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den die Klöster des Inlandes, Abteien sowohl, als die der sogenannten. Bettelmönche, säkularisirt; und nach erfolgter Besitznahme sämmtlicher Entschädigungslande erfuhren auch die Domstifter, Abteien und übrigen Klöster das gleiche Loos.

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Alle diese Verfügungen wurden mit seltener Uebereinstim→ mung im Ganzen, gleichsam nach einem tiefdurchdachten Plane und mit einem rastlosen Eifer ausgeführt. Es war für den unbefangenen Beobachter ein erhebendes Schauspiel, diesen Kampf auf Leben und Tod des Neuen mit dem Alten zu sehen, und den Triumph des Neuen zu feiern. Das Alte schien unter dem Drucke seiner eignen Last, und der vielen dasselbe begleitenden Unbequemlichkeiten, die bis zur starren Unbehülflichkeit angewachsen waren, zu erliegen. Das Neue kämpfte unter der Aegide der Macht, und so konnte sein Sieg, auch noch vom lebhaften Wunsche des bei weitem grössern Theils der Zeitgenossen begünstigt, nicht lange unentschieden bleiben. Das Mönch. thum erhielt durch die Staatsgewalt den Todesstoss, die Freunde des Lichts freueten sich, je nach Verhältniss, Alter und Erfahrung mehr oder weniger laut, und jeder sah einer bessern Zukunft entgegen. Es liesse sich freilich wohl hier die Frage aufwerfen, ob dieser Eifer für die gute Sache der Aufklärung nicht oft zu weit ging, oder wenigstens in den Formen sich versah? Jedoch ist diess eigentlich nicht der Ort, diese Frage zu beantworten und wird wohl füglicher in einer eigenen umständ licheren Schilderung dieser für Baiern so denkwürdigen Periode mit erforderlicher historischer Würdigung von einem unbefan→ genen Geschichtschreiber einst erfolgen müssen. Es verlautete zwar, dass über alle diese Vorschritte einige Einleitungen bei dem römischen Hofe getroffen worden; aber wurde die Uebereinkunft verzögert, oder durch die, unwandelbare Stabilität athmenden, Grundsätze der Kurie gänzlich vereitelt, hiervon erfuhr man im Publikum nichts, und das einmal begonuene Geschäft

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gesetzlichen und moralischen Werth gesagt werden mag, gehören zu den ersten Wohlthätern des Menschengeschlechts, zu den Tödtern der Drachen und Lindwürmer geistiger, somit viel schlimmerer, Natur, als jene des Mythos, nemlich solcher, die die Kultur und die Entwickelung aller edlen Kräfte gefährden, der Drachen des Aberglaubens, der Unwissenheit und der Pfafferei.

ging seinen Gang mit Riesenschritten. Die Klostergüter wur den als Staatsgut erklärt, und zum Vortheile der Staatskasse, zur Belebung der Industrie und Agrikultur einzeln oder nach Umständen und Gelegenheit auch in grössern Komplexen verkauft, die Kirchen, welche nicht unmittelbar zum pfarrlichen Gottesdienste gehörten, niedergerissen, und die übrigen Gebäude, die wegen Lage oder Umfang keinen Käufer finden konnten, dem Zahne der Zeit überlassen. Kurz es gewann das Ansehen, als ob alle diese Institute, auch bis auf ihr Andenken, der Vertilgung geweiht bleiben müssten, und der Gedanke an dié Möglichkeit ihrer Restitution in's Reich der Unmöglichkeit verbannt werden sollte. Ein hoher Staatsbeamter, von dem der Antrieb zu allen diesen Dingen damals ausging, soll sich auch beinahe in solchen, den Vorgehenden ähnlichen Ausdrücken, vor dem Kreise seiner nähern Umgebungen geäussert haben. Aber ach! mit des Schicksals Mächten ist kein ew'ger Bund zu flechten, und das Unkraut wurzelt schnell. Die Reformationen gingen so fort, bis in kirchlichen Angelegenheiten bald nichts mehr zu reformiren übrig blieb; auch fingen nach und nach die von solchen in Eifer vollzogenen Unternehmungen fast unzertrennlichen Uebelstände an, sich einzufinden. Aus finanziellen Rücksichten wurden die Pensionaire der Mönchsklöster und jene der Abteien zur Seelsorge auf dem flachen Lande zugelassen, und so diesem moralischen Unkraute wieder ein weiter Raum zur üppigen Ausbreitung gestattet. Mit dem Gefühle erlittener Kränkung, neben der schon früher vorhandenen üblen Gesinnung, erfüllt, nahmen diese Mediokritäten der Neuzeit so viel möglich Rache an ihr und an dem Spiritus temporis, wie der Hauptobskurant F. Geiger zu Luzern einst sich ausgedrückt hat.

Die Verbindung mit Frankreich verstärkte natürlich die Kraft der Regierung im Innern, die sich im Jahre 1808 durch Einführung der damaligen Konstitution und Publikation des Religions-Edikts vollständig auszusprechen suchte. Dieser Jahrgang zeichnete sich auch durch Errichtung der allgemeinen Stiftungs-Administration aus, die vermöge des Organisations. Edikts alles Stiftungsvermögen ergreifen musste, es mochte' nun dem Kultus, der Wohlthätigkeit oder dem Unterrichte gewidmet

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seyn. Diese organische Verfügung, in ihrem Innern, an Ordnung, Klarheit und Folgerichtigkeit ein Meisterstück des Urhebers, machte jedoch im In- und Auslande viel Aufsehen, und blieb ganz vorzüglich dem katholischen Klerus ein ewiger Dorn im Auge und im Herzen, Dieselbe hätte zwar in Folge ihrer innern Vortrefflichkeit eine wahre segensvolle Wohlthat des Vaterlands werden können, wenn nicht fast über sämmtlichen mit ihrem Vollzuge beauftragten Individuen ein unglücklicher Geist gewaltet hätte, der sie zur Erfüllung ihrer Geschäfte, sowohl in Beziehung auf das Materielle der ihnen vertrauten Stiftungen, als das Wohl der hierbei betheiligten Individuen, unfähig machte, und zur unversiegbaren Quelle der Beschwerden wurde.

Die Diözesan-Verhältnisse geriethen bei dieser Wirthschaft in immer tiefern Verfall. Ob hierüber Anzeigen, oder Beschwerden bei dem römischen Stuhle, als Oberhaupte der katholischen Kirche, gemacht wurden, ist bei aller Wahrscheinlichkeit nirgends mit Bestimmtheit bekannt geworden, und das Benehmen der Regierung zeigte klar, dass sie wenig geneigt seyn dürfte, auch den eifrigsten Interzessionen Seiner Heiligkeit Gehör zu geben, und dessen Anträgen Gewähr widerfahren zu 1. lassen.

Es trat nunmehr die Periode ein, welche in des päbstlichen Rom's Jahrbüchern, mit einem Stillstande, oder gänzlicher Wirkungslosigkeit bezeichnet, und während welcher der Pabst selbst, vom Kardinalkollegium getrennt, nicht viel mehr als ein Gefangener Frankreichs und Napoleons war, wie oben erzählt worden ist. In diesem Zeitraume war für das Heil der katholischen Kirche und ihrer Geistlichkeit nicht viel zu hoffen, und diese musste sich im Gedränge der Zeiten entweder in Geduld fassen, oder sich zu helfen suchen, so gut sie immer konnte, was sie auch meistens that.

Der Sturz des Kaiserreiches in Frankreich und der Wiener Kongress fingen bald an, ihre Folgen auch in Baiern zu äussern, und der Pabst, dessen männlicher Muth im Unglücke ihm die Verehrung so vieler Herzen gewonnen, glaubte nun ernster auftreten zu müssen, und fand für nöthig, die Wiederherstellung des Iesuiter.Ordens zur Befestigung des Altars und der

Throne zu empfehlen, verrieth aber dadurch in den Augen der hellsehenden, so wie der ruhigen Beobachter zu bald und zu sehr den Geist 'seines Standes, und die Politik seiner Würde.

Dass Hom nie ganz ohne hoimliche Freunde in Baiern geblieben, war zwar kein Geheimniss, aber eben so, gewiss war bis auf diese Zeit ihre Unwirksamkeit, und gänzlicher Mangel an Ansehen und Vertrauen. Allein eben so gewiss kann behauptet werden, dass um diese Zeit sicherlich theils Aufforde rungen und Anträge, theils heimliche und minder heimliche Annäherungs-Versuche von Seiten der römischen Kurie und ihrer Freunde, die sich nunmehr auch durch eine bedeutende Anzahl junger Schwärmer verstärkt betrachten konnten, an die Regierung oder eigentlich an die Person des allgemein geliebten Königs gemacht wurden. Allein sie waren von keinem bedeutenden Erfolge; denn dieser Monarch, wenn gleich von höchstmenschenfreundlicher, wohlthätiger Gesinnung, war kein Frömmler, und gewöhnt, in allen Angelegenheiten der Regierung seinen Ministerien, deren erster und oberster Chef zugleich sein vertrauter Freund war, zu vertrauen. So lange aber der ernste, geistvoll-kräftige Montgelas an der Spitze der Staatsgeschäfte stand, und der Geist, den er ihnen seit fünfzehn Jahren eingehaucht und sorgsam genährt hatte, in ihren Hallen wehte, liess sich, wenn derselbe gleich seit dem Rieder Vertrage in Etwas gelähmt war, an eine laut auszusprechende Vereinigung mit Rom über die Verhältnisse desselben zu den katholischen Kirchen und deren Glaubensgenossen nicht wohl denken.

Indess die heimlichen Insinuationen dauerten fort. Eine vorzügliche Triebfeder derselben hatte sich am Hofe und in der Nähe des Königs selbst seit langen Jahren eingeschlichen, und durch kluges Benehmen, gelehrte- und Menschenkenntniss sich auch zu erhalten gewusst. Es war Pater Sambuga, der Religionslehrer nicht nur des Kronprinzen und jetzt regierenden - Königs, sondern auch der übrigen königlichen Kinder; denn es verdient hier bemerkt zu werden, dass König Maximilians beide Gemahlinnen, die erste aus dem Hause Hessen-Darmstadt und die jetzt noch lebende Königin' Wittwe aus dem Hause Baden, der evangelischen Konfession zugethan waren, und doch

alle Kinder beiderlei Geschlechts in der katholischen Religion erzogen wurden, Dieser Mann nun, mit schonen Kenntnissen in seinem Fache vorzüglich ausgerüstet, ein gewandter Redner, auch in Philologie und in den schönen Wissenschaften nicht unbewandert, und mit dem seltensten Fleisse ausgestattet, war eine wahre und äusserst wirksame Stütze der Sache des römischen Hofes, und dürfte, seiner Würde als Mensch und Gelehrter unbeschadet, mit dem Ausdrucke Römling im vollen Sinne des Wortes bezeichnet werden. Ihm war die Sache Roms und der katholischen Kirche Eins, und alle seine Bemühungen in Schrift, Wort und That waren auf die Ausbreitung und Vergrösserung ihrer Macht berechnet.

Wer Zweifel hiergegen aufwerfen wollte, der-müsste auf partheilose Einsicht der hinterlassenen Papiere, und besonders der in strengster Ordnung gehaltenen Aufsätze seiner Korrespondenz mit den königlichen Kindern, wie sie bei seinem Ableben vorgefunden worden, verwiesen werden ). Auch die vieljährigen Anstrengungen des nunmehrigen Bischoffs Sailer müssen hier mit in Erwägung gezogen werden. Die Wirksamkeit dieses Mannes auf einen Theil der katholischen Jugend, durch viele herrliche Schriften voll geistvoller Mystik, aber auch alle mit fein-jesuitischer Tendenz verfasst, ist unermesslich gewesen. Verfasser selbst erinnert sich noch recht gut daran, mit welch schwärmerischer Verehrung er einst an ihm gehangen, bis Thatsachen die Gesinnungen beleuchteten und die Binde ihm von den Augen fiel.

Der fromme Eifer des Königs Ludwigs für den katholischen Glauben ist rein die Frucht von Sambugas oft wiederholten und tief eingeprägten Ansichten. Wer wird sich nicht überzeugt halten, dass die öftern Reisen dieses Fürsten

*) Es war schon vor mehr als 16 Jahren durch heimliche Jesuiten und Jesuiten-Anhänger im Publiko ausgestreut worden, Sambugas hoher Zögling hätte ihm zugesichert: seine erste Handlung als König werde seyn, die Gesellschaft Jesu in Baiern wieder einzuführen. Wir hoffen, der königliche Dichter, welcher ächte Christus-Religion, Kultur und Freiheit so warm besungen, werde durch die neuesten Ereignisse hinlänglich über den moralischen und politischen Werth jenes Ordens nunmehr aufgeklärt seyn, und seine letzten Aeusserungen in Rheinbaiern beruhigen diessfalls gäuzlich.

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