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Josephinischen General-Seminariums und Mitredakteur des bekannten Gutachtens für den Eid der Priester zu Gunsten der Assemblée constituante. Diese Wahl erhielt die Genehmigung der Regierung. Würtemberg, dessen Hof den Freiherra von Keller, Wessenbergs alten Freund und Anhänger, in neuester Zeit Rom allzusehr sich annähernd erfunden hatte, entschied sich für den freigesinnten Dr. Drei, Professor zu Tübingen, einen Mann von umfassenden Kenntnissen und vielfachen Verdiensten. Nassau für den Dr. J. Brand zu Wiesbaden, einen Mann, welcher als Philolog und Mensch in gleich vortheilhaftem Rufe stand und auch seither darin sich erhalten hat; Hessen-Darmstadt für den Herrn von Wrede, zeitherigen General-Vikar. Kurhessen allein zögerte fortwährend, weil über die Ausstattungs-Urkunde sich Anstände erhoben. Eine Sendung des Baron von Plittersdorf, bekannt als delegirter Scharfrichter des teutschen Beobachters von Stuttgart, räumte alle Schwierigkeiten bei jenem tief - politischen und anständevollen Hofe weg und der Stadtpfarrer Dr. Rieger *) zu Kassel ward als Bischoff zu Fulda bestimint. Man legte übrigens den ernannten Bischöffen zu gleicher Zeit die entworfene KirchenPragmatik, oder Provinzial-Kirchen-Verfassung vor, zu deren genauen Befolgung sie sich verbindlich machen muss

Dunkeln Berichten zu Folge, war die Wahl des würdigen Wankers dem römischen Hofe nichts weniger als angenehm. Dieser Theolog schien viel zu freisinnig, zu teutsch und zu altchristlich gesinnt, ja viel zu sehr Moralist im eigentlichen Sinne des Wortes', als dass er zur bedeutsamen Würde eines Erzbischoffes sich geschickt hätte. Mannigfache Anstände erhoben sich demnach, welche die Regierung bestens zu beseitigen suchte. Zum Glück befanden sich bei derselben, im ka-, tholischen Kirchen . Departement, Männer von aufgeklärten Gesinnungen, welchen Ultra-Romanismus durchaus nicht zur Last

*) Mit dem Augsburger Bischoffe Rieg nicht zu verwechseln , welchen ein neuerer baierischer Dichter in dem bekannten romantischen Liede:

„Ignaz Albertus so heisst der Gesandte,
Ignaz Albertus der wohlbekannte,

Freut euch, ihr Lämmlein, und springet um ihn! u. s. w.“ verherrlicht hat.

gelegt werden konnte, und welche selbst an Wessenberga Schicksal, persönlich, einen aufrichtigen Antheil genommen hatten; ja einen aufrichtigeren, als manche Protestanten, welche die Sache der katholischen Kirche bloss als einen diplomatischen Handelsartikel betrachteten, den man, je nach den Erford dernissen des politischen Staatsinteresses, erledigen könue, da mit den Katholiken in der Hauptsache doch nichts vernünftiges angefangen werden könne. Der Tod Wankers, von seinen zahlreichen Schülern und Verehrern, von der Stadt Freiburg, ja von dem ganzen Lande tief gefühlt, befreite die Regierung und die Kurie von unangenehmen Verlegenheiten. Jedermann erwartete nun, dass die neue Wahl auf den anerkannt ersten katholischen Theologen Teutschlands, den geistlichen Rath und Professor, Dr. Leonhard Hug, fallen werde, einen Mann von immenser Gelebrsamkeit, geschmeidigem Wesen, höfischen Manieren, aufgeklärten Gesinnungen, anti – jesuitischer, aber auch anti - konstitutionneller Tendenz, von Erasmischem Witz und Geist, von europäischer Berühmtheit, tief vertraut mit allen Partheien und Nüançen wie mit den Bedürfnissen und Leidenschaften derselben, eine litterarische Zierde der Stadt, des Landes, der Nation und der Kirche. Aber ein solcber Mann schien ebenfalls allzu gefährlich für jene Stelle; die bureaukratische Mittelmässigkeit vertrug sich mit einem ausgezeich. neten Talente nicht; man rieth darum lange hin und her über das Subjekt, dem die hohe Sendung anzuvertrauen sey. Gegen die meisten neuen Bewerber erhob entweder das Land, oder. der Hof, oder die Kurie Einwendungen.

Die lächerlichsten Illusionen hatte ein Theolog des Schwarzwaldes sich gemacht, welcher seit einer Reihe von Jahren durch unbedingten Sklaven-Dienst für die Saché der Kurie allerdings von derselben eine stattliche Belohnung erwarten konnte; welcher als fanatischer Verfolger Vikt. Kellers und Wessenbergs, als Libellist gegen die Stunden der Andacht, (von ihm ein Werk des Satans betitelt), die allgemeine Verachtung der Bessern sich zugezogen und sein schätzbares wissen'schaftliches Talent und seine Verdienste als katholischer Hofprediger K. Friedrichs I. von Würtemberg zu Stuttgart, durch Aumaassung, Renegatismus und Denuncirsucht erniedrigt und

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verdunkelt hatte. Dieser Mann, welcher gegen den Verfasser selbst einmal, in der Bitterkeit des Gefühls über fehlgeschlagene Hoffnungen, voll Spolt und Hohn gegen gewisse Personen und die undankbare Kurie sich herausliess, und die Wohlfeilheit des Preises für den Erwerb „goldener Sporen“ (er selbst hatte die seinigen unter dem Grossherzoge Karl niemals tragen därfen) und „apostolischer Proto-Notariate“ beschrieb *), wendete alles mögliche an, um zu seinem Ziele zu kommen; aber von oben und von unten war die Stimmung zu sehr wider ihn, als dass Rom es gewagt hälte, die Ansprüche eines solchen Bewerbers zu unterstützen, und er hatte dasselbe Schicksal, welches etwa 10 Jahre zuvor den Fürsten von Hohenlohe, den wunderthätigen orthopädischen Magus, betroffen haben soll. Ein Spassvogel hatte - wenn die uns mitgetheilten Nachrichten anders ächt sind diesem Koryphäen des Obskurantismus geschrieben: man gelie Badnischer Seite ernstlich damit um, zum Bischoffe von Konstanz ihn zu postuliren. Der Heilige, durch die Zuversicht, welche allen mittelmässigen Köpfen so sehr eigen ist, in diesem Wahne leichtlich bestärkt, liess sich allsogleich Listen von allen Geistlichen des Sprengels verfassen, worin über ihre Gesinnungen und Grundsätze undüber ihr Thun und Treiben berichtet und eine Art Klassifikation ihrer Schädlichkeit oder Brauchbarkeit vorgenommen war. Er dachle schon auf Beförderungen und Absetzungen, mittelst seiner Verbindungen mit Rom; und vielleicht war dem ehrbaren Martin Michel, seinem bekannten Kollegen und Badersgesellen im Mirakelmachen, bereits die Stelle eines Generalvikars

*) Es erfahre denn die katholische und protestantische Welt, dass die Taxe für ein Diplom letzterer Eigenschaft selten mehr als 6 Louisd'or beträgt, und ein solches Diplom einst von einem ganz gewöhnlichen Menschen, welcher katholischer Pfarrer hiess, aus Geiz, zurückgesandt wurde, da man ohne seine vorherige Einwilligung dazu ihn creirt hatte. Bei diesem Anlasse theilen wir auch mit, dass die theologische Fakultät der nach München transportirten Hochschule Landshut einem jungen Menschen aus dem Frickthale, welcher in ein paar Jahren Gymnasium, Lyzäum und Universitäten zusammen absolvirte und ein über alle Maassen elendes Examen bestand, der ganzen Geistlichkeit und allen wissenschaftlich gebildeten Männern zum Skandal, als Doctor Theologiae promovirte, bloss weil er das Glück hatte, Kostgänger eines der Mitglieder jener Fakultät gewesen zu seyn.

zugedacht. Man stelle sich nun aber die Bestürzung Sr. geistJichen Durchlaucht vor, als von Karlsruhe im geschrieben ward: man wisse nicht, wie er auf solche Gedanken gekommen, und niemals sey der Regierung Sr. Königlichen Hoheit auch nur im Traume eine Postulation des Prinzen von Hohenlohe eingefallen.

Die Wahl der Regierung fiel endlich auf den ersten Stadtpfarrer zu Freiburg, Dr. Bernard Boll, eheinals Konventual der Bernardiner- Ablei zu Salemn, und nachher Professor an der Universität Freiburg während mehrerer Jahre; einen Mann von redlicher Gesinnung und wissenschaftlichen Kenntnissen, wel. cher zwar den Erwartungen Vieler von Ausfüllung einer Stelle, die Wessenberg und Wanker zu Kandidaten gehabt, nicht ganz genügte, aber durch seinen sanften, bescheidenen und gemässigten Karakter, wie durch den Umstand, dass er die bekannte Erklärung der Geistlichen des Bisthums Konstanz zu Gunsten Wessenbergs, an der Spitze derselben, mit unterzeichnet hatte, Bürgschaft für seine künftige Richtung zu geben schien. Als Weihbischoff und Domprobst ward der Pfarrer von KappelRodeck, Dr. Vitus Burg ihm beigegeben; in der Wessenberg'schen Sache ein verhängnissvoller Name; der Aeneas Sylvius der Badnischen Geistlichkeit, si magnis parva componere licet, Die ausserordentliche Reise nach Rom, welche er einige Zeit früher zu Lösung der Verwickelungen seines Freundes unternommen, hatte für ihn selbst so glückliche Folgen gehabt, dass er, ausser der Würde eines Domprobstes, ominös genug, diejenige eines Bischoffs in partibus infidelium, zu Rhodiopolis und nachmals die eines Bischoffs von Mainz erhielt. Die meisten übrigen Mitglieder des erzbischöfflichen Ka. pitels waren Männer von moralischem Werthe und hohen Verdiensten; entschiedene Anhänger des Guten, und alte Freunde Wessenbergs. Die Namen von Vicari, Flad, Martin haben einen guten Klang bei der Nation. Auch den berühitən Tlug erblickte man mit Vergnügen. in ihrer Mitte. Es hatte derselbe, um der guten Sache zu dienen, Selbstverläugnung und Muth genug gehabt, die Rolle eines thätigen Ministers da zu übernehmen, wo die Meinung ihn als Principem vor allen bezeichnet hatte. Bei dem Nationalschmerze über. W essenbergs

Verdrängung gereichte es auch den sämmtlichen Verehrern des würdigen Mannes zu besonderem Troste, den vicljährigen Freund und Rathgeber desselben ,' als Generalvikar ernannt und im alten Geiste fortwirken zu sehen. Mit Bedauern jedoch vermisste man in der Reihe der Kapitelsglieder einen Namen, an welchen sich die Erinnerung ausgezeichneter Verdienste knüpfte, den geistlichen Rath und zweiten Stadtpfarrer Dr. Biechele, als Lehrer, Prediger und Seelsorger, Direktor der Alumnen, als Schriftsteller und Mensch gleich achtungswerth, und bei mancher bizarren Persönlichkeit liebenswürdig. Es heisst, dass das Gefühl mannigfach erlittener Kränkung zu dem frühen Tode dieses Mannes nicht wenig beigetragen. Die Leidenschaft des Hasses gegen ihn ging so weit, dass man seinen Leichengang als Zeitmoinent auswählte, wo die herzerhebende teutsche Liturgie, Wessenbergs Werk und Biecheles Lieblingsgedanke, durch die altrömisch-lateinische wieder verdrängt wurde.

Der Geschichtschreiber der teutschen Konkordate ist allen jenen Edlen dankbare Erwähnung schuldig, welche unter mannigfachen Zeit- und Meinungswechseln die Sache der Aufklärung und Geistesfreiheit mit Muth und Beharrlichkeit verfoch. ten, und in beschränkten Amtsverhältnissen einen reichen Saamen des Bessern für eine würdigere Zukunft ausgestreut 'haben.

Würtemberg, nachdem der römische Hof seine Abneigung gegen Drei *) nicht überwinden gekonnt, kam endlich doch auf den Freiherrn von Keller zurück, einen Prälaten von vieler Gelehrsamkeit und liebenswürdigen Eigenschaften, auch keineswegs Finsterling, welcher jedoch in der letzten Zeit das Zutrauen der öffentlichen Meinung in minderm Grade als früher besass, vielleicht bloss desshalb, weil er mit allzu geringer Energie, . um seine Sachen nicht ganz zu verderben, in den Verhandlungen der Kammern, wie in diplomatischem Briefwechsel und in seinen Amtsverrichtungen aufgetreten war. Die öf. fentliche Meinung ist jedoch gegen alle sonstigen Verdienste von Männern nicht ungerecht, welche so glücklich waren, die

*) Die gleich gründlich als gemässigt redigirte Tübinger katholische Quartalschrift hatte dazu nicht wenig beigetragen. Rom liebt überall nur Fanatiker und Verdankler.

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