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Freitisch und Verpflegung in einem Konvikt der Hochschule. Mit riesenhaftem Fleifse warf er sich nun auf Sprachen und diejenigen Wissenschaften, welche die Basis seines künftigen Berufes bilden sollten, so zwar, dafs er oft, in Ermanglung von Lichtern, bei den in den Kirchen, oder an den Ecken der Strassen angezün deten Lampen ganze Bücher durchstudirte. Ernstere Disciplinen sprachen ihn übrigens mehr als die humanistischen, in jener Zeit die vorherrschenden, an. An seinen Sitten ward nie etwas Tadelhaftes erfunden. So wurde er mit allgemeiner Zustimmung im Brachmond 1491 mit dem Docktorhut beehrt, einige Zeit später mit der Stelle eines Domherrn und Professors' zu Löwen bekleidet, endlich selbst zum Dechant von St. Peters Stift daselbst, und zum Vicekanzler der Hochschule befördert. Aus diesem Wirkungskreis zog man ihn aber bald in einen grössern und bedeutendern. Die Vormünder des damals 7jährigen Königs Karl von Spanien wählten ihn zum Hofmeister und Erzieher für denselben, gegen die Anstrengungen der Freunde des Erasmus, welche gerne diesen auf jenem Posten gesehen hätten. Würde der junge Fürst ganz der Leitung des eben so gelehrten als strengsittlichen Mannes überlassen worden seyn, so hätte die Welt vielleicht einen der gröfsten Völkerbeglücker, Teutschland einen nationalgesinnten kräftigen Beherrscher erhalten, und die Reformation ohne solchen Rifs durch alle europäischen Verhält nisse auf Jahrhunderte zu bewirken, eine durchgehends populäre, allgemeine Richtung genommen. Leider aber setzte Chievres, der verschlagene Premierminister die Interessen seines Ehrgeizes über die Rücksichten, die ihm sein Standpunkt und sein wichtiges Amt zeigen mussten; er liefs die Erziehung seines Mündels grofsentheils vernachlässigen, die Seite des Gemüthes und Begeisterung für Gutes und Sittlichgrofses unange

baut, und blos den Verstand zu künftigen Theorien und Grundsätzen sich bilden, die ihm genehm und seinem Systeme zuträglich waren. Adrian fühlte seine ganz eigenthümliche Stellung hiebei gar wohl, und empfand schwere Sorge; aber prachtvolle Geschenke übertaubten von Zeit zu Zeit dies innerliche Mifsvergnügen, und belohnten seine Dienste reichlicher, als er erwartet hatte. Auch fand sein Ehrgeiz, wenn er solchen in stärkerm Grade besafs, seine Rechnung ganz in wichtigen Sendungen, womit die niederländische Regentschaft von Zeit zu Zeit ihn beauftragte. Den meisten Ruhm und Erfolg gewann er in Spanien, wo Ferdinand der Katholische, durch das Benehmen seines Eidams, Philipp von Oesterreich, und die Anhänglichkeit der spanischen Edeln an die Fürsten dieses Hauses, aufs äusserste erbittert, durch ihn gänzlich umgestimmt wurde. Das Bisthum von Tortosa ward ihm für diese wichtigen Dienste zu Theil, ohne dafs er jedoch seinen Gesandschaftsposten aufzugeben genöthigt worden wäre. Nach dem Tode des alten Königs bildete er mit Kardinal Ximenes die Regentschaft über das Königreich, und bald darauf, als dieser letztere den Meister zu spielen gedachte, und mit dem Ministerium zu Brüssel sich überworfen hatte, erhielt er die alleinige Ausübung dieser gefahrenvollen Würde, gerade zur Zeit, als Karl nach Teutschland gieng, die Kaiserkrone dieses Reiches sich aufzusetzen. Es bedurfte nun vollkommen eines Mannes von solcher Geisteskraft, Weisheit und Energie, wie Adrian sie besafs, um in den Stürmen, welche gleich nach Ubernahme der Statthalterschaft von allen Seiten herzogen, den Staat nicht untergehen zu lassen. Don Juan de Padilla erhob die Fahne der Freiheit für die alten Rechte der Hispanier, und Bürger und Edle sah man, dem Befehle der wiederhergestellten Kortes fiigsam, für eine und dieselbe Sache geschaart.

In und von Navarra her bedrängte des französischen Königs Heermacht das Land. Es gelang Adrian, mit grofser Schlauheit und vielem Glück aus so vielen Gefahren, freilich nicht immer auf solchen Wegen, die vor der Moral und Geschichte bestehn, sich und die Königsmacht zu retten, nachdem man weislich in den Bund der beiden Stände Er zweiung und Verwirrung gebracht hatte. Eben so ward Navarra vor den Franzosen wieder gesichert: in eben diesen Tagen des Triumphes überraschte ihn die Nachricht, dafs das Kollegium der Kardinäle ihn zum Pabste gewählt habe.

Dies war vorzüglich durch des Kaisers eben so dankbare als feinberechnende, politische Freundschaft, so wie durch die Bemühungen des Kardinals Julian von Medicis zu Stande gebracht worden. Adrian schiffte sich in Katalonien ein, und langte zu Rom im August des Jahres 1520 an. Seine Politik war mit der des Kaisers eng verbunden, und weder sein Herz von den Wohllüsten der Zeit, Roms, und seiner Macht, noch sein Geist ganz von der, aller Verbesserung der Kirche abholden, Diplomatik des heiligen Stuhls verblendet. Er bezeigte sich streng in Sitten und in Bestrafung schändlicher Vergehen wider sie, entwarf selbst öffentlich, zum nicht geringen Scandal der Ultraromanisten ein eben so wahrės, als grelles Gemahlde von den Lastern, mit denen sich der röm. Stuhl seit langer Zeit befleckt, und dann von den Verbesserungen, welche der Geist ihrer Stiftung und die Zeit unerläfslich forderten. Er reizte durch diese teutsche Geradheit den Hafs der Ueberspannten, den Zorn der Italiener, und den bittern Vorwurf wider sich, dafs er zum Pabste gar nicht tauge. Grofser Jubel erhob sich daher, als er plötzlich schon im J. 1520 verschied, und dieser Jubel der Schlechtgesinnten und Fanatiker ist für ihn das ruhmvollste Denkmal seiner Rechtlichkeit, Strenge und Liberalität. Von Gerard

Moring wurde sein Leben beschrieben. Erasmus war unter der Zahl seiner Freunde.

Vergl. Bayle Dict. hist. critiq.; Iselin u. A.

12) Sylvester von Prierio, genannt Prierias, mit seinem eigentlichen Namen Mazzolini, Mitglied des Dominikanerordens, ward in dem piemontesischen oder montferratischen Dorfe Prierio geboren, erwarb sich manche theologische Kenntnisse, eben so als Prediger einen namhaften Ruf; berüchtigte sich übrigens durch eine nicht geringe Dosis Streitsucht und Heftigkeit im Disputiren. Er wurde unter Leo X. Magister sacri palatii, später Generalvikar seines Ordens, und hatte die günstigsten Aussichten, noch höher zu steigen, wenn nicht der Tod sich zwischen ihn und seine Plane gestellt hätte. Auch zu Venedig empfieng er sehr schmeichelhafte Auszeichnungen, zu welchen unter andern seine Ernennung als Professor der Hochschule zu Padua gehörte. Seine theologischen Disputationen mit Luthern waren die erste Klippe, an der sein Ruhm zerschellte; die Päbste Adrian und Klemens selbst waren unzufrieden mit seinem Benehmen. Er liefs sich nemlich so sehr vom Feuer der Leidenschaft überwältigen, zeigte sich dermassen unter seinem Gegner an Intelligenz, und wollte also plump, immer nur das alte Lied von der unfehlbaren Auktoritat singend, denselben zermalmen, dass er mit Schimpf und Schande und unter dem Gelächter aller Gebildeten der Nation das Land wieder verliefs.

Unter seinen Schriften gegen Luther sind vorzüglich folgende zu bemerken: Errata et Argumenta Mart. Lutheri recitata, detecta et repulsa etc. sodann: De juridica et irrefragabili veritate Romanæ Ecclesiæ Romanique Pontificis Liber tertius, index quidem longissi= simus, sed brevissimum Epitoma.

Vergl. Bayle Diction. hist. critique T. III.; Secken= dorf. hist. Lutheranismi; Luthers Werke u. A.

13) Ludewig Beer stammte aus einer angesehenen Bürgerfamilie zu Basel, (sein Vater starb auf dem Schlachtfeld von Marignano, in Verherrlichung schweizerischen Waffenruhms) - und genofs eine nicht. unvortheilhafte Erziehung. Mit einem glücklichen Genie begabt, zeichnete er sich in manchem Zweig der Wissenschaft schon auf den vaterländischen Lehranstalten aus; später noch mehr in Paris, wo er mit allgemeinem Beifall disputirte, und zum Doktor ernannt wurde, der erste aller Teutschen, der diese Würde erhielt. Er übte sich von nun an fleifsig in gelehrten Kämpfen mit der Sorbonne, und las verschiedene Fächer an der Hochschule vor, ba'd jedoch rief ihn die Sehnsucht des Vaterlands nach der Schweiz zurück. Die akademischen Väter zu Basel wählten ihn mehrmals zum Dekan der theologischen Facultät, und das Kapitel an St. Peters Stift zum Domprobst sogar. Er verblieb, durch diese Würde gröfstentheils gefesselt, Anhänger des alten Systems, und verfocht es auf der Disputation zu Basel und zu Baden mit Ungestümm. Sein Urtheil fiel übereinstimmend mit demjenigen von Eck aus, und bestimmte vorzüglich den Entschlufs der alten Kantone. Die Freunde liberaler Gesinnung nehmen mit Verdrufs sein freundschaftliches Verhältnifs mit Erasmus wahr, welcher ihn den Theologum absolutissimum, wegen seiner vielen und gründlichen Kenntnisse, zu nennen pflegte. Von dem Geiste der Neuerung, der in Basel täglich mehr Proselyten gewann, vielleicht fortgetrieben, bezog er den Musensitz zu Freyburg im Breisgau, und erwarb durch schriftstellerische Thätigkeit, wie durch die Art seiner Vorlesungen, einen nicht unbedeutenden

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