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die bloße Vernunft (sola ratione) wird von Anselm schlechts hin vorausgeseßt. Seine beiden Hauptschriften in dieser Beziehung, das Monologium und Problogium, lassen über diese Vorausseßung nicht den geringsten Zweifel. Wir führen zuerst einige Stellen zum Beweise derselben an, werden alsdann zur Beantwortung der Frage übergehen, ob diese Voraussegung nach der Meinung des Anselmus eine nothwendige oder eine willkürliche ist.

Schon im ersten Kapitel des Monologium heißt es 2): „Wenn Jemand die Eine höchste Natur aller Dinge, welche sind, und die allein in ihrer ewigen Glückseligkeit sich felbst genug ist, und allen andern Dingen eben das, daß sie etwas sind, oder sie in einiger Weise gut sind, durd) ihre gebende und wirkende Güte und Aumacht, und mehreres Andere, welches wir von Gott oder seiner Natur mit Noths wendigkeit glauben, entweder weil er es nicht gehört hat, oder nicht glaubet, nicht fennt; so möge er erwågen, daß er sich von eben diesen Dingen größtentheils, wenn er nur einis germaßen mit Verstand begabt ist, zum Wenigsten sich selbst durch die bloße Vernunft überzeugen fónne. Da dieses in vielen Weisen geschehen kann, so will ich eine angeben, wels che meines Dafürhaltens für jenen die leichteste ist. Wies derum fragt er, Monologium Kap. 32 3): „Wie sollte die

2) Monolog. Cap. 1. Si quis unam naturam summam omnium

quae sunt, solam sibi in aeterna beatitudine sua sufficien-
tem: omnibusque rebus aliis hoc ipsum, quod aliquid sunt,
aut quod aliquo modo bene sunt, per omnipotentem boni-
tatem suam dantem et facientem aliaque perplura; quae
de Deo, sive de ejus natura necessario credimus, aut non
audiendo, aut non credendo ignorat : putat quia ea ipsa ex
magoa parte, si vel mediocris ingenii est, potest sibi saltem
sola ratione persuadere. Quod cum multis modis facere

possit; unum ponam, quem illi aestimo esse promptissimum. 3) Monol. Cap. 32: Quomodo vel cogitari potest quod summa

sapientia se aliquando non intelligat, cum mens rationalis
possit non solum suimet, sed illius summae sapientiae remi-

böchste Weisheit sich jemals denkbarer Weise nicht erkennen; da der menschliche Geist nicht allein seiner selbst, sondern auch jener höchsten Weisheit sich erinnern, und jene und sich erkennen fann? Denn wenn der menschliche Geist von jenem oder von sich keine Erinnerung oder Erkenntniß haben könnte, so würde er durchaus nicht sich von den unvernünftigen Ges schöpfen, und jenen von einem jeden Geschöpfe, bei sich allein im Stillen erwågend, wie jeßt mein Geist thut, unterscheis den. Auch in der Vorrede zu dem Proslogium wird die Erfennbarkeit Gottes durch die bloße Vernunft schlechthin vorausgeseßt. Anselm 4) erzählt, nachdem er auf die Bitten

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nisci, et illam et se intelligere ? Si enim mens humana
nullam ejus , aut sui habere memoriam aut intelligentiam
posset, nequaquam se ab irrationalibus creaturis et illam ab
omni creatura, secum sola tacite disputando, sicut nunc

meus mea facit, discerneret.
4) Postquam opusculum quoddam, velut exemplum meditandi

de ratione fidei, cogentibus me precibus quorundam fratrum, in persona alicujus tacite secum ratiocinando quae nesciaţ investigantis edidi : considerans illud esse multorum conca. tenatione contextum argumentorum, caepi mecum quaerere, si forte possit inveniri unum argumentum, quod nullo alio ad se probandum, quam se solo indigeret; et solum ad astruendum quia Deus vere est, et quia est summum bonum nullo alio indigens, et quo omnia indigent ut sint, et bene sint; et quaecunque credimus de divina substantia , sufficeret. Ad quod cum saepe studioseque cogitationem converterem, atque aliquando mihi videretur jam capi posse quod quaerebam, aliquando mentis aciem omnino fugeret: tandem desperans volui cessare, velut ab inquisitione rei, quam inveniri esset impossibile. Sed cum illam cogitationem, ne mentem meam frustra occupando, ab aliis , in quibus profi. cere possem, impediret, penitus a me vellem excludere : tunc magis ac magis, nolenti et defendenti se caepit cum importunitate quadam ingerere. Quadam igitur die cum vehementer ejus importunitati resistendo fatigarer in ipso cogitationum conflictu sic se obtulit, quod desperaveram , ut studiose cogitationem amplecterer, quam solicitus repellebam.

einiger Brüder das Monologium herausgegeben und erwogen: habe, daß dasselbe eine Kette vieler Beweise sei, so habe er sich die Frage gestellt, ob nicht ein einziger lediglich auf sich beruhender Beweis für das Dasein Gottes gefunden werden könne. Diese Frage habe ihn anfangs sehr oft und anges legentlich beschäftigt, und habe ihm die fósung derselben bald gelingen wollen, bald aber unmöglich geschienen; endlich habe er aus Verzweiflung die Frage, deren Beantwors tung ihm unmöglich vorgefommen sei, wollen fallen lassen. Diese Frage habe sich dennoch ihm immer beftiger und hefs tiger aufgedrungen, bis eines Tages, als er vom Widerstande gegen dieselbe sei ermüdet gewesen, inmitten des Streites der Gedanken die Lösung derselben sich dargeboten habe." Endlich, um noch eine derartige Stelle anzuführen, in der Schrift gegen den Gaunilo, Kap. 8, sagt Anselmus 5): ,,Weil nåmlich ein jedes geringere Gut, insofern einem gro:

5) Cont. Insipient. cap. 8. Quoniam namque omne minus bo

num in tantum est simile majori bono, in quantum bonum est; patet cuilibet rationali menti, quia de 'uninoribus bonis ad majora conscendendo, ex his, quibus aliquid cogitari potest majus, multum possumus coniicere illud, quo nihil potest majus cogitari. Quis enim verbi gratia, vel hoc cogitare non potest, etiam si non credat in re esse quod cogitat, scilicet, si bonum est aliquid, quod initium et finem habet; multo melius esse bonum, quod licet incipiat, non tamen desinit, et sicut illo melius est, ita isto esse melius illud, quod nec finem habet, nec initium , etiamsi semper de praeterito per praesens transeat ad futurum : et sive sit in re aliquid hujusmodi, sive non sit , valde tamen eo melius esse id , quod nullo modo indiget, vel cogitur mutari, vel moveri : an hoc cogitari non potest, aut aliquid hoc majus cogitari potest, aut non est hoc ex iis, quibus majus cogitari valet;, conjicere id, quo majus cogitari nequit? Et igitur unde possit conjici, quo majus cogitari nequeat. Sic itaque facile refelli potest insipiens, qui sacram auctoritatem non recipit; si negat, quo majus cogitari non valet, ex aliis rebus conjici posse.

Bern Gute ähnlich ist, als es ein Gut ist; so ist jedem vernünftigen Geiste einleuchtend, daß wir weil aufsteigend von den geringern Gütern zu den größern unter diesen ein größeres, als sie, gedacht werden fann, um so mehr jenes erschlies Ben fónnen, über welches hinaus fein großeres mehr gedacht werden kann.... Ein höchstes Wesen wird also im Wege des Schließend erfannt. So fann man leicht denjenigen widerlegen, welcher die heilige Auftoritåt nicht anerfennt. Aus diesen Stellen erhellet auf das Deutlichste, daß Ansels mus die Erfennbarfeit der göttlichen Idee an und für sich und auch ihrer Wirklichkeit durch die bloße Vernunft nicht allein vorausseßt, sondern sogar ausdrůdlich behauptet. Diese ausdrückliche Behauptung, namentlich in der leßtern Stelle, ist besonders gegen Unglaubige und vorzugsweise ges gen Gottesleugner gerichtet. Für den Christen aber, insbes sondere für den Katholifen, hat derselbe außerdem zum Beweise der Erfennbarfeit Gottes durch die bloße Vernunft noch auf die heil. Schrift fich bezogen. Die zuleßt mitges theilte Stelle lautet in ihrem weitern Verlaufe): Wenn aber ein Ratholif dieses leugnen sollte, der moge sich erins nern, daß das Unsichtbare von ihm (Gott) seit der Erschaffung der Welt, aus den Werfen erfannt, sichtbar wird, felbst seine ewige Macht und Gottheit.

$. 3.

Ist nun aber diese Vorausseßung eine nothwendige, d. h. eine solche, welche schlechthin gemacht werden muß, oder ist sie eine auf Widfür beruhende? In dem ersten Ras pitel des Monologium, wo Anselmus die Erkennbarkeit Got. tes durch die bloße Vernunft behauptet, gibt er unter den vielen möglichen Weisen derselben nur eine und seines Er

6) L. C. Si quis Catholicus hoc neget; meminerit , quia invi.

sibilia Dei a creatura mundi, per ea quae facta sunt, intellecta conspiciuntur : sempiterna quoque ejus virius et divinitas. Ad. Rom. 1, 20.

achtens die leichteste an. Diese ist aber feine andere, als diejenige, welche man gewöhnlich den kosmologischen Beweis nennt, oder sie ist diejenige, welche auf dem Ges feße der Causalitåt durchaus beruhet und nach welchem ges schlossen wird mit Nothwendigkeit von dem Bedingten auf ein Unbedingtes ?). Weil aber dieses Geset ein nothwens diges, ein dem menschlichen Geiste unabweibliches ist, so find auch die Vorausseßungen nothwendig, welche zufolge jenes Gefeßes gemacht werden. Deswegen ist denn auch die bei Anselmus auf diesem Geseße beruhende Vorausseßung der Erfennbarfeit Gottes durch die bloße Vernunft eine nothwendige. Man kann sogar behaupten, der menschliche Geist müsse im gewöhnlichen Erkenntnißgange auf die Idee des Absoluten geführt werden; diese Idee bildet sich eben so nothwendig in ihm, als die Idee seiner selbst. Diese Nothwens digkeit wird von Anselmus Rap. 32 des Monologium auch To bestimmt ausgesprochen, daß er sogar behauptet, im ents gegengeseßten Falle würde der Mensch sich nicht von den unvernünftigen Geschöpfen und den absoluten Geist nicht von den Geschöpfen überhaupt unterscheiden. Auch in der Vors rede zu dem Proslogium muß die Vorausseßung der Erfenns barkeit Gottes durch die bloße Vernunft als eine nothwens dige angenommen werden, theils weil in dieser Vorrede Ans selmus sich auf das Gewebe von Beweisen in den Monolos gium bezieht, theils weil er sagt, es sei seine Absicht gewes sen, Einen Beweis für das Dasein Gottes aufzustellen, der lediglich in sich beruhe und feines andern Beweises bedürfe. Ein solcher Beweis aber , sollte er den Absichten des Ansels mus entsprechen, mußte aus dem Wesen des vernünftigen Denfens hervorgehen, darum schlechthin den Charakter der Nothwendigkeit an sich tragen. Eben weil nun die in Rede stehende Vorausseßung mit Rücksicht auf jenes Denken ges macht wird, darum muß fie ebenfalls als eine nothwendige

7) Monolog. Cap. 1-5. Die Spekulation des 1. Anselinus in dies

fer Zeitschrift. N. F. VI. Heft 2. S. 10.

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