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Abtheilungen, (Bern und Luzern auf der einen, und Solothurn, Aargau und Thurgau auf der andern, Seite) in getrennte Unter. bandlungen mit Rom traten, wie keine ihren Zweck erreichte und zuletzt ein gänzlicher Stillstand aller Verhandlungen eintrat. Nachdem nun Rom das neue ominöse Provisorium verhängt hatte, bemühte sich Luzern, die getrennten Stände wieder zu vereinigen, was freilich viel besser früher geschehen wäre. Die

Verhandlungen dieser Stände wollen wir, wie bemerkt, abge· sondert erzählen, nachdem wir zuvor in einem eignen Abschnitte

die im vorigen Abschnitte charakterisirten Bestrebungen Roms ( Erziehung, Klerus, Volksgeist u. 8. w. zu ultramontanisiren) bis auf die gegenwärtige Zeit werden fortgeführt haben.

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6) Geistige Ultramontanisirung der Schweiz; von 1819

bis 1829. (Fortsetzung des 4ten Abschnitte s.)

Der erste Paroxismus der römischen Partei in den Angriffen auf die staatsrechtlichen Kirchenverhältnisse hatte zwar nachgelassen; aber nicht als Folge einer Rückkehr zur Rechtlichkeit und Mässigung, sondern aus Klugheit; sie sah, dass sie durch unkluge Heftigkeit die Regierungen gereizt hatte und beschloss, eine erstere Fortsetzung dieses Theiles ihrer Bestrebungen bis zur Stiftung des neuen Bisthums zu versparen. Indessen liess sie diesen Kampf keineswegs ruhen; auch dieser Zeitraum liefert auffallende Beispiele von Ansprüchen der Klöster und Stiste auf Immunität und der Geistlichkeit auf eigne Gerichtsbarkeit, von rechtloser Erweiterung ihrer Einkünfte (wie z. B. des Kl. Einsiedeln noch im Jahre 1828), von Nichtanerkennung der Rechte des Staats bei Ernennungen (Investitur) (z. B. von Seiten des Bischoffs von Basel bei der Wahl des bisch. Kommissarius für Luzern) u. s. w. Wie bedeutend war endlich die fortdauernde Umgehung des landesherrlichen Placet bei den wichtigsten kirchlichen Angelegenheiten, wie wir gesehen haben! Genug war also schon gewonnen; die Ideen von der Suprematie der Kirche und ihrer Unabhängigkeit vom Staate und die Verwerfung der Rechte der Schweizer in Kirchensachen waren durch die Scbreiben des Pabstes und der Nuntiatur förmlich aufgestellt, zum Theile faktisch durchgesetzt und

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auch in diesem Zeitraume in eignen Schriften verfochten worden; das Publikum wurde immer vertrauter niit diesen Ideen und der Einfluss des Klerus auf die Regierungen immer entschei. dender, wie wir bald sehen werden. Die ganze Kraft dieser Partei war übrigens, was die kirchenrechthohen Verhältnisse betrifft, auf die Durchsetzung des römischen Konkordatsentwurfes, der in dieser Hinsicht entscheidend war, gerichtet.

Das zweite Hauptziel, auf das sie biparbeitele, war fortschreitende Gewalt in der Beherrschung des Volksgeistes und der öffentlichen Erziehung; auf dieser Bahn stand sie daher keinen Augenblick stille, Da wir diese Seite ihrer Thätigkeit schon hinlänglich charakterisirt haben, so können wir nun kürzer seyn.

In Luzern - der bedeutendsten höhern Bildungsanstalt für die katholische Schweiz, weil sie auch für die kleinen Kantone und den grössten Theil der östlichen Schweiz dient - hatte die kryptojesuitische Partei 136) in diesem Zeitraume eine gefährliche Krise zu bestehen und sie glücklich bestanden. Diese Partei, deren Aufwachsen und Erstarken wir bereits erzählt haben, fand in dem Erziehungsrathe, einer Abtheilung der Regierung, eine gefährliche Gegenkraft. Der kenntnissreiche und einsichtsvolle Staatsrath Ed. Pfyffer, die Seele dieser Behörde, erkannte die gänzliche Unangemessenheit des Lyzeums und Gymnasiums zu dem Geiste der neuern Kultur; es traten also im Jahre 1819 an dem Lyzeum folgende Veränderungen ein: Der Unterricht in der Physik ward erweitert und mit Mathematik verbunden und dieser Lehrstuhl ei nem wackern Schulmanne, Flüglistaller, übertragen. Für die Rhetorik, in einer weitern Sphäre, ward Brandstetter von St. Gallen berufen. Der Vortrag der Philosophie und, was vorher nie gelehrt wurde, der Geschichte, ward dem geistvollen Dr. Troxler anvertraut; ein zweiter - neuer Lehrstuhl ward in dem Unterrichte des Rechts geschaffen und dem später durch seine Schriften und Staatsreden ausgezeichneten Dr. Kasimir Pfyffer übertragen. Endlich ward für das Studium der alten Sprachen, welchen wichtigen Unterrichts

136) Man kanu die Jesuiten in der Schweiz in die offnen und Kryptojesuiten oder in benannte und unbenannte Jesuiten eintheilen..

zweig man am Lyzeum ganz ausgehen liess, während er am Gymnasium fast allein betrieben wurde, ein eigner Lehrer in der Person des Professors Kopp angestellt. Ueber diese Anordnungen war die Jesuitenpartei in hohem Grade erbittert; einmal, weil drei der vier letzt genannten Lehrer keine Geistlichen waren und somit das vermeintliche Recht des Klerus auf alle Lehrstellen angetastet wurde; dann, weil nun die Theologie mit ihren drei Lehrstellen nicht mehr, wie früher, als einziger Zweck der Anstalt, auf welchen sich alles andere bezog, erschien; endlich, weil die bisherige Tendenz zur Mystik gefährdet wurde. Denn durch das Studium der Alten, durch die Rechtswissenschaften, vorzüglich durch die Vorträge Troxlers über Philosophie und Geschichte, wurde schnell und glücklich das Prinzip des geistigen Lebens, im Gegensatze mit Mechanismus, Mystik und Autoritätsglauben, entsesselt und durchdrang nun alle Lehrgebiete.

Dies war der Anfang zu einer glücklichen Reform; aber auch nur der Anfang; denn noch fehlte viel, dass die Lehranstalten Luzerns denen anderer civilisirten Länder gleich kamen. Das Lyzeum sollte die Zwecke eines Instituts für Fach bildung mit denen einer Anstalt für Erziehung zur Humanität (also Fortsetzung eines Gymnasiuins, das nur die allgemeine Grundlage aller einzelnen Fächer erzielt) in sich vereinigen. In beiden Hinsichten war es immer noch höchst unvollkommen, vorzüglich in der erstern, wegen der unverhältnissmässigen Berücksichtigung der Theologie und des Priesterstandes und der Vernachlässigung der Naturwissenschaften – des gemeinschaft , lichen Mittelpunktes so vieler einzelnen Fächer – indem, ausser Physik, weder Naturlehre noch Chemie, noch Physiologie u. s.w. gelehrt wurden. Allein diese Wissenschaften, die von jeher das sicherste Bollwerk gegen Mystik und Aberglauben waren, basste die jesuitische Partei so sehr, dass, als Dr. Crauer un. angestellt und unentgeltlich Vorlesungen über Botanik hielt, sie ihn förmlich der Impietät anklagte und ein Interdikt gegen seine Vorlesungen auswirkte 137); solche Vorlesungen, sagten sie, zerstören die Glaubensfähigkeit!!

137) Oeffentliche Blätter jener Zeit haben diesen Vorfall erzählt; auch

In noch weit kläglicherer Gestalt stand das Gymnasium da; noch als wahre Vorschule für eine jesuițische Priesterkaste, während alle andern Stände unbeachtet blieben, In sechs Klassen, in deren jeder Ein Lehrer Alle Unterrichtszweige zu besorgen hatte, wurde vorherrschend Latein getrieben, und selbst hierin, wegen der absoluten Unmethode, wenig geleistet, wie sich faktisch ergab; in der teutschen Sprache, Mathematik, Geschichte, Geographie u. 8. w., was Alles jesuitisch zugeschnitten war, fast Nichts erlernt, wie sich abermals faktisch aus den Prüfungen' ergab. Am traurigsten sah es mit der religiösen und sittlichen Bildung aus, die sich bloss auf ein mechanisches Einprägen des Katechismus in Einer Stunde wöchentlich, und den geistlosesten Zeremoniendienst beschränkte, wesswegen die Disziplin in den tiefsten Verfall gerieth,

Der Erziehungsrath beschloss demnach, diese Anstalten, nach dem Standpunkte der öffentlichen Erziehung in neuern Zeiten, allmählig umzuschaffen, und zuerst das Gymnasium einer Reform zu unterwerfen. Der neue Organisationsplan macht den Herrn Ed. Pfyffer und Dr. Troxler grosse Ehre; er schliesst sich an die besten Gymnasien in den Rheinländern und in Preussen an 138). Der Entwurf beruhte auf einer geschickten Verbindung des Fach- und Klassensystems, und besland seinein Wesen nach in Folgendem: Ein Religionslehrer besorgt den sittlich religiösen Unterricht durch alle Klassen und übernimmt zugleich die Seelsorge für die Studirenden. Ein Lehrer der Physik und Mathematik trägt diese Wissenschaften stufenweise aufsteigend in allen Klassen vor; eben so ein Fachlehrer für Geschichte und Geographie. Die alten Sprachen – griechisch lag bisher gänzlich darnieder - die teutsche Sprache und die ästhetischen Bildungszweige werden von sechs Klassenlehrern besorgt. Dieser Entwurf war von dem täglichen Rathe gebilligt und dessen Ausführung beschlossen worden.

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siehe Troxlers „Offne Antwort gegen Prof. Gügler" etc. Seite 68. Man traut kaum seinen Augen, wenn man die Anklagepunkte, welche der Idiot Ineichen gegen Crauer vorbrachte, liest.

138) Wer die von dem Preuss. Kaltministerium erlassene Grundlage für die Organisation der rheinischen Gymnasien kennt, wird in ihr dieselben Grundsätze findeo.

Da erhob sich die Jesuitenzunft, die nur mit Ingrimm sich den bisherigen Veränderungen unterworfen hatte, und beschloss, nicht allein die projektirte Reform des, Gymnasiums zu verei, teln, sondern auch was am Lyzeum verbessert worden war, wieder zu zerstören, und die Laien von dieser Anstalt zu verdrängen. Vor allen traf ihr Hass den Dr. Troxler und den Staatsrath Ed. Pfyffer. Sie stellten den regimentsfähigen Familien die Gefahr vor, welche ihnen aus den bisherigen Reformen im Erziehungswesen drohe und diese gingen, den Schultheissen, Rüttimann und Seckelineister Meier an ihrer Spitze, vollkommen in ihre Insinuationen ein; es zeigte sich bei dieser Veran, lassung abermals die innere Einhelligkeit von Priesterkasten und aristokratischen Parteien in dem Hasse gegen freie Geistésentwickelung und den Fortschritt des Volkes zu höherer Kultur. Dann traten die, theils am Gymnasium, theils am Lyzeum angestellten, Professoren Salzmann, Gügler, Widmer, Schmidt, Kaufmann, Schlatt und Ineichen, die eine Opposition gegen die andern Lebrer bildeten, mit einer Denkschrift an den täglichen Rath aụf 139), in welcher sie den Plan zur Reform des Gymnasiums, mit einer seltenen Bosheit als die Religion gefähr, dend darstellten, obschon eine wesentliche Tendenz dieses Planes eine bessere, religiöse Bildung war. Zugleich rückten sie einen Artikel in ein frapz, Ultrablatt 140), in welchem sie jenen Plan als ,,berechnet für das System der Impietät und Reyolution“ erklärten. Man kann beide Aktenstücke nicht ohne die grösste Indignation über die tiefe Bosheit und die gleissne. rische Heuchelei, die sich in ihnen ausdrückt, lesen.

Jene Denkschrift wurde auf den Rathstisch gelegt; der tägliche Rath schämte sich, seinen Beschluss in Betreff der projektirten Reform zurückzunehmen, schämte sich aber nicht, die Reform unausgeführt zu lassen. Zu derselben Zeit wurde Dr. Troxlers Sturz von jener Partei glücklich vollbracht. Die Veranlassung war die 'Ueberselzung einiger politischen Schriften von Buchanan und Milton (Fürst und Volk), die er her

139) Sie ist abgedruckt in Troxlers „Luzerns Gymnas. und Lyzeum.“ 140) Den Drapeau blanc; abgedruckt in: „Nachschrift zu Troxlers Fürst und Volk.“

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