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Touray, Le Tellier, Bernis, Dubois, Brienne u. 8. w. mit Bürgerkriegen, Gräueln und Verbrechen jeder Art angefüllt hatte, glaubte auch zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts noch immer Besitzer des Monopols der Staatsweisheit zu seyn. Aber die Kenntnisse jener grossen Diplomaten mit der Tiare gingen ihm bereits eben so sehr ab, als die Tugenden der Bossuet und Fenelon. Nachdem er die fanatische Intoleranz mit schöngeisterischem Atheismus vertauscht und nicht nur die Ueberzeugung aus den Kopfen der Bessern, sondern selbst auch die Ueberreste des alten Köhlerglaubens aus dem Gemüthe des Volkes herauszuspotten redlich mit geholfen hatte, entbehrte seine Macht aller politischen und moralischen Stützen. Aus höfischer Eifersucht über ihren Einfluss, keineswegs um den Ideen des Jahrhunderts zu huldigen, war er Theilnehmer an dem Staatsstreiche geworden, welcher die Hauptstütze der Priestergewalt, die Jesuilen, vernichtete. Nachdem diese Prätorianer des Ultramontanismus gefallen, konnte nur das engste Bündniss mit der Aristokratie ihu retten; aber auch diese war in den Parlamenten durch ministeriellen Absolutismus in ihren Grundfesten erschüttert und der letzte Ueberrest von gesetzlichem Widerstande illusorisch geworden, und es bestand hinfort der Hauptkampf blos noch zwischen Thron und Volk, Königsmacht und Freiheit. Der Klerus näherte sich den Etats-Généraux mit höchst geringen Kenntnissen vom Bedürfnisse der Zeit und des Landes, ja von der Politik und dem Interesse seiner eigenen Kaste. Das damalige Ministerium selbst hatte die Wahlen der Glieder jenes Standes so zu leiten gesucht, dass sein Vortheil mehr, als der des Klerus dabei erreicht werden sollte. Man wusste die niedere Geistlichkeit der höhern eben so gegenüber zu stellen, als die Gemeinen und die niedere Noblesse dem Hochadel.

Als die General-Staaten sich eröffneten, zählte der Klerus 300 Vertreter in denselben. Darunter befanden sich blos 44 Bischöffe, 12 Geistliche, welche keine Pfarren und 244, welche Pfarren besassen. Das Verhältniss war durchaus ungünstig für seine Interessen, und schon die ersten Vorträge, Aeusserungen und Motionen enthüllten die grosse Veränderung, welche in den Gei. stern vorgegangen war. Der geistliche Stand versuchte sich eine Zeit lang in der Rolle des Vermittlers, ohne seine Kräfte zu

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wägen und seine Lage zu berücksichtigen. Bereits hatte die öffentliche Meinung über das Institut selbst den Stab gebrochen; das Anerbieten der 400 Millionen, welches einige Zeit früher mit Erstaunen und Jubel erfüllt und den Namen der französischen Priesterschaft verewigt haben, würde, kam jetzt viel zu spät, in dem Augenblicke, wo die Trennung beschlossen war und der furchtbare Grundsatz zur Devise diente: „Le Déficit est notre trésor.“ Discite moniti !

Die politische Macht,, welche alle übrigen Kräfte nunmehr verschlang und den Rechten wie den Gütern des Klerus 80 nahe trat, that solches nicht aus eitler Hab - und Plünderungssucht, wie gemeingeistige Gegner der Revolution behauptel haben; es galt nicht ein Weniger und Mehr, ein Messen und ein Wägen: es galt das Leben der Kaste selbst; man wollte nicht die Individualitäten, man wollte den Körper vernichten,

Nachdem der „Reinecke Fuchs" des grossen Drama's, der Abbé Sieyes, die verhängnissvolle Phrase ausgesprochen: „Après avoir depouillé les prêtres, vous avez oublié une chose, de les égorger, - eine Phrase, deren wahre Bedeutung der Erzbischoff von Mecheln aus einander gesetzt hat, war es die Aufgabe des Klerus: „nicht ferner Herrschaft zu suchen, sondern tolerant zu seyn, um tolerirt zu werden; die Palläste aufzugeben und in die Tempel zurückzukehren; das politische Ge treibe hatte für ihn aufgehört: der alte, ursprüngliche Beruf die Seelsorge - wieder begonnen; es waren keine Grossen mehr vorhanden: es fanden sich blos Priester vor.“ Aber er begriff seine Stellung nicht. Er hielt sich noch für bedeutsam und mächtig, damals, als Niemand mehr die Religion wollte; und er war es weniger, als unter Bonaparte und der Restauration, wo viele sich nach ihr zurücksehnten. Er bielt' das französische Volk für anhänglich an die Sache des Zehntens, als bereits Dogmen und Kirchengebote selbst in Verachtung und Nichts herabgesunken waren. Dieser Irrthum war wesentlich und tief eingreifend. Mit der Assemblée constituante begann ein neuer Zeitpunkt in der Geschichte des Klerus, und die Wirkungen derselben sind noch in unsern Tagen bei einem grossen Theile der Nation keineswegs verschwunden,

„Der' Klerus drückt De Pradt sehr gut sich aus kam zu den Etats-Généraux, vereinzelt, ohne Wurzeln weder in dem Geiste noch in dem Herzen von irgend Jemand, und wenn ein Vergleich zwischen dem Adel und den Gemeinen auf seine Unkosten hätte besiegelt werden können, so würde er ohne grosse Bedenklichkeiten eingegangen worden seyn. In der Folge vereinigten sich Einige mit dem Klerus, so wie Schiffbrüchige nach dem Sturme sich sammeln, und so wie gerneinschaftlicher Hass und gemeinschaftliche Furcht gegen einen und denselben Feind sich verbünden, welcher mehrere zugleich unterdrückt. Diejenigen aber, welche sich hinter die Geistlichkeit verpflanzten, suchten, weit entfernt, mit derselben sich zu verschmelzen, vielmehr blos einen Verbündeten und keineswegs einen Freund.“

„Welch' ein Unstern, dass Umstände ron'so drobender Natur, gleichwohl nicht durchdrangen, dem Klerus eine veränderte Richtung zu geben! Welcher Uebelstand, dass, statt die Kette enger zusammen zu ziehn, um sich zu halten, er mit eigener Hand sie brach, und die Kraft der zersplitterten Ringe zu gar nichts mehr ausreichte. Welch' Unglück, dass die konstituirende Versammlung, welcher eine solche Summe von Einsicht, Grösse und Talent zu Gebote stand, nur die Hälfte ihres Werkes vollendete; dass sie unter dem Gewichte der Vorwürfe, die man nur allzu rechtmässig für jene harte Abtheilung ihrer Wirksamkeit, hinsichtlich der Priester, ihr machen konnte, stille stand, und, statt von Verkündung ihrer Grundsätze zur freien und vollständigen Anwendung überzugehn, sich herabwürdigte, die Priester zu schulmeistern, und denselben eigene Konstitutionen zu zimmern; dass sie von der Höhe ihl'es philosophischen Standpunktes herunterstieg zu den Kleinfügigkeiten der griechischen Kaiser, und dass sie im Namen der Toleranz Verfolgungen anordnete. Man darf mir glauben, wenn ich die Assemblée constituante anklage; ich habe sie genugsam gelobt, um das Recht zu besitzen, sie zu schelten; ich bin ihr nahe genug gefolgt, um sie ganz zu kennen.“

Bei Eröffnung dieser Versammlung war der Klerus getheilt: das Hauptgewicht der Opposition drückte die Höhern aus seiner Mitte. Nach dem 4. August und 5. Oktober kamen manche

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zur Besinnung zurück; gemeinsame Gefahr vereinigte widerstreitende Gefühle und Leidenschaften. Sie erkannten, dass, wer mit allem Vebrigen im Gegensatze sich befinde, wenigstens unter sich einträchtig und einmüthig seyn müsse. Dass der französische Klerus jemals diese Lehre vergessen konnte, was der bekannten Einsicht und Konsequenz der Kaste überhaupt doch so sehr widerspricht, wäre unerklärlich, wenn man den Schlüssel nicht in der Begierde gefunden bätte, auf Unkosten der andern Stände noch mehr zu erwerben, als man bereits schon besass. So erfüllte sich denn die Bedeutung der Moral in jener Fabel von dem Hunde, welcher das Fleisch aus der Schnauze verlor, um den Schatten noch eines zweiten zu erhaschen,

Die Afläre mit dem Schwur auf die Verfassung brachte die meiste Zwietracht und die meiste Anarchie unter den Klerus, wie unter ganz Frankreich. Ihre Vorgänge, Umstände und Folgen sind zu hinreichend bekannt, um hier abermals sie aufzuführen, und wir verweisen den Leser desshalb auf die verschiedenen trefflichen Werke, welche die Geschichte der Revolution abhandeln. Der Klerus, durch mancherlei tbörichten Widerstand um die Achtung und das Vertrauen der Nation gekommen, sah sich bald nun dem blutigsten Hasse der herrschenden Partheien preisgegeben, Sprach er von der Religion, so rief man ibm entgegen: „Ihr meint den Zehnten;" vertheidigte er die Monarchie: „Ach! ihr redet von dem ancien régime, worin ihr den premier ordre de l'Etat gebildet;" foderte er Eigenthumsrechte zurück - 80 hiess es „Euere alten Güter wollt ihr.“ So mischte sich bitterer Spott in den Hass, und kann man sagen, der französische Klerus habe denselben nicht wirklich verdient ? Er ist als Opfer seiner eigenen Grundsätze, Leidenschaften und Intriken gefallen. Diejenigen, welche den Schwur leisteten und nicht selbst, von freien Stücken, der neuen Ordnung Krieg ankün. digten, wurden grösstentheils gerettet. Die Meinung der Mehr. zahl des gebildeten Europa war für diesen Schwur und eine bereits genannte berühmte Fakultät von katholischen Goltesgelehrten hatte ausdrücklich diese Verbindlichkeit ausgesprochen *).

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*) Vergl., Grégoire esprit de l'église etc.

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Der Widerstand war also Thorheit und Verbrechen zugleich; den französischen Klerus hat ausser seinem natürlichen Verbündeten, der Aristokratie, Niemand in Europa ernstlich bedauert, und das Mitleiden, welches man ihm zollte, gehörte theils der Rücksicht seines Unglücks und rein - humanen Gründen, oder einer politischen, d. h, dem Hasse gegen' alle politische Neuerung, an, welche in den Kabineten bei Zunahme ihres Unglücks sich erzeugte.

Wir überlassen die Schilderung der verschiedenen Hauptwortführer der Klerussache ebenfalls den Lesern der Revolutionsgeschichte; man wird die Talente und persönlichen Eigenschaften der Maury, Rochefaucauld, Montesquiou, Kastignac, Bonnevul, Boisgelin, Brienne, Pompignan, Cicé, Dillon, Dulau u. A. niemals in Abrede stellen; aber auch das verhängnissvolle Wort des Abbé Sieyes, welches die Charakteristik des opponirenden Klerus enthielt, ist eben so wahr als schneidend

gewesen: „Ils yeulent'être libres, et ils ne savent pas être justes.“

Die Deportation und der Verfassungs-Eid hatten eigentlich nun drei Abtheilungen von Priestern geschaffen; zwei befanden sich ausserhalb, der dritte innerhalb Frankreich. Die Emigration diente den Gegnern der Revolution und des Klerus insbesondere mehr, als sie denselben Schaden brachte. Tausende flüchteten nach verschiedenen Ländern Europa's, selbst nach solchen, welche zum Theil durch den Fleiss und die Tugenden der Enkel jener Réfugiés vor der Intoleranz ihrer Väter aufblühten. Merkwürdig genug, sah man die Ketzer am allergastfreundlichsten, während in mehr als einem katholischen Staate Verachtung und Hass die Emigrés empfing, deren Sitten und Hochmuth dazu auch nicht geringe Veranlassung gaben. Sie erwiederten gemeinsam mit dem Adel die genossene Gastfreundschaft durch Laster aller Art, womit sie bisherige - Neulinge darin bekannt machten. Es ist gewiss, nichts hat in neuerer Zeit z. B. Teutschland so sehr demoralisirt, als die Priester und Edlen der französischen Einigration; diese Sache ist sprüchwörtlich unter dem Volke geworden und hat zur Vermehrung der Freunde der Revolution nicht wenig beigetragen. Die Apologie des Alt-Erzbischoffs von Mecheln, hinsichtlich

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