; Niemand braucht ihnen in Betreff irgend eines Geschäftes Antwort zu ertheilen, fie selbst aber sollen gezwungen seyn, Jedem zu antworten. Wer solche Menschen nicht meidet, nachdem sie von der Kirche bezeichnet worden sind, soll ebenfalls ercommunicirt werden 22).

Es wurde von diesem Concilium ferner das Decret des Pabstes lucius III. vom Jahre 1184 als Kirchengeseß aufgestellt, fach welchem jeder Erzbisdof oder Bischof gehalten war, jährlich zweimal oder wenigstens einmal in Person oder durch geeignete Stell: vertreter den Theil seines Sprengels zu besuchen, wo sich Keßer aufhalten sollten. Dort hätten die Leute in der ganzen Umgegend durch einen Eid fich zu verpflichten, dem Bischof jeden Keter anzugeben. Die bezeichneten Keßer habe der Bischof vor seinen Richterstuhl zu laden, und wer von ihnen sich nicht durch einen Eid reinigen wollte, der sey als Reßer zu betrachten 23).

Diese Einrichtungen wurden durch das Concilium zu Tou: louse (1229) noch weiter vervollständigt; insbesondere wurde von dieser Kirchenversammlung bestimmt, daß an jedem Orte ein stehen: des Inquisitionscollegium aus einem Geistlichen und drei Laien

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errichtet werben sollte. Leştere Bestimmung wurde jedoch idon im Jahre 1232 durch Gregor IX. wieder abgeändert, der von nun an die Dominicaner zu beständigen päbstlichen Inquisitos ren einsekte. Seitdem trieb dieser Orden sein abscheuliches Ge schäft, wodurch er sich in der Geschichte für ewige Zeiten gebrandmarkt hat. Damit es den Anschein habe, als besudele die Kirche sich nicht selbst mit Blut, so mußte die weltliche Macht die verurtheilten Keßer zur Hinrichtung übernehmen; an alle Landesherren ergingen die strengsten Befehle, die Keßerrichter mit der gans zen weltlichen Macht in ihren Bemühungen zu unterstüßen. In Frankreich gab König Ludwig IX. die betreffenden Verordnungen in der Ordonnance „Cupientes" (1229); in Deutschland erließ Kaiser Friedrich II. (1234) in seinen vier Constitutionen die strengsten Gefeße zur Unterdrückung der Regerei, von denen der Pabst gestand, fie seyen so vortrefflich, daß er selbst keine bes: seren zu geben wüßtę.

Damit kein Keşer entschlüpfe, war den Inquisitoren ein Vers fahren vorgezeichnet, das nothwendig auch viele Unschuldige vor ihren Richterstuhl brachte und der Rachsucht Einzelner ein unges heueres Feld darbot. Dahin gehört:

1.) daß den Angeklagten nicht einmal ihre Anllager und die Zeugen genannt wurden, welche sie vor das schreckliche Gericht gebracht hatten.

Das Concilium Narbonense (1235) warnt: „Hütet euch, gemäß dem Willen des apostolischen Stuhles, daß ihr nicht etwa durch Worte oder irgend eine Bezeichnung die Namen der Zeugen bekannt machet!“ Denselben Befehl wiederholen mehrere Päbste, Ž. B. Innocenz IV. in der Bulle Cum Negotium (1254): „Wir wollen, daß sowohl die Namen Solcher, welche Keßer anklagen, als auch Derjenigen, die darüber Zeugniß geben, nimmers mehr genannt werden, wegen des Ärgernisses und der Gefahr, welche aus einer solchen Bekanntmachung erwachsen könnte 24).

2.) Die Angeklagten wurden auf das Grausamste gefoltert, damit man zu einem Geständniß gelangte. Natürlich bes kannten sich. Viele für schuldig, um nur von den Qualen der Folter befreit zu werden. Mit dem eigenen Geständniß war man jedoch noch nicht zufrieden; die armen Gemarterten sollten aud) Undere angeben, die ihnen als Ketzer betannt wären. Vannten

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